Josias von Waldeck

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Josias Georg Wilhelm Adolf Prinz zu Waldeck und Pyrmont (* 13. Mai 1896 in Arolsen, † 30. November 1967 auf Schloss Schaumburg bei Diez an der Lahn) war während der Zeit des Nationalsozialismus Höherer SS- und Polizeiführer im Rang eines SS-Obergruppenführers.

Person

Der älteste Sohn von Friedrich zu Waldeck-Pyrmont, dem letzten regierenden Fürsten des Fürstentums Waldeck-Pyrmont und Prinzessin Bathildis zu Schaumburg-Lippe, meldete sich bereits zu Beginn des 1. Weltkrieges freiwillig zu den Waffen, um Berufssoldat zu werden. Während seiner vierjährigen Kriegsteilnahme wurde zu Waldeck mehrfach verwundet, u.a. erlitt er einen Kopfstreifschuss. Diese Kriegsverletzungen beeinträchtigten ihn bis an sein Lebensende.

Nach Ende des Krieges agierte er als Freikorpsoffizier in Oberschlesien, bis er sich entschloss, Agronomie zu studieren. Zwischen 1923 und 1927 war er Mitglied im Jungdeutschen Orden, bis er am 1. November 1929 sowohl Mitglied der NSDAP als auch der SS wurde. Rasch wurde zu Waldeck zum Adjutanten von Sepp Dietrich und Heinrich Himmler, die ihm einen raschen Aufstieg in der SS-Hierarchie ermöglichten. Bereits 1932 war zu Waldeck SS-Gruppenführer, als solcher und als Assistent von Himmler Teilnehmer am Röhm-Putsch, in dem er die Exekutionen in Stadelheim organisierte. Seit der 8. Wahlperiode 1933 war er für die NSDAP Mitglied des Reichstages. Im Dezember 1934 wurde er auf persönliche Anweisung Hitlers als ehrenamtlicher Richter an den 2. Senat des Volksgerichtshof berufen.

Nach einer kurzen Tätigkeit im Auswärtigen Amt kehrte Josias zu Waldeck ab 1934 wieder zur SS zurück. 1936 zum SS-Obergruppenführer befördert, übernahm er im selben Jahr die Führung des SS-Oberabschnitts "Rhein" und 1 Jahr später - 1937 - dieselbe Funktion im SS-Oberabschnitt "Fulda-Werra".

1939 wurde zu Waldeck zum Höheren SS- und Polizeiführer für den Wehrkreis IX (Hessen/ West-Thüringen) ernannt und war damit auch für das KZ Buchenwald (und dessen Kasseler Außenlager) zuständig und verantwortlich. [1]

Seit der 8. Wahlperiode 1933 war der Adelige aus Waldeck für die NSDAP Mitglied des Reichstages. Im Dezember 1934 wurde er auf persönlicher Anweisung Hitlers als ehrenamtlicher Richter an den 2. Senat des Volksgerichtshof berufen.

Unter seiner Jurisdiktion wurde der ehemalige Kommandant des Konzentrationslagers Buchenwald SS-Standartenführer Karl Otto Koch wegen des Mordes an drei Häftlingen sowie wegen fortgesetzten Unterschlagungen zum Tode verurteilt und am 5. April 1945 hingerichtet.

Der Adelige aus Waldeck war mit dem Reichsführer-SS Heinrich Himmler befreundet. Früh war er in die Massenvernichtung der Juden eingeweiht. Im späteren Prozess gegen ihn bekannte sich Waldeck weiter zum Nationalsozialismus. Er gestand weder Schuld für die Millionen Opfer der Nazis ein, noch ließ er Mitgefühl durchblicken. [2]

Er wurde 1946 mit dem Tode seines Vaters Chef des fürstlichen Hauses Waldeck und Pyrmont.

Nach dem Krieg wurde zu Waldeck am 14. August 1947 vom alliierten Militärgerichtshof in Dachau zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt, die jedoch am 8. Juni 1948 auf 20 Jahre verkürzt wurde. Schon am 29. November 1950 wurde zu Waldeck aus gesundheitlichen Gründen aus der Haft entlassen. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte er u. a. auf Schloss Schaumburg (Rhein-Lahn-Kreis).

In den Jahren 1959 bis 1961 wurden mehrere Ermittlungsverfahren gegen ihn eingeleitet, u. a. wegen des Verdachts des Mordes, des Totschlags und der Beihilfe zum Mord. Diese Ermittlungsverfahren wurden meist wegen Eintritts der Verjährung oder "nicht nachweisbarer Schuld" bis 1963 eingestellt. Von da an bis zu seinem Tod 1967 konnte er sein gut situiertes Leben auf Schloss Schaumburg weiterführen.

Familie

Josias zu Waldeck und Pyrmont war verheiratet mit Altburg Herzogin von Oldenburg. Ihre Kinder sind:

Literatur

Im Druseltal - Das vergessene Konzentrationslager im Wald

Vom 5. Juli 1943 bis zum Einmarsch der Amerikaner am 4. April 1945 [3] befand sich im Kasseler Druseltal ein Außenkommando des Konzentrationslagers Buchenwald. 150 KZ-Häftlinge mussten unter SS-Aufsicht Zwangsarbeit leisten. Vor allem waren es Bauarbeiten für den damals höchsten Nazi-Führer der Region, den Höheren SS- und Polizeiführer Josias Erbprinz zu Waldeck und Pyrmont. Kassels Konzentrationslager war ein Fachwerkhaus mit Anbau, das frühere Gasthaus "Die alte Drusel" sowie Baracken. Und zwei von diesen vier Baracken stehen heute noch oben am Hang zwischen Panoramaweg und Wiegandstraße.

Im Druseltal 85 war nicht Dachau oder Auschwitz. Aber ein KZ-Außenlager, in dem Menschen gequält und geschlagen wurden, Hunger litten und unmenschlich schuften mussten. Kranke und "Aufsässige" traten vom Druseltal aus den Todestransport zurück nach Buchenwald an.

siehe auch

Einzelnachweis

  1. HNA-online vom 24.7.2013: Es gehörte zum KZ Buchenwald - Das fast vergessene Lager in Kassel
  2. HNA-online vom 25.7.2013: Verbrechen im KZ-Außenlager Kassel - Nicht alle Täter verurteilt
  3. Verzeichnis der Konzentrationslager Ldf.-Nr. 702

Weblink