Judenbrunnen

Aus Regiowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Eine Gasse in der Kasseler Altstadt, die in der Nordwestecke des Altmarkts von der Einmündung der Marktgasse nach Norden abzweigte, neben dem spätgotischen Rathaus verlief und dann zur Wildemannsgasse (Herrengasse) abbog (etwa gegenüber dem Gasthof zur Pinne); im 18. Jahrhundert hieß sie auch zeitweise "Kleine Herrengasse". Im Keller des Hauses Judenbrunnen 10 (am Haus Datierung 1507) war ein rituelles jüdisches Bad (Mikwe) eingebaut, unter dem Dach befand sich ein "Tempel" (eine Laube, wie sie beim Laubhüttenfest benutzt wird). In der Nähe des Hauses stand ein öffentlicher Brunnen. Sicher anzunehmen ist, dass an der im zentralen Bereich der Kasseler Altstadt gelegenen Gasse Judenbrunnen zeitweise angesehene jüdische Mitbürger wohnten. Die Mikwe im Haus Nr. 10 weist als besonderer religiöser Ort auf die Bedeutung des Judentums in Kassel an der Schwelle vom Mittelalter zur Neuzeit um 1500 hin.

Die Fachwerkbebauung am "Judenbrunnen" wurde beim Bombenangriff auf Kassel am 22. Oktober 1943 vollständig zerstört. Beim Wiederaufbau Kassels wurde der mittelalterliche Straßenzug des Judenbrunnen vollständig überplant, nicht wieder hergestellt und nicht erinnert.

Der ehemalige Straßenzug Judenbrunnen zog sich etwa vom heutigen Hauskomplex Weserstraße 1 zur Wildemannsgasse die früher im Bereich der heutigen Straßenbahnhaltestelle die heutige Kurt-Schumacher-Straße überquerte.Die heutige Wildemannsgasse endet südlich vor dem Häuserblock Kurt-Schumacher-Straße.


siehe auch:

Alois Holtmeyer: Die Bau- und Kunstdenkmäler im Regierungsbezirk Cassel, Band VI, Kreis Cassel-Stadt, Marburg 1923; S. 33, S. 678.