Königstor

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Königstor - Straße von Fünffensterstraße bis Wilhelmshöher Allee/Rathenauplatz - benannt nach dem seinerzeit im Bereich Fünffensterstraße gelegenen Stadttor, das - wie Königsstraße und Königsplatz - benannt war nach dem hessischen Landgrafen Friedrich I. von Hessen-Kassel (* 1676 Kassel + 1751 Stockholm), der seit 1720 zugleich König von Schweden war.

Häuser am Königstor

Königstor 14: Hier wohnte einst das Bürgertum

Eine wechselvolle Geschichte hat das fast 200 Jahre alte Mietshaus am Königstor 14 erlebt. Fast wäre das auch mit Blick auf die Stadtgeschichte seltene Kulturdenkmal dem Bauboom der 70er Jahre zum Opfer gefallen.

Fabrikanten, Hofschauspieler und Schriftsteller lebten hier, Rittmeister und Redakteure, selbst Freiherren und Freifräulein betteten ihr edles Haupt unter dem Dach des großen Hauses am Königstor 14. Als es in der Mitte des 19. Jahrhunderts erbaut wurde, war das alte Königstor noch erhalten. Das blaßgelbe Gebäude gilt als ältestes Mietshaus Kassels und wohl als letztes Beispiel für die beginnende Ausdehnung der Stadt nach Westen.

Wer das heutige Kulturdenkmal mit der vielfach gegliederten Fassade erbaut hat, ist nicht bekannt. Unter der Adresse Königsthor 14 firmierte bereits 1843 ein Fabrikant namens Jerome Hagelsieb, Besitzer der "Kasselschen Steingut-Fabrik". Den alten Kasseler Adressbüchern zufolge betrieben Hagelsieb und sein späterer Kompagnon Carl Heinrich Wenderoth ihr Geschäft bis 1856.

In den Folgejahren zogen verschiedene Mieter ein, auch die Besitzer wechselten mehrmals - darunter der Ofen- und Tonwarenfabrikant Wilhelm Krüger und ein Freiherr von Günderode. 1890 erwarb Friedrich Rothstein, von Beruf Weißbindermeister, das Haus, in dem damals 22 Mieter lebten. Das Gebäude war bis 1922 im Besitz der Familie Rothstein, dann wurde es von Otto Fennel gekauft, einem über die Grenzen Kassels hinaus bekannten Fabrikanten von Vermessungsinstrumenten und anderen optischen Geräten.

Die Familie Fennel lebte und produzierte seit 1902 direkt nebenan - am Königstor 16, heute Sitz der CDU-Geschäftsstelle. In dem Maße, wie der internationale Ruf des 1851 gegründeten Familienbetriebs wuchs, vergrößerte sich auch die Produktionsstätte. Bald wurde ein großes Fabrikgebäude hinter dem alten Bürgerhaus am Königstor 14 errichtet.

Im Erdgeschoß der ehemaligen Fabrik machen nun unter anderem kleine Mädchen ihre ersten Ballettschritte. Ein Teil der Räume ist von einem japanischen Unternehmen belegt. In die oberen Stockwerke sind private Mieter eingezogen.

Die Theodolite und Nivellierinstrumente, die früher hier gebaut wurden, gingen in alle Welt - etwa nach Schweden, China, Japan und Südafrika. "Bis zum Kongo und bis an den Amazonas wanderten sie, und schließlich waren es insgesamt vierzig Staaten, denen Fennel seine Erzeugnisse lieferte, vierzig Länder in allen Kontinenten, die sich vertrauensvoll nach Kassel wandten, wenn sie Bedarf an geodätischen Instrumenten hatten", heißt es in einer Firmenschrift zum 100jährigen Bestehen.

Zeitweise arbeiteten rund 200 Menschen in dem Werk am Königstor. Ende 1973 wurde der Betrieb stillgelegt, die wachsende internationale Konkurrenz hatte den Zusammenbruch herbeigeführt.

Da gesamte Areal wechselte wieder den Besitzer. Fast wäre das alte Bürgerhaus am Königstor 14 der Abrißbirne zum Opfer gefallen, hätte nicht der Denkmalschutz sein Veto eingelegt. Wohl auch auf Betreiben des Kasseler Arbeitskreises Sanierungskritik und Denkmalpflege, der sich für den Erhalt stark machte. Das Haus wurde saniert, der Eigentümer mit einem Preis bedacht.

Im Erdgeschoss sind heute zwei Büros untergebracht, in den übrigen Etagen leben Familien.


Königstor 31: Wechselvolle Geschichte

Das dreistöckige monumentale Gebäude, das sich hinter der Adresse Königstor 31 verbirgt, hat eine wechselvolle Geschichte:

Mit dem Bau begonnen wurde im Jahr 1904. Am 8. Juli 1907 konnten die Kasseler Schupos ihr neues Quartier am Königstor beziehen. Entworfen hat es der königliche Baurat Trimborn.

Während der NS-Zeit war das Gebäude das Hauptquartier der Gestapo.

Eine Zeit lang war es Ausweichquartier für Verwaltung, Intendanz, Schneiderei etc. des Staatstheaters Kassel. Der Zellentrakt ist noch fast vollständig erhalten und wird in der Spielzeit 2005/2006 mit der Reihe "Helden(in)Haft" bespielt. Die von der Regisseurin Eva Lange konzipierte Reihe rückt verschiedene Persönlichkeiten des politischen, theologischen und künstlerischen Lebens ins Blickfeld, die für ihr Anliegen oder ihre Werke eingesperrt wurden - wie Edith Stein oder Jean-Paul Sartre. In den Lesungen geht es auch um die Wechselwirkungen und Wahrnehmungsverschiebungen, die sich ergeben, wenn diese mit viel Vergangenheit und theaterferner Erfahrung aufgeladenen Räume erstmals bespielt werden.

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