Justizvollzugsanstalt Schwalmstadt

Aus Regiowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Die JVA im Stadtteil Ziegenhain in der heutigen Zeit. Foto: HNA

Die Justizvollzugsanstalt Schwalmstadt liegt im Stadtteil Ziegenhain im Bereich der Wasserfestung. Sie ist zu einem großen Teil vom Großen Wallgraben, einem tiefen Wassergraben umgeben.[1] Die Hauptgebäude zählen zum ehemaligen Jagdschloss der Landgrafen von Hessen Kassel. Im Gefängnis sind 186 Mitarbeiter beschäftigt.[2]

Vollstreckungszuständigkeit

In der Hauptanstalt verbüßen Straftäter eine Freiheitsstrafe von mehr als 24 Monaten. Auch die Sicherungsverwahrung wird dort vollstreckt.

In der Abteilung Kornhaus werden

  • Freiheitsstrafen an geeigneten Verurteilten ab einem Lebensalter von 55 Jahren
  • Freiheitsstrafen bis 24 Monate bei einer Restvollzugsdauer von 9 Monaten
  • Freiheitsstrafen an lockerungsberechtigten Verurteilten

vollstreckt.

Die Hauptanstalt ist im ehemaligen Jagdschloss der Landgrafen von Hessen-Kassel und dem späteren Erweiterungsbau untergebracht.

Geschichte

Die ältesten Bauteile der Hauptanstalt stammen wohl aus dem 12. Jahrhundert. Erste Besitzer waren die Grafen von Ziegenhain, deren Geschlecht 1450 ausstarb. Hiernach kam die Grafschaft Ziegenhain an den Landgrafen von Hessen-Kassel.

Durch den Ausbau Ziegenhains zur Festung im 16. Jahrhundert wurde das Schloss zum Mittelpunkt der Befestigungsanlagen. Nachdem 1832 die Garnison aufgehoben worden war, wurde das Schloss im Jahr 1842 zum Zwangsarbeiterhaus für Männer. Die preußische Regierung wandelte das Gebäude 1882 in ein Zuchthaus um.

Umbau

Von 1926 bis 1930 wurde die Schlossanlage umgebaut. Danach wurde sie als Sicherungsverwahrungsanstalt für gefährliche Verbrecher eingerichtet. Zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs diente sie allerdings zugleich als Zuchthaus. Nach dem Ende des Krieges wurde die Anstalt von der Besatzungsmacht in Anspruch genommen, im August 1946 wurde sie der hessischen Justizverwaltung übergeben.

Kornhaus

Der geschlossenen Anstalt mit höchster Sicherheitsstufe ist eine geschlossene Abteilung geringerer Sicherheitsstufe angegliedert, die in einer Entfernung von etwa 200 Metern im 1579 erbauten Kornhaus eingerichtet ist. Beim Kornhaus handelt es sich um das neuere von ehemals zwei Fruchthäusern. Das ältere der beiden Häuser wurde 1872 abgerissen. Das verbliebene Gebäude wurde ab 1883 zwischenzeitlich als Frauenzuchthaus genutzt.

Sicherungsverwahrung

Nachdem 1956 die Frauen in eine andere hessische Anstalt verlegt worden waren, wurden im Kornhaus ab 1958 Sicherungsverwahrte untergebracht.

Die Sicherungsverwahrten befinden sich seit 1973 wieder in einer eigenen Abteilung der Hauptanstalt. Das Kornhaus wurde hiernach über lange Zeit eine Einrichtung des offenen Vollzuges. Dieser beschränkte sich später auf die Festungsapotheke, während das Kornhaus eine Anstalt des geschlossenen Vollzuges geringeren Sicherheitsgrades wurde. Ende 2003 erfolgte eine Verlagerung des offenen Vollzuges, die Festungsapotheke wurde geschlossen.

Justizminister Jörg-Uwe Hahn die Entscheidung getroffen, dass der Ausbau der Sicherungsverwahrung in Schwalmstadt erfolgt. Die Alternative innerhalb der JVA Weiterstadt ist damit vom Tisch.[3]

Besondere Vorkommnisse

Ausbruch

Am 4. April 1993 wurde der wegen dreifachen Mordes verurteilte Lothar Luft von einem Komplizen mit einem Panzerspähwagen aus dem Gefängnis geholt. Der war zuvor aus der Herrenwaldkaserne in Stadtallendorf gestohlen worden. Der Panzer walzte im Ziegenhainer Gefängnis vier Gefängnistore nieder. Luft war zu diesem Zeitpunkt gerade auf Freigang im Hof. Der Dreifachmörder kletterte in den Panzer. Das Fahrzeug fuhr zunächst rückwärts, wendete noch innerhalb der Mauern und verschwand dann in Richtung Alsfeld. Luft wurde erst Monate später im Elsass gefasst, sein Komplize bereits einige Tage nach der Flucht in Frankfurt.

Bodenfund

Die Bauarbeiten am Ziegenhainer Paradeplatz förderten im Sommer 2011 wieder Historisches zu Tage. Bei Baggerarbeiten am Fuß der Außenwände des Gouverneursflügels, heute Teil der JVA, wurden am 30. Juni 2011 Teile der alten Stadtmauer und das Fundament eines der beiden Sicherungstürme gefunden. Es handelt sich um zwei kleine Rundtürme aus dem 12. Jahrhundert. Die Türme sicherten die wichtigen Handelsstraßen, die einen Knotenpunkt in Treysa hatten.[4]

Fachgewerkschaft für Bedienstete im Strafvollzug (BSBD)

Die JVA Schwalmstadt besitzt einen eigene Fachgewerkschaft für Bedienstete im Strafvollzug, die unter dem Dach des Bundes der Strafvollzugsbediensteten Deutschlands (BSBD) steht. Der BSBD zählt rund 25.000 Mitgliedern in seinen Reihen und vertritt die "die berufspolitischen, rechtlichen, sozialen und wirtschaftlichen Belange der Justizvollzugsbediensteten.[5] In Kassel führte neun Jahre lang Helmut Keil die Arbeit des Ortsvorsitzenden. Insgesamt war er sogar 21 Jahre lang ehrenamtlich im Ortsverband tätig. Bei der Personalratswahl 2012 trat Keil zurück und wurde feierlich verabschiedet. Der JVA bleibt Keil erhalten, da er Vertreter im Hauptpersonalrat des hessischen Justizvollzugs wird. Zu seinem Nachfolger als Vorsitzender des Ortsverbandes wurde Jochen Habich gewählt. 68 Prozent der Bediensteten wählten die Liste des BSBD.

siehe auch

Weblinks und Quellen

  1. Internetauftritt der JVA Schwalmstadt
  2. "Eine Welt hinter Mauern" aus der HNA vom 21. Juli 2008
  3. Aus HNA.de vom 21. Juni 2012: Sicherungsverwahrung kommt nach Ziegenhain - kein Neubau
  4. Aus HNA.de vom 1. Juli 2011: Bodenfund in Ziegenhain: Teile des alten Schlosses wurden entdeckt
  5. http://www.bsbd.de/

Aus HNA.de: JVA wählte neuen Gewerkschaftler