Johannes von Müller

Aus Regiowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Johannes von Müller auf einem Ölgemälde

Am 3. Januar 1752 wurde der Historiker Johannes von Müller geboren. Als patriotischer Nationalgeschichtsschreiber wie auch als Universalhistoriker wirkte von Müller als Förderer und Vorbild auf die schweizerische und deutsche Geschichtsschreibung der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Ihm wird nachgesagt, er habe den Begriff Bundesrepublik in die deutsche Sprache eingeführt. Er starb am 29. Mai 1809 als Kultusminister in Kassel. Sein Grabmal befindet sich heute auf dem Kasseler Lutherplatz.

Leben und Wirken

Die Geschichte seiner Heimat zu schreiben wurde für den 1752 in Schaffhausen geborenen Johannes von Müller zur Lebensaufgabe. Fünf Bände umfasste die Geschichte der schweizerischen Eidgenossenschaft, die in den Jahren 1786 bis 1808 erschien und ihm den Ruf eines Schweizer Tacitus einbrachte. Im Drama "Wilhelm Tell" hat Schiller den Gelehrten erwähnt: "Der Kaiser ist ermordet", heißt es im 5. Aufzug, "ein glaubenswerter Mann, Johannes Müller, bracht es von Schaffhausen".

Mit seiner patriotisch-belehrenden Geschichtsprosa trug Müller zur Verfestigung des Schweiz-Mythos bei, und wegen seines einfühlenden Verständnisses für die Vergangenheit begeisterte er die Romantiker. Als Schriftsteller - immer in finanziellen Nöten - litt er andererseits in seinen Ämtern darunter, keine Zeit für die wissenschaftliche Arbeit zu haben.

Von einer wechselvollen Vita sprechen die Lexika, eine Stetigkeit seines Lebensgangs war ihm nun einmal nicht beschieden, heißt es 1809 anlässlich des 100. Todestags im Hausfreund, der Sonntags-Beilage der Casseler Allgemeinen Zeitung. Müller studierte Theologie und Geschichte (bei Schlözer und Heyne) in Göttingen, war Hauslehrer in Genf, Rezensent, hielt Vorlesungen, als er zu einer Audienz nach Berlin reiste, mit der Hoffnung, in den Dienst Friedrichs II. zu treten - ohne Erfolg. Stattdessen lehrte Müller Geschichte am Collegium Carolinum in Kassel - einer von Landgraf Karl 1709 begründeten Art Vorschule für die Universitäten Marburg und Rinteln. Dort sollten die Lücken geschlossen werden zwischen den alten Lateinschulen und den Fortschritten in Mathematik, Naturwissenschaften und Philosophie. Müller fand, wie er 1779 in einem Brief zurückblickt, dort "eine der angenehmsten Stellen für meine Neigung, nämlich die Aufsicht über des Landgrafen Bibliothek, als desselben Rath. Meine Studien blühten wiederum auf."

1786 wurde Müller als Bibliothekar und später Hofrat des Mainzer Erzbischofs berufen. Nach dem Fall der Stadt Mainz an die Franzosen an der Wiener Staatskanzlei tätig (und dort geadelt), ging er 1804 doch noch nach Berlin: als Akademiemitglied und Hofhistoriograf der Hohenzollern. Müller, der lange für eine politische wie kulturelle Reorganisation des Reiches im Deutschen Fürstenbund Friedrichs II. plädiert hatte (der Mainzer Erzbischof war ihm als einziger katholischer Reichsfürst beigetreten) und der sich dann an einer auf die Habsburger gestützten Reichspolitik orientierte, vollzog nun eine spektakuläre Wendung auf die Seite Napoleons, den er als Verwirklicher eines göttlichen Heilsplanes betrachtete. Sie führte ihn nach der Niederlage Preußens bei Jena und Auerstedt 1806 wieder nach Kassel. Am Hofe von Napoleons Bruder Jérôme Bonaparte wurde er Minister-Staatssekretär des neu geschaffenen Königreichs Westphalen. Schon Anfang 1808 wechselte Müller ins Amt des Generaldirektors des öffentlichen Unterrichtswesens, also gewissermaßen des Kultusministers, zuständig auch für Göttingen und Paderborn.

Viele Zeitgenossen betrachteten Müller als Verräter. Noch 1908 behauptete die Casseler Zeitung, Müller sei des französischen Treibens müde gewesen. Sein Biograf Karl Schib indes urteilte 1967, als Geschichtsschreiber und Diplomat habe Müller, der mit den Größen seiner Epoche wie Herder und Goethe korrespondierte, eine glänzende Zeit erlebt. Nie aber hat er so viel Gutes getan wie in der Sorge um den Erhalt der Universitäten (die Schließung der Universität Rinteln wurde gleichwohl 1810 vollzogen), eine Arbeit, die der Tod jäh abbrach.

Grab

Zum 100. Geburtstag Müllers stiftete der bayrische König Ludwig I. - er hatte als Kronprinz in Göttingen studiert - ein Monument über Müllers Grab auf dem alten Friedhof am Lutherplatz. Im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt, fand es später seinen Platz auf dem Hauptfriedhof, wo es als Ehrengrab der Stadt Kassel in der Abteilung 3, Grab Nr. 151 zu finden war. Die Inschriften sind nur noch rudimentär vorhanden. Es fehlt insbesondere der Widmungstext:

"Was Thukydides Hellas, Tacitus Rom, das war er seinem Vaterlande. Dieses Grabmal setzte der Bewunderer seiner Geschichtswerke Koenig Ludwig I. v. Bayern"


Teile des prächtigen Monuments waren 2009 aus Anlass seines 200. Todestages und auf Initiative des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde weitgehend rekonstruiert und wieder aufgestellt worden.[1]

Johann Wolfgang von Goethe schrieb ihm zum Nachruf: „Unser abgeschiedener Freund war eine von den seltsamsten Individualitäten, die ich gekannt habe. Er ist eine Natur, dergleichen auch nicht wieder zum Vorschein kommen wird.“

Weblinks und Quellen

  1. Aus HNA.de vom 4. November 2013: Ludwig I. spendete Universalhistoriker Grabmal auf Kassels Lutherplatz