Johannis Kirche (Wolfsanger)

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Eingangsportal Johannis Kirche Foto: Peter Kahle

Die Dorfkirche (Johannis-Kirche) in Wolfsanger wurde im Jahre 1725 nach den Plänen von Landbaumeister Giovanni Ghezzi mit Unterstützung des damaligen Landgrafen Karl erbaut.

Die Johannis-Kirche in Wolfsanger

Die heutige Kirche ist die Nachfolgerin einer älteren Johanneskirche, die schon im Jahre 1019 erwähnt wurde.

Wolfsanger und seine Kirche

Von der Höhe des Opferberges blickt der Kirchturm von Wolfsanger verträumt ins Fuldatal hinab. Hier steht die Kirche auf erhabenem Platze und förmlich bevorzugt in der Mitte des älteren Ortsteils. Ringsherum schließen sich in Reihen und Gruppen die Behausungen der Menschen an, wähernd von der Fuldatalstraße her die Häuschen in buntem Durcheinander den Opferberg emporklettern, als strebten auch sie in die wohlige und behagliche Nähe der Kirche. Fast zehneinhalb Jahrhunderte lang steht das Gotteshaus auf seinem beherrschenden Platze und hat in dieser sehr langen zeit nicht nur Hochstiummung und Festes Freude erfahren sondern auch Kriegsrauen, Unglück und Elend in immerwiederkehrendem Wechsel ertragen müssen.

Das Gotteshaus

Johannis-Kirche vor der Zerstörung 1943

Die erste urkundliche Erwähnung der Kirche reicht bis in das Jahr 1019 zurück, als Kaiser Heinrich II. (der Heilige, 1002 – 1024, er war der letzte Sachsenkaiser) das Gotteshaus dem Kloster Kaufungen zum Geschenke machte. Damals verlieh der Kaiser der Gemeinde Wolfsanger auch das Recht, einen Wochen- und dreitägigen Jahrmarkt abzuhalten.

Der Standplatz der Kirche ist der sogenannte Opferberg. Diese Geländebezeichnung ist sicherlich so alt wie die Kirche selbst, vielleicht sogar noch älter. Urkunden und Aufzeichnungen gibt es darüber nicht. Ungefähr 100 Meter vom Standort der Kirche entfernt befand sich bis in die letzte Zeit hinein der Osterbrunnen, eine natürliche Quelle, die auf Grund von ortsgeschichtlichen Aufzeichnungen früher reichlich Wasser gab und als Wasserspenderin auch in Anspruch genommen wurde.

Osterbrunnen und Opferberg, nahe beieinanderliegend gelegen, lassen aufgrund ihrer Namen darauf schließen, daß sich auf diesem Raume in vorchristlicher Zeit, als es hier noch keine Kirche gab, eine alte Feuer- und Opferstätte befand. Bekannt ist ja, daß germanische Völker die Göttin Ostara als Frühlingsgöttin verehrten und in ihrem Götterkult „bei Bad und Quelle“ auch dem Volksgotte Wodan huldigten. Unschwer lässt sich ausmalen (leider aber nicht beweisen), wie man sich bei der kultischen Zusammenkünften des Wasser des Osterbrunnens (Ostarabrunnen) bediente und auf dem nahen Opferberg dürch Gesänge, Tänze und Feuerschein die Wende von der kalten Notzeit zur heraufkommenden Wärme der längeren Tage feierte.

Für den alten Kult- und Opferplatz auf der Stätte des Opferberges spricht das Vorhandensein noch eines dritten Denkmals religiöser Götterverehrung. Wenige hundert Meter östlich lag der in den Urkunden von 1350 und 1351 erwähnte „Metzelstein“ (1350 meyzil stein, 1351 Metzelstein). In beiden Fällen ist das Steingebilde Anhaltspunkt für Ortsbestimmungen.

Christianisierung

Die Christianisierung unseres Raumes setzte im Jahre 722 mit der Missionstätigkeit des Hl. Bonifatius ein. In diesem Jahre hatte sie mit einer Massentaufe im Edertale den ersten sichtbaren Erfolg. 723 brachte die Niederlegung der Donareiche bei dem Dorfe Geismar, 3 km nordwestlich von Fritzlar. 724 wurde das Kloster Fritzlar, 744 das Kloster Fulda gegründet. Einige Jahre vorher konnte, wie einschlägige Literatur darlegt, Nordhessen sich als dem Christentum zugeführt betrachtet werden. Die gleiche Literatur vertritt auch die Ansicht, daß Bonifatius mit seinen Begleitern über Altenstädt, Martinhagen, Niederzwehren, durch das Lossetal und Kaufungen nach Thüringen weitergewandert sei. Damit wäre mit großer Wahrscheinlichkeit unsere nächste Nachbarschaft durch die christlichen Sendboten berührt worden. Wann der religiöse Umschwung in unserem Orte begann, ist unbekannt. Jedenfalls aber werden die Begleiter des Hl. Bonifatius von unseren drei Kultstätten, zu denen noch der Lohberg hinter der Hasenhecke hinzuzuzählen wäre, sehr bald Kenntnis erhalten und ihnen bald ihre besondere Aufmerksamkeit gewidmet haben. Vielleicht hatte die Bekehrungsaktion um 744 auch hier ihr Ziel erreicht, nachdem im Jahre 740 auf dem Büraberge, unweit von Fritzlar, ein Bischofssitz mit dem Kirchenfürsten Witta entstanden war.

Wie wir aus der Geschichte wissen, verfielen die meisten der vorchristlichen Feier- und Opferplätze der Zerstörung:

  • Donareiche
  • Irminsul (von irmin = mächtig, göttlich, groß und sul = Säule)
  • Eresburg

Damit wollte man den Anhängern des bisherigen Götterkultes die Feierstätte nehmen, zumindest aber die Ausübung des Götzendienstes erschweren.

Später ging man daran, die Kultplätze von heidnischen Erinnerungen zu säubern und dafür mit christlichem Gepräge zu versehen. So mag man auf unserem Opferberge das Wasser des Osterbrunnens zum Taufen verwendet haben, und sehr bald mag auch die Gründung des ersten christlichen Gotteshauses, vielleicht in Form einer Kapelle auf dem Opferberge erfolgt sein. Damit hätte die Stätte des Heidentums ihre christliche Weihe erhalten. Wäre dagegen das erste Gotteshaus an einer anderen Stelle erbaut worden, so hätten nebeneinanderzwei verschiedene Andachtsstätten , eine christliche und eine heidnische, bestanden und das Volk hätte die Möglichkeit behalten, am gewohnten Platze die alteingeführte Verehrung der Götter weiter zu pflegen.Das die frühere heiligende und reinigende Kraft des Wassers im Volksglauben noch auf unsere Zeit in der Erinnerung verblieb, zeigt altes Brauchtum der Vorväter, das in deutschen Gauen heute noch geübt wird. Am frühen Karfreitagmorgen geht man vor Sonnenaufgang zu einer Quelle un d schöpft schweigend ihr Wasser, um sich damit zu waschen.Den ehemals kultischen Brauch deutete das Christentum als Andenken und Erinnerung an die Fußwaschung und das überschreiten des Cedronbaches vor dem Leiden des Heilands.

Bedeutsame Einrichtung

Von der Kirche in Wolfsanger wurde bereits gesagt, daß sie im Jahre 1019 durch Schenkung in Besitz des Klosters Kaufungen überging. Sie mußte zu dieser Zeit eine bedeutsame Einrichtung gewesen sein, denn sie war ja Schenkobjekt eines Kaisers geworden. Einem kleinen, unbedeutenden oder gar bescheidenen Kirchlein wäre dieser ehrende Vorzug wahrscheinlich nicht zuteil geworden.

Unsere Kirche muß auch begütert und von weitreichendem Einfluß gewesen sein, um dem Kloster einen Nutzen bringen zu können. Denn nur an einem solchen konnte das neugegründete Kloster in Kaufungen ein besonderes Interesse haben. Ein gewisser Reichtum der Kirche ist ja erwiesen. Verfügte sie doch über einen umfangreichen Besitz an Grund und Boden, welcher der Kirche auch gewisse Einnahmen sicherte.

Die geschilderte Bedeutung erreichte unsere Kirche nicht, wie man so sagt, von heute auf morgen. Sie brauchte eine gewisse Zeit der Entwicklung. Viele Jahrzente mussten dahingehen, ehe sich die Kirche in ihren Einrichtungen einführte, ausbreitete und festigte. Viele Jahrzehnte waren auch notwendig, um den inneren Aufbau und die Arbeit nach außen hin zu festigen und zu ordnen. Alle diese Umstände sprechen für die Annahme, daß unsere Kirche bereits im Jahre 1019 über ein gewisses Alter verfügte.

Es ist sogar möglich, daß sie während der Regierungszeit Karls des Großen (768-814) auf königlichem Grund und Boden gegründet und dem Schutze der beiden benachbarten Herrenhöfe (Königshof und Bornhof) anvertraut wurde. Auch die Ausstattung mit so umfangreichem Landbesitz - mit seinen 158 Morgen reichte er von den großen Pfarrgärten neben der Kirche nach Osten bis zum Steinmahlshofe und umfasste im Süden noch einen großen Teil der Gärten am Fuße des Opferberges – findet in der geäußerten Möglichkeit ihre naheliegende und sinnvolle Erklärung.

Kriegszeiten

Am Ende des 14. Jahrhunderts litt unser Dorf mehrfach unter den Greueln des Krieges.

1385 und auch in den folgenden Jahren belagerte der Landgraf von Thüringen im Bunde mit Herzog Otto von Braunschweig und dem Erzbischof von Mainz die Stadt Kassel.

Der Einfall in die Stadt konnte verhindert werden. Dafür aber wurden die umliegenden Dörfer, unter ihnen auch Wolfsanger, stark verwüstet.

1400 litt die Stadt Kassel erneut unter Belagerung und Beschuß, wobei zwölf Nachbardörfer mit Feuer und Schwert zerstört wurden. Wiederum befand sich auch Wolfsanger unter den so schwer heimgesuchten Gemeinden.

Kirche in Schutt und Asche

Die Zerstörungsarbeit im Orte hatte natürlich die Kirche mit einbegriffen.

Am 18. Juli 1385 brannte sie aus und stand als rußgeschwärzte Ruine da.

Örtliche Schilderungen wollen wissen, daß das durch das Feuer vernichtete Gotteshaus von mehreren Anbauten und kleinen Häusern umgeben war. Man bezeichnete sie als „Gaden“ . Sie hatten als Kapellen oder kirchliche Räume gedient. Nach der Reformation kamen sie in Privatbesitz, und man baute sie zu Scheunen und Wirtschaftsgebäuden um.

Für diese Baulichkeiten mußte der immerwährende Grundzinz an die Kirchen bezahlt werden. Derselbe Zins belastete auch das ehemalige Kirchengebäude, das man später als Küsterschule einrichtete. Bei einer Auseinandersetzung zwischen Kirche und Schule konnte das Haus als auf ehemaligem kirchlichem Grund und Boden stehend nachgewiesen werden. Wie man lesen kann, vereinnahmte die Kirche den Grundzinz von 2 Albus und schenkte ihn der Gemeinde zurück.

Wiederaufbau der Kirchen

Die Verhältnisse unter der Bewohnerschaft und im Orte erlaubten es nicht, das Gotteshaus bald nach der Zerstörung in seinem alten Umfang und in seiner früheren Größe aufzurichten, da die Gemeinde durch die Kriegsnöte vollkommen verarmte und auch ihren früheren beherrschenden Einfluß in wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht abgetreten hatte. Man mußte sich daher entschließen, auf der westlichen Hälfte des früheren Grundrisses ein kleineres Gebäude zu errichten. Nach Eintragungen in den alten Kirchenbüchern war die Bauausführung mangelhaft und bedurfte in der Folgezeit vieler Reparaturen.

Im Jahre 1577 nahm man im Inneren der Kirche Veränderungen vor, brach drei der gemauerten Altäre, die noch aus der Zeit vor der reformation stammten, ab und gab auch dem Hauptaltar einen anderen Platz. Dasselbe geschah mit Taufstein und Predigtstuhl.

Im darauffolgendem Jahr (1578) wütete ein schwerer Orkan, der den hölzernen Glockenturm aus dem Mauerwerk des Turmes löste und auf die Straße schleuderte.

Dabei gingen die beiden Glocken zu Bruch. Für die Instandsetzungen holte man Baumstämme aus dem Sensensteiner Forst, damit „Meister Christoffel“ aus Kassel den Turm wieder aufrichten konnte. Weil er auch die anderen Bauarbeiten beaufsichtigte, erhielt er für seine Bemühungen 16 Albus. Ebenso hatte man dem Förster vom Sensensteiner Forst Fische im Werte von 4 Albus „verehrt“.

Da man das Bauholz im Sensensteiner Forst holte, darf angenommen werden, daß die Landesherrschaft den Aufbau förderte. Von der gleichen Herrschaft erhielt der Pfarrer von Wolfsanger ja auch seit altersher 3 Klafter Brennholz und außerdem noch 6 Fuder sogenanntes Heilig Abend Holz, das die Wolfsanger Ackersleute heranzufahren hatten. Als Entschädigung dafür stand ihnen eine Mahlzeit beim Pfarrer zu.

Im Jahre 1579 verlegte man neue Tragbalken (Borleibe) und brachte den „oberen Boden“ Decke? an. 1583/84 besserte man das Mauerwerk des Turmes aus und deckte 1592 den Chor neu ein. Auch hatte man zwei neue Glocken angeschafft und im Turme angebracht. Eine dritte Glocke, welche Glockengießer Haase herstellte, fand im Jahre 1600 ihren Platz im Turme. Das erst 1592 angefertigte Kirchendach musste 1609 wieder gedeckt werden.

Inwieweit das Gotteshaus im 30 jährigen Krieg beschädigt wurde, ist nicht festzustellen, denn alle Aufzeichnungen, die sich mit Sicherheit auch auf das Schicksal der kirche in den drei Jahrzehnten des Grauens bezogen, gingen nach einem Bericht des Pfarrers Wiedekind verloren. Aus den erhalten gebliebenen knappen Einelnachrichten ist zu ersehen, daß 1645 bayrisches Kriegsvolk die Kirche verwüstete und den Gotteskasten beraubte. 1650, 1654 und 1666 mußten größere Maurer- und Zimmerarbeiten an der Kirche und dem baufälligen Glockenturme vorgenommen werden.

Verfall der Kirche und Abbruch

Trotz all dieser Bemühungen schritt der Verfall des Gebäudes aunaufhaltsam fort.

Aus einem späteren Bittgesuch an Landgräfin Hedwig Sophie erfahren wir etwas über die Ursachen. Aus Sparsamkeitsgründen hatte man beim Wiederaufbau um 1400 Teile des alten und innerlich schadhaften Mauerwerks mitverwandt. Im Laufe der langen zeit verlor der durch die Brände mürbe gewordene Mörtel seine Bindekraft. Das Mauerwerk bekam große Risse und senkte sich. Dazu drückte auch die Last des Deckengewölbes die Umfassungsmaueren auseinander. Stützpfeiler halfen nichts, da auch sie dem Druck nachgaben. So löste sich der Verband im Deckengewölbe, und aus einem der geborstenen Gewölbebogen fiel der Schlußstein heraus.

Um keine Blutschuld auf sich zu laden, stellte man nach dem Ostermontagsgottesdienste des Jahres 1675 die Benutzung des Gotteshauses ein. Beim Abbruch konnte man feststellen, welch großen Umfang die dem Auge verborgen gebliebene innere Zersetzung des Mauerwerks bereits angenommen hatte. Men entdeckte überall Brandreste, fand verglühtes Gestein, Nägel und verschmorte Eisentale als Spuren des Brandes von 1385.

Auch zeigte es sich, daß das Balken- und Sparrenwerk des Kirchendaches von Fäulnis zerstört oder angefressen war.

Allein war die Gemeinde nicht in der Lage, die beträchtlichen Kosten für einen Neubau der Kirche aufzubringen, denn immer noch lasteten Not und Elend auf der durch den langen Krieg und die nachfolgenden ungeordneten Verhältnisse stark verminderten und in ihren Einnahmequellen beraubten Einwohnerschaft. Man erbat daher 1675 Hilfe und Unterstützung bei der Landgräfin. Mit demselben Anliegne trat man auch an den Landgrafen Karl heran.

Den entscheidenden Einfluss auf den Beginn des Kirchenbaues hatte Kanzler Johann Wilhelm Vultejus, der damalige Besitzer des Bornhofes.

Er erreichte es, daß Lamndgraf jKarl die Baukosten übernahm. Die Bauleitung oblag dem landgräflichen Baumeister, dem Italiener Ghezzi, der den 1725 begonnenen Neubau so beschleunigte, daß noch im gleichem Jahr das Gotteshaus dastand. Aus nicht ersichtlichen und angegebenen Gründen hatte man den Bauplatz der Kirche ungefähr 40 meter weiter nach Süden an die Stelle verlegt, an der sich das Gotteshaus auch heute noch darbietet. Durch diese Veränderung hat die Kirche etwas von ihrer beherrschenden Höhe im Ortsbilde eingebüßt. Vielleicht geschah die Verlegung auf Wunsch des Vultejus, man weiß es nicht.

Einweihung des neuen Kirchengebäudes

Johannis Kirche vor der Zerstörung 1943
Am 20. Oktober 1725 konnte die glückliche Kirchengemeinde die Einweihung ihrer Andachtsstätte im Rahmen eines Festprogramms begehen.

Landgraf Karl war bei der Feierlichkeit persönlich anwesend. Der Tag gestaltete sich zu einem allgemeinen Volksfeste, und der Name unseres Dorfes kam weit und breit ins Gespräch.

Die neue Kirche war eine Saalanlage mit Apsis (gewölbter Nischenanbau) von 22 m innerer Länge und 10 m Breite. Der äußere Verputz erfuhr durch die Sandsteinverkleidung der Fenster- und Türöffnungen Belebung und Unterbrechung.

Über dem Westportale wies eine Inschrift in lateinischer Sprache auf den bauherrn und das Baujahr hin.

Sie lautete:

CAROLUS HASSORUM PRINCEPS CELSISSIMUS AEDEM HANO IUSSIT SULTUS SUPPEDITANDO STRUI RITE DEO CULTUS SACER UT PRAESTETUR IN ILLA ET VERBO PASCI GREX PIUS INDE QUEAT: COMMUNI OBSEQUIO SUNT HINC FUNDAMINA LACTA EXSTRUCTA AEDILIS DEXTERITATE DOMUS DESUPER ADSPIRANS DIVINI FLAMINIS AURA COELESTI COETUM DUCE FIDEQUE BEET: MDCCXXV

Pfarrer und Baumeister finden wir in der chronographierten deutschen Inschrift über dem kleinen Osteingang wieder:

STEH LESER; STEH UND LAS DIR DAS ZUR NACHRICHT SAGEN; WENN DU MICH ETWAN SOLST UM MEINEN MEISTER FRAGEN; MICH BAUTE GHEZZI FLEIS IN EINEM HALBEN JAHR ALS GLEICH HIER VVIEDEKIND DER ZEITEN PFARRER VVAR. WÜNSCH ABER AUCH MIT MIR; DAS DIE IN SEGEN STEHEN; DIE SEELICH AUS UND EIN DURCH MEINE THORE GEHEN

Die Jahreszahl 1725 ergibt sich aus der Summe der unterstrichenen lateinischen Zahlen.

Das Langhaus der Kirche hatte eine Dachziegeldecke. Die Längsmnauern umfassten den Turm, so daß in die so entstandenen Innenkammern die Treppenaufgänge gelegt werden konnten. Zur Inneneinrichtung gehörten drei Emporen an der West-, Nord- und Ostseite. An der freien Südwand hatte die Kanzel und im Chorraum der Altar seinen Platz gefunden.

Prominenz einst und heute

Prominenz machte der Johannis-Gemeinde ihre Aufwartung. Am 20. Oktober 1725, bei der Einweihung der kleinen Kirche auf dem Opferberg, war es Landgraf Karl - und auf den Tag genau 275 Jahre später war es der kurhessische Bischof Dr. Martin Hein, der den Weg in das Gotteshaus gefunden hatte.

Mit einem Festgottesdienst, musikalisch von Cantus Cassel und dem Niedervellmarer Bläserchor umrahmt, feierten die evangelischen Christen das 275-jährige Bestehen ihrer Kirchengemeinde. In den Mittelpunkt seiner Predigt stellte Bischof Dr. Martin Hein den Namenspatron der Kirche: Johannis Baptistae, Johannes den Täufer. Jetzt trägt die Kirche wieder seinen Namen, nachdem sie lange Zeit namenlos gewesen war und man sich erst vor vier Jahren wieder an ihren ursprünglichen Namensgeber erinnert hatte.

Von dem Sonderling Johannes, dem Publikumsbeschimpfer und Täufer, wisse die Bibel zu berichten, so Hein. Einer, der von sich weg auf Jesus Christus hinwies, sagte der Bischof, der darin den tiefen Sinn der Namensgebung dieser Kirche sieht. Wie jeder Kirchturm, weise auch der Turm des Gotteshauses aus unserer begrenzten Welt hinaus, weg von sich, weg aus Zeit und Raum. Sie sind ein Fingerzeig auf Christus.

Im Anschluss an den festlichen Gottesdienst bewies der Harleshäuser Pfarrer und Kirchenhistoriker Dr. Georg Kuhaupt, dass Geschichte spannend und mit Humor vermittelbar ist. In seinem Redebeitrag stellte er die Bedeutung des Gotteshauses als Taufkirche des frühen Christentums und später als reformierte Predigerkirche und Sakralraum in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen.

Quelle: Heimatfreunde Wolfsanger