Julius Schneider

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Das unglückliche Leben eines großen Tüftlers

//Der Erfinder der Panzerkette lebte und starb in Kassel//

Kaum eine Baustelle, auf der nicht Fahrzeuge mit Raupenketten ihren Dienst tun. Kein Panzer würde ohne Raupenkette rollen. Die Idee, einen Wagen zu konstruieren mit gezahnten Rädern auf einer endlosen gezahnten Fahrbahn stammte von Julius Schneider, der am 15. Juli 1910 in Kassel starb. Schneider ist heute vergessen, seine Erfindung dagegen weltberühmt.

Der aus Perschütz in Schlesien stammende Schneider würde heute wohl als Hobby-Erfinder bezeichnet. Ständig befasste er sich mit Neuerungen und Verbesserungen von technischen Geräten. So entwarf er eine Rollbrücke für militärische Zwecke und entwickelte eine Art Esperanto als mögliche Weltsprache. Doch um auf seine beste Idee zu kommen, dazu bedurfte es eines Krieges. Im deutsch-französischen Krieg 1870/71 kam ihm die Idee, den Zugpferden das Ziehen von Wagen in schwierigem Gelände zu erleichtern. Er veröffentlichte Fachaufsätze über dieses Thema, bekam jedoch keine Resonanz darauf. Also wollte er sich direkt an den Kaiser wenden, bastelte ein Modell seiner Erfindung und verfasste die Schrift "Die Fahrbahn ohne Ende" - seine Vorgesetzten verboten ihm die Weitergabe.

Neue Hoffnungen gab es 1873. Das Militär begann, Schneiders Erfindung zu testen, erkannte dessen Wert aber noch immer nicht. Für ein solches Fahrzeug bestehe kein militärisches Interesse, ließ man ihn aus Berlin wissen. Schneider blieb im Dienst der Armee, hatte aber fortan unter Kameraden und Vorgesetzten zu leiden, die ihn als Fantast und Querulant abtaten. Ironie der Geschichte: Im Oktober 1914 bot ein bis heute Unbekannter der deutschen Militärführung die gleiche Erfindung an - und wieder wurde sie abgelehnt. Pech für die Deutschen: Die Engländer kauften das Patent und setzten die ersten Tanks gegen die deutschen Truppen ein.

1876 schied Schneider aus dem Militärdienst aus. Der Versuch, die Brauchbarkeit seiner Idee am Bau des Niederwald-Denkmals mit eigenen finanziellen Mitteln beweisen zu können, scheiterte an einem Familienprozess, der Schneider um sein Geld brachte. Julius Schneider zog nach Kassel, wohnte in der Wilhelmshöher Allee 288. Eine Anstellung im Büro der Königlichen Regierung half ihm, seine Familie ernähren zu können. Die Reste der von ihm gebauten Modelle kamen ins Museum.

Schneider starb im Juli 1910, ohne sich jemals wieder an eine Erfindung gewagt zu haben. Er wurde am Rammelsberg beerdigt, sein Grab 1960 eingeebnet. 1963 sollte eine Gedenktafel an seinem Wohnhaus angebracht werden - auch dies scheiterte. Die Witwe seines Enkels Carl-Heinz, Margarethe Schneider, bewahrt heute die wenigen Fotos und Dokumente auf, die Julius Schneiders Leben dokumentieren. Das Tagebuch sowie die Grabplatte des vergessenen Erfinders sind heute im Archiv des Museums für Astronomie und Technik. Und nichts erinnert an Julius Schneiders revolutionäre Idee.

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siehe auch Erfindungen