Junkers, Motorenbau Werk Kassel

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Am 3. August 1940 erwarben die Junkers Flugzeug- und Motorenwerke AG ein Industriegelände in Kassel-Bettenhausen und errichten hier ein Zweigwerk zur Herstellung von Zubehörteilen für Flugzeugmotoren. Später werden komplette Flugzeugmotoren in Serie gefertigt.

Geschichte

  • 1940: Infolge einer Drosselung der Munitionserzeugung und damit der Verringerung der Kapazitäten für mech. Zeitzünder wurde am 12.Juli vom Reichsminister für Beschaffung und Munition entschieden, dass das Montan WerkGerätebau GmbH Gebr. Thiel in Kassel, Lilienthalstraße 150, kurz Thiel genannt, an die Junkers Flugzeug- und Motorenwerke AG Dessau,kurz genannt JFM, abzutreten ist. Dazu gehörten auch 8 Wohnhäuser und das Bereitschaftslager für 1000 Mitarbeiter am Forstbachweg 2.

In diesem Werk sollten nun zur Entlastung der Junkers Flugmotoren-Serienfertigung Motorenzubehörteile und speziell Pumpen sowie Ladedruckregler hergestellt werden. Das Werk befand sich zu diesem Zeitpunkt in einem stillgelegten Zustand. Am 5.August erfolgte seitens JFM die Übernahme und die Inbetriebnahme des neuen Standortes Motorenbau Werk Kassel, kurz MWK genannt. Die vorhandene Thiel-Belegschaft von ca. 100 Personen wurde mit übernommen. MWK zahlte für das gesamte Objekt eine Pacht an die Montan. Parallel dazu führte Thiel, wie vertraglich vereinbart, die noch ausstehenden Bau- und Ausrüstungsarbeiten des ‚Projektumfanges Thiel’ weiter.

Zum Ende des Junkers-Geschäftsjahres am 30.September waren bereits 800 Mitarbeiter im Werk tätig.

Die Fertigung von Geräten wie Einspritz-, Öl-, Kraftstoff- und Kühlmittelpumpen, Ladedruckregler usw. wurde angefahren. MWK begann Ende des Jahres mit dem weiteren Ausbau des Werkes. Dafür war eine Investitionssumme von 33,5 Mio RM angesetzt. Im Bereitschaftslager Forstbachweg 2 wurden 22 Baracken für 1.000 Mann fertig gestellt, ebenso die ersten 18 Werkswohnungen.

  • 1941: Die weitere Ausstattung der Gebäude mit der notwendigen Infrastruktur wie z.B. Pressluft, Gas, Elektrotechnik usw. machte unter der Regie von Thiel Fortschritte.

MWK konnte in diesem Geschäftsjahr das geplante Produktionsprogramm nicht erfüllen. Man hatte die Anlaufproblematik des Werkes offenbar unterschätzt. Mit diesen Geräten belieferte man das Reichsluftfahrtministerium (RLM), und die JFM -Motorenbauten.

JFM war mit dem Pachtverhältnis des Werkes von der Montan nicht zufrieden und stellte am 30.Dezember den Antrag auf Kauf der Werkanlage.

  • 1942: Die von MWK in Auftrag gegeben Bauaktivitäten gingen zügig voran. Thiel teilte am 10.03. der Montan mit, dass die „Fertigungsstelle K“ für sie abgeschlossen ist.

Das Produktionsprogramm für dieses Geschäftsjahr konnte fast erfüllt werden.

  • 1943: Dieses Jahr war überschattet von den schweren Luftangriffen auf Kassel.

MWK blieb davon nicht verschont und wurde mehrmals getroffen. Besonders große Schäden entstanden bei den Tagangriffen am 28. und 30.Juli. Nach Angaben der Werkleitung ging der Leistungsgrad des Werkes im August um 75% und im September um 50% zurück. Als Reaktion auf die Angriffe im Juli erfolgten umfangreiche Auslagerungen der kaufm. und teilweise der techn. Büros auf verschiedene Stellen im Stadtgebiet Kassel. Ebenso baute man Teilbereiche der Fertigung außerhalb von Kassel neu auf wie z.B. in Veckerhagen, Ziegenhain und Venusberg/Erzgebirge. Das Werk wurde bei den Nachtangriffen am 3. und 22.Oktober erneut in Mitleidenschaft gezogen. Den entstandenen Gesamtschaden bei den 4 Luftangriffen schätzte man auf ungefähr 20 Mio RM.

Trotz der Bombenschäden war in diesem Jahr die Serienfertigung im vollen Ablauf. Der Wert der Jahresleistung hatte eine beträchtliche Steigerung mit 33% gegenüber dem Vorjahr.

In diesem Jahr wurden die ersten Baugruppen für das Turbostrahltriebwerk Jumo 004B gefertigt und abgeliefert.

  • 1944: Infolge der Kriegseinwirkungen auf die Industrie standen immer weniger Daten zur objektiven Berichtserstattung über MWK zur Verfügung. Für das Geschäftsjahr 1943/44 endeten die Finanzdaten zum 31.Juli. Die Auswertung dieser Daten ergab, dass in diesem Geschäftsjahr im Vergleich zum Vorjahr ungefähr 25% weniger Geräte abgeliefert wurden.

JFM erwarb von der Montan das Werksgelände und die Flächen mit Wohnungen in der Lilienthalstraße sowie am Faulswiesenweg. Die Auflassung erfolgte am 8. September.

  • 1945: Am 5.April wurde Kassel-Bettenhausen von der 80th Infantry Division der US-Army besetzt und damit auch die Betriebe in der Lilienthalstraße.

Zum 31.Januar waren nach Angaben der zuständigen US-Militärstellen 5.115 Mitarbeiter beim MWK tätig, diese teilten sich auf 4.537 Arbeiter und 578 Angestellte. Die Arbeiter teilten sich auf in 649 Stammpersonal, 1.074 von der Wehrmacht abkommandierte, 1824 größtenteils dienstverpflichtete Ausländer und 990 Kriegsgefangene und die Angestellten in 543 Stammpersonal und 35 Ausländer.

  • 1946 bis 1950: Der frühere kaufmännische Leiter des MWK Rudolf Jörss übernahm zur Abwicklung des Standortes die Funktion eines Treuhänders. Es erfolgten Vermietungen der ehemaligen MWK Gebäude an andere Unternehmen.

Die ‚Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft –Zentralverwaltung Westzonen ’, kurz genannt AEG, hatte 1948 etliche der MWK Gebäude angemietet und beschäftigte dort Anfang 1950 bereits 700 Arbeiter Mit Beschluss vom 15.April 1950 stimmte der Hessische Landtag dem ‚Kaufvertrag zwischen dem Land Hessen und der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft (AEG) in Kassel über das Gelände der Junkers Flugzeug- und Motorenwerke AG in Dessau, gelegen in Kassel, Lilienthalstraße’ zu. Der Grundbucheintrag erfolgte am 19.April 1950.

In der 1941 nicht fertig gestellten Brücke der bereits ausgekofferten Autobahn Kassel-Eisenach in der Nähe von Wellerode in der Söhre , nutzten die Junkers Flugzeug- und –Motorenwerke AG ( später AEG ) die rund 200 m² großen Tunnel des Bauwerkes ab Ende 1943 als Produktions und Lagerhalle für Zubehörteile von Flugzeugmotoren. An beiden Seiten wurden Hallen von je 200 m² mit Ziegelwänden angebaut.Man baute und installierte dort neben etlichen Werkbänken einige Drehmaschinen und Standbohrmaschinen. Neben sowjetischen Kriegsgefangenen, Polen, Tschechen und Litauern waren auch deutsche Arbeiter eingesetzt, insgesamt etwa 50 Personen. Jeden Tag um 17:00 Uhr wurde die Verpflegung der dort Beschäftigten mit einem Pferdefuhrwerk aus der Küche des im Winter 1943/44 errichteten Junkers-Lagers in Wellerode-Wald herangebracht.Das gesamte Gelände war eingezäunt und wurde von Wachposten in Zivil bewacht. Diese Fertigung wurde bis zum Einmarsch der US-Army am 1. April 1945 betrieben. Das Gerücht, die Alliierten hätten während des Krieges die Werkstatt in der Autobahnbrücke zwar gesucht, aber nicht gefunden, erweist sich als falsch, da die Briten Luftbilder von der Brückenkonstruktion besitzen. LR

Quellen

Rolf Nagel, Baunatal

Buch: Kassel, Lilienthalstraße 150, Geschichte eines Industriestandortes 1940-1950

Lothar Rolwes Söhrewald

siehe auch

Weblinks