Königsplatztreppe

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Die Treppe auf dem Königsplatz
Citylauf des PSV Grün-Weiß Kassel 1994, mit der Startnummer 1 Konrad dobler, neben ihm Rainer Wachenbrunner, in der Mitte Djillali Abdesselam vom PSV
Die Treppe auf dem Königsplatz wurde Jahr 1992 zum Documenta-Kunstwerk in Kassel erklärt.

Auf dem Königsplatz stand von 1992 bis 2000 die Königsplatztreppe. Das Bauwerk stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Lange bevor die Treppe tatsächlich auf dem Königsplatz thronte, formierte sich in Kassel bereits der Widerstand.

Entstehung

Der Schöpfer der Treppe, der Hamburger Landschaftsplaner Professor Gustav Lange, hatte 1989 den Wettbewerb zur Neugestaltung des Königsplatzes nahezu unangefochten gegen 130 Konkurrenten gewonnen (es gab nur eine Gegenstimme). Die von ihrem Schöpfer als Symbol der Demokratie auf dem barocken Platz gedachte Skulptur galt bei ihren Gegnern als Symbol der Arroganz. Und zwar deshalb, weil sich Lange vehement und lange erfolgreich gegen den von der Stadt und dem Großteil der Bürger gewollten Abriss gewehrt hat. 1994 gab ihm das Oberlandesgericht Frankfurt in einem Eilverfahren Recht.

Treppenstreit

Im Jahr 2000 ging der Treppenstreit vor dem Kasseler Landgericht in die vorläufig letzte Runde. Die Richter sollten entscheiden, ob die Treppe bleibt oder fällt. Mit seiner Klage wollte Lange erreichen, dass sie auf dem Königsplatz bleibt. Sie wurde jedoch in einer Nacht-und-Nebel-Aktion kurzerhand abgerissen.


Kompromisse des Künstlers

Wer die Geschichte der ungeliebten Treppenskulptur Revue passieren lässt, wird indes feststellen, dass der heute so streitbare Professor angesichts der heftigen Diskussionen, die seine Pläne in der Bevölkerung auslösten, viele Änderungen an seinem ursprünglichen Entwurf klaglos hinnahm mit den bekannten Folgen. Auch der chronische Geldmangel der Stadt und andere Zwänge spielten dabei eine Rolle. So wurde aus der geplanten Steintreppe eine Holzkonstruktion, die angestrebte Leichtigkeit und Transparenz fiel den von der Stadt gewünschten Einbauten zum Opfer - Kiosk, Fahrkartenautomaten, Telefone und Toiletten, das alles musste unter der Treppe untergebracht werden. Eigentlich sollten auch noch ein Café oder Restaurant und ein Blumenladen integriert werden. Eine Forderung, die später wieder fallen gelassen wurde. "Zurück zur Skulptur" lautete schließlich die Devise im SPD-geführten Rathaus, das trotz der heftigen Kritik an Lange und dessen Plänen festhielt. Einen Gefallen hat es weder ihm noch der Stadt damit getan, wie sich später zeigte.

Nicht nur Bürger und Kommunalpolitiker, auch documenta-Leiter Jan Hoet (d 9) schaltete sich in die Diskussion ein. Ein Element der Platzgestaltung, der parallel zu den Platanen verlaufende Metallring, als Symbol einer versinkenden Krone gedacht, fiel dem strengen Urteil der hohen Kunst zum Opfer. Der Metallring sei zu sehr an prominente künstlerische Werke angelehnt (etwa die Arbeiten Richard Serras), entschied die documenta-Leitung. Die Treppe indes erhob sie zum Kunstwerk, die documenta GmbH trat auch als Bauherr auf. Der documenta-Architekt Paul Robbrecht wurde mit den Detailplanungen beauftragt. Der Mailänder Künstler Luciano Fabro, anfangs für eine Mitarbeit gewonnen, sprang wieder ab. Er wollte eine eigene Planung für den Königsplatz vorlegen.

Ende der Treppe

Allen Änderungen zum Trotz: Die Bürger mochten die im Mai 1992 schließlich fertig gestellte Treppe nicht. Auch die Oppositionsfraktionen, allein voran die CDU, machten von Anfang an aus ihrer Abneigung keinen Hehl. Mit dem Versprechen, die ungeliebte Treppe und die Lollies abzureißen, setzte sich CDU-Kandidat Georg Lewandowski bei der Oberbürgermeister-Direktwahl 1993 durch.

Lewandowski musste ein Jahr nach seinem Amtsantritt im Mai 1994 eine bittere Niederlage einstecken. Der geplante Treppenabriss, von einigen Kasseler Baufirmen auf Betreiben des OB bereits kostenfrei zugesagt, wurde vom Oberlandesgericht unter Hinweis auf das Urheberrecht Langes am Königsplatz gestoppt. Nur wenn die Stadt eine gänzlich neue Planung für das barocke Rund vorlegt und Lange zustimmt, kann die Treppe fallen.

Alle unternommenen Versuche, sich mit Gustav Lange in irgendeiner Form zu einigen, schlugen fehl. Unterdessen verkam die Treppe zum Schandfleck. Die Forderung nach Sanierung, 1998 von Stadtbaurätin Monika Wiebusch im Falle eines längeren Rechtstreits erhoben, fand damals kein Gehör. "Mit mir wird es keine Restaurierung der Treppe geben", so die entschiedene Antwort des Oberbürgermeisters, der dann auch die Königsplatztreppe in einer illegalen Nacht-und-Nebel-Aktion abreißen ließ.

siehe auch

Weblinks und Quellen