Kandelaber-Linde (Dorla)

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Eine alte Linde ist Dorlas ganzer Stolz. Die Linde ist Schätzungen zufolge um die 500 Jahre alt. "Wahrscheinlich aber sogar noch älter", erzählt Franz Lämmer, der sich seit Jahren mit der Historie seines Heimatdorfes beschäftigt. Und mit der Linde, die auf dem Friedhof des Ortes steht.

"Das ist nicht nur eine Friedhofslinde, sondern eine Kandelaber-Linde", sagt Lämmer. Ein Kandelaber ist ein Kerzenständer mit mehreren Armen. Und die Dorlaer Linde sieht aus wie ein riesiger Armleuchter mit sechs Abzweigen.


Ausflug in die Geschichte

Franz Lämmer erklärt: "Den haben die Germanen mit speziellen Spalieren und Gerüsten über mehrere Generationen so geleitet." Früher habe der Baum sogar sieben aufrecht wachsende Stämme, so genannte Kerzen, gehabt. Die Zahl Sieben sei vom Altertum bis ins Mittelalter eine magische Ziffer gewesen, die mit Heiligem und Positivem verbunden wurde.

So war es auch bei den Germanen, denen die Linde in Dorla als Tanzbaum diente. "Auf den Lindenabzweigen lag ein Holzboden, auf dem die Musikanten saßen. Darunter tanzte die Jugend um den Baum", berichtet Lämmer. Die Linde sei über viele Jahrhunderte der kulturelle Mittelpunkt Dorlas gewesen. Auch als Gerichtsbaum wurde die 22 Meter hohe Linde genutzt: "Der Vogt von Merxhausen sprach dort noch um 1800 seine Urteile." Für die germanischen Chatten, die einst im Schwalm-Eder-Kreis lebten, war der Baum vermutlich ein Heiligtum.

So manche Anekdote rankt sich um den Baum, und Franz Lämmer kann viele davon erzählen. Zum Beispiel die von einem trinkfesten Dorlaer, der um 1960 seine Schnapsflaschen in einem der Hohlräume des Baumes vor seiner Frau versteckte. So war der hochprozentige Trunk nicht nur vor der Gattin sicher, er wurde auch gekühlt.

Doch lange hatte der Mann keine Freude an dem Depot. Jugendliche entdeckten den Schnaps, leerten die Flaschen und füllten sie mit irgendeiner Flüssigkeit wieder auf. Schnaps lagerte der Dorlaer im Baum jedenfalls nicht wieder.

Die Dorlaer wollen das Natur- und Kulturdenkmal mitten im Dorf nicht mehr allein dem Naturschutz überlassen. "In Absprache mit dem Magistrat streben wir an, eine Infotafel neben der Linde zu platzieren", sagt Franz Lämmer. So sollen die Menschen über die Bedeutung der Kandelaber-Linde aufgeklärt werden.


Hintergrund

Das Alter des Baumes wird wie beschrieben auf ca. 500 Jahre geschätzt. Damit wurde er wahrscheinlich im 15. JH. gepflanzt und ist damit kein germanisches Heiligtum. Der Baum hat insgesamt 11 Kerzen, welche an 6 Abzweigungen emporwachsen. Man kann anhand des Wuchses annehmen, dass früher 7 Abzweige vorhanden waren, was bei Bäumen dieser Art ja auch die Regel war. Das soll auf die "magische Zahl 7" aus germanischer Zeit zurückgehen.

(Anmerkung Benutzer:Geleng)

Quelle

  • HNA vom 29.2009, Autor: Markus Berger