Johannes Kregelius

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Das Porträt muss um 1905 entstanden sein. Es war Grundlage für ein identisches, groß gerahmtes Bild, das bis 1970 in einer Ecke der Gaststätte hing. Foto: HNA/Archiv

Der berühmte Schankwirt aus Fürstenhagen, Johannes Kregelius (5. Februar 1826 bis 30. März 1913) wurde aufgrund seines schelmischen Wesens auch der "Krawaller" genannt.

Leben

Kregelius war ursprünglich Schäfer. Der Beruf entsprach aber nicht seinem Naturell. Er soll großen Geschäftssinn und viel Aktionismus besessen und zunächst einen Viehhandel mit Schafen betrieben haben. Das geht zumindest aus seinem Nachlasss hervor. Nachdem er ein kleines Vermögen angehäuft hatte, suchte er nach neuen Herausforderungen. Am 27. August 1862 kaufte er ein Wohnhaus mit Scheune und Stallungen an der Leipziger Straße sowie rund 15 Hektar Land in Fürstenhagen für 4230 Reichsmark.

Familienfoto: Das Bild zeigt den Krawaller mit Sohn Philipp, Schwiegertochter Henny und seiner Enkelin Lucie im Jahr 1901. Das Reh ist echt. Es wurde mit der Flasche aufgezogen und war kein Problem für den Hund. Foto: HNA/Archiv

Der gebürtige Oelshausener (Wolfhagen) wurde der größte Grundbesitzer des Ortes. Die zentrale Lage an der Ost-West-Verbindung zwischen Eschwege und Kassel veranlasste ihn und seine Frau Anna Margarethe, geborene Zölner, eine Gaststätte zu eröffnen. Schnell wurde seine Schankwirtschaft zum Anlaufpunkt für viele Fuhrleute, Kutscher, Wanderer und Handwerker auf der Walz.

Kregelius gab sich den Namen Krawaller und taufte die Gaststätte "Zum Krawaller". In seinem Gasthaus präsentierte er sich als polternder und sprücheklopfender Zeitgenosse. Durch Mundpropaganda wurde er schnell über die Ortsgrenzen hinaus bekannt. "In Fürstenhagen gewesen und den Krawaller nicht gesehen ist so, als wenn man in Berlin gewesen und den Kaiser verpasst hat", hieß es über ihn.

Der Krawaller sitzt ein Vierteljahr vor seinem Tod am Steuer eines Autos (Weihnachten 1912). Der Herkulesbrauereidirektor Doornkaat (links) war auf der Durchreise, machte Halt und wünschte dem Privatier Krawaller Frohe Weihnachten. Der posiert gleichzeitig vor Krawallers Biergarten, der zu der Zeit von einem Pächter betrieben wurde. Die anderen drei Herren sind unbekannt. Foto: HNA/Archiv

Selbstbewusst prägte er den Spruch "mäh sin mäh" analog zum "Mia san mia" der Bayern. Kregelius verstand es, sich auf die unterschiedlichen Gäste einzustellen. Mit seinen Zeitgenossen sprach er rigoros platt und gab die eine oder andere Zote zum Besten. Die gehobenere Klasse und der Adel wurden jedoch stets in bestem Hochdeutsch bedient. Er war ein Schauspieler, die Gaststätte war seine Bühne. Hier konnte er alles machen, was sonst verpönt war. Privat war er ein ganz anderer Mensch. Seine Frau war ihm heilig und eine große Stütze.

Sein größtes Geschäft machte er während des Baus der Eisenbahnstrecke Waldkappel-Kassel, die 1879 in Betrieb genommen wurde. In dieser Zeit müssen sich die ihm nachgesagten und teilweise angezweifelten Schelmereien zugetragen haben. Nachdem sich der Verkehr immer mehr auf die Schienen verlagerte, wurde es ruhiger in seinem Gasthaus.

Als seine Frau 1862 starb, verging dem Krawaller das Lachen. Vorbei war die Zeit der Sprüche und Späße. Und weil der feinsinnige Sohn Philipp seine Nachfolge nicht antreten wollte, wurde das Gasthaus 1897 verpachtet, nachdem es zunächst Schwierigkeiten mit der Konzession gegeben hatte.

Der Krawaller kaufte mit Philipp und dessen Familie ein Haus nebenan, um dort seinen Ruhestand zu genießen. Im Alter von 87 Jahren starb er im Kreise seiner Familie. Die legendäre Gaststätte befand sich noch bis 1970 in Familienbesitz.

Würdigung

Heute befindet sich in dem Gebäude in der Leipziger Straße 58, welches einst die Gaststätte beherbergte, ein Ärztehaus. Eine Gedenktafel an der Hausfront erinnert an den „ Krawaller". Seit 1985 ziert sein Konterfei den Schelmenorden des Carnevals Club Fürstenhagen (CCF). Der CCF verleiht jährlich, als Erinnerung an den Wirt, den Schelmenorden an Persönlichkeiten des Ortes oder an Freunde des Karnevals.

Viele Anekdoten ranken sich noch heute um den Krawaller, z.B. „ Der Krawaller als Schulrat", „ Der Krawaller als Pfarrer", „Der Krawaller und die Jäger". In der Fürstenhagener Festschrift, herausgegeben im Jahr 1962, sind einige Anekdoten zu finden.

siehe auch

Weblinks und Quellen