Johannes Calvin

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Johannes Calvin, eigentlich Jean Cauvin (* 10. Juli 1509, † 27. Mai 1564), war ein Reformator französischer Abstammung.

Geschichte

Von der Schweiz aus publizierte Calvin seine theologische Grundlagen, die 1541, also nach dem ersten Ketzeredikt, in französischer Sprache erschienen. Das Grundsatzpapier war von Strenge und religiöser Autorität geprägt und trug entscheidend zur Entwicklung einer geschlossenen Organisation bei und damit zu einer gemeinsamen Kirchenverfassung ("confessio gallicana") der zwölf großen protestantischen Provinzialkirchen im Jahr 1559. Dennoch blieben die Protestanten in Frankreich immer eine religiöse Minderheit (ca. 5% der Franzosen), für die sich seit etwa 1560 der Begriff "Hugenotten" durchsetzte.

Nach acht Bürgerkriegen zwischen 1562 und 1598 (und der grausamen Bartholomäusnacht am 24. August 1572), wurde 1598 das Toleranz-Edikt von Nantes und damit das entscheidende Papier zur Wiederherstellung des inneren Friedens von König Heinrich IV. erlassen, das allerdings schon zu Beginn des 17. Jahrhunderts zunehmend in Frage gestellt wurde. Als 1660 Louis XIV. den Thron bestieg, standen die Zeichen auf Repression und Unterdrückung der Protestanten mit dem offiziellen Ziel der religiösen Einheit. Nach der Aufhebung des Edikts von Nantes im Jahr 1685 trat ein großer Teil der Hugenotten die Flucht aus Frankreich an.


aus einem Beitrag des ehem. Hofgeismarer Dekans Jochen Desel im Kasseler Sonntagsblatt vom 18.7.1999:

"Es waren überwiegend Waldenser aus den savoyischen Alpentälern bei Torre Pellice und Hugenotten, die ihre südfranzösische Heimat schon 1686 nach der Aufhebung des Toleranzedikts von Nantes verlassen hatten, die 1699 als "verspätete Hugenotten" nach Hessen kamen. Beide Gruppen hatten zunächst in der benachbarten Schweiz Asyl gesucht und auch gefunden. 1698 waren die schweizerischen Kantone nicht mehr bereit, die immer zahlreicher einwandernden französischen Réfugiés in ihrer Gesamtzahl zu behalten. Ein Teil von ihnen - vor allem die mittellosen Waldenser - wurde ausgewiesen und mußte das Land wieder verlassen.

Um ihre geplante Einbürgerung in Deutschland zu erleichtern, zahlten die Schweizer und die Niederländer beträchtliche Summen an die aufnahmewilligen deutschen Fürsten. Auch Landgraf Carl von Hessen erhielt Hilfszahlungen, weil er nach anfänglichem Zögern seine Bereitschaft zur Ansiedlung einer zweiten Flüchtlingswelle der Réfugiés in Hessen-Kassel erklärte. Die für Hessen bestimmten Glaubensflüchtlinge schlossen sich im Sommer 1699 in der Schweiz zu sogenannten Brigaden zusammen, um gemeinsam nach Deutschland zu reisen. Schweren Herzens verließen sie die Schweiz, eine ungewisse Zukunft vor Augen. Sie bestiegen in Bern und in anderen Schweizer Städten Schiffe, mit denen sie auf der Aare und dem Rhein über Basel bis Gernsheim fuhren. Von dort zogen sie über Frankfurt und Marburg auf dem Landweg weiter in das nördliche Hessen.

Die Flüchtlingskommissare des Landgrafen hatten schon vor der Ankunft der Flüchtlinge ihre Unterbringung vorbereitet und Details der Ansiedlung mit den Brigadeführern der französischen Réfugiés abgesprochen. Trotzdem waren die ersten Jahre der Flüchtlinge in der neuen hessischen Heimat schwierig für alle Betroffenen. Die Flüchtlinge hatten großzügigere Hilfeleistungen erwartet, die Einheimischen dagegen beneideten die Neuankömmlinge um ihre Privilegien und die Befreiung von Steuern und Abgaben. Es dauerte Jahrzehnte, bis sich die Verhältnisse in den "neuen Dörfern" normalisierten und rund ein Jahrhundert, bis aus den Réfugiés Deutsche geworden waren."


siehe auch

Weblinks