Johann Michael Brühl

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Der Kasseler Hofstukkateur Johann Michael Brühl (gest. 1806) schuf die Rokoko–Stuckarbeiten im Deckengewölbe (1776) der Arolser Stadtkirche [1].

Frühere Stuckarbeiten von ihm finden sich im Rokokosaal, im Nordflügel des Eisenacher Stadtschlosses, die dort in den Jahren 1745 - 1747 entstanden sind.

Brühl wirkte auch bei den Stuckarbeiten in Schloss Wilhelmsthal mit. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurden die Innenräume wieder sparsamer dekoriert, und es traten im Zuge der zunehmenden Naturbegeisterung wieder mehr naturalistische Motive auf. Ein Beispiel dafür findet sich auch in Schloss Wilhelmsthal im sog. „Papageienkabinett“. [2]

Brühlsches Haus in Kassel

Blick auf das Haus Königsplatz 55, um 1897–1899
Das Haus des landgräflichen Hofstukkateurs Johann Michael Brühl war das bedeutendste Rokoko-Haus nördlich des Mains. In seinem Rang ist es nur vergleichbar mit dem berühmten Haus der Brüder Asam in München und dem Haus „Zum Falken“ in Würzburg. Brühl hatte 1743–1747 unter anderem bereits in den Schlössern Rudolstadt, Molsdorf und Eisenach gearbeitet, bevor er 1748 vom Kasseler Statthalter Wilhelm (VIII.) angeworben wurde. In Wilhelmsthal schuf er gemeinsam mit dem Hofbildhauer Johann August Nahl vor allem die reichen Innendekorationen. Im Jahre 1806 starb Brühl in Kassel.

Sein Haus am Königsplatz wurde 1770–1772 erbaut. Das große Tor war der Haupteingang, hinter dem auch das Treppenhaus lag. Über dem Haustor symbolisierten Putten die Künste, eine Eule stand für die Wissenschaften, und ein weiblicher Genius hielt ein Porträtmedaillon des Hausherrn. Auch der Schmuck am 2. Obergeschoss repräsentierte mit Werkzeugen, Arbeitsmitteln und Musikinstrumenten die verschiedenen Künste. Eine große Skulpturengruppe mit Atlanten, einer Vase und weiteren Putten diente als Trennung beider Fassadenhälften, und über dem Nebeneingang hielten Putten ein Medaillon mit den Initialen Brühls und der Jahreszahl 1770. Die Putten im Giebelaufbau stellten die Jahreszeiten dar, und im Giebeldreieck tollten sie durch einen Himmel mit Wolken und einer zentralen Sonne – dem von Strahlen umgebenen Rundfenster. Auch die Innenräume waren aufwändig in Rokoko-Formen dekoriert.

1818 erwarb Aron Herz Gans das Haus, ab 1860 waren die Kaufleute Herz und Moritz Gans die Eigentümer; ihre Erben besaßen das Gebäude bis zum Jahre 1920.

1921 konnten Denkmalpflege und Stadtbauverwaltung nur mühsam den Abbruch des Hauses verhindern: Die Darmstädter und Nationalbank (Danat) plante einen großen Neubau an seiner Stelle. Es konnte jedoch erreicht werden, dass Kassenhalle, weitere Geschäftsräume und Dienstwohnungen in einem rückwärtigen Anbau unterkamen – unter der Auflage, dass die Straßenfront des Anbaus in Höhe und Fassadengestaltung an das Hauptgebäude angepasst wurde. Die Ausführung der Arbeiten übernahm der Kasseler Architekt Karl Wittrock, und bei dieser Gelegenheit wurde auch das Erdgeschoss des Brühlschen Hauses in der ursprünglichen Form wiederhergestellt. Die neuen Innenräume der Erweiterung zeigten zeitgemäß konservative Formen und lehnten sich dabei zugleich an die Stilformen des späten 18. Jahrhunderts an.

Der Zusammenbruch der Bank, die ihren Hauptsitz in Berlin hatte, löste 1931 die deutsche Bankenkrise aus, und auf Anordnung der Reichsregierung wurde sie mit der Dresdener Bank fusioniert. In Kassel gab man in der Folge die Niederlassung der Danat auf, nachdem das Gebäude bereits 1930 an eine Immobiliengesellschaft verkauft worden war. Um 1939 ging es an die Nachlassverwaltung Karl Henschels über. Zu den Mietern im Anbau an der Wolfsschlucht zählte 1929–1933 der Kasseler Rechtsanwalt Max Plaut, der nach der Machtergreifung von SA-Leuten aus seiner Kanzlei geholt und anschließend im Keller der Bürgersäle (vgl. Rundgang 2, Station 3) so schwer misshandelt wurde, dass er bald darauf an seinen schweren Verletzungen starb.

Beim Großangriff 1943 wurde das Brühlsche Haus schwer getroffen; während das Würzburger Falkenhaus nach dem Krieg rekonstruiert wurde, entstand in Kassel ein moderner Neubau. Der Anbau aus den Jahren 1921–1923 war dagegen nur beschädigt; er wurde wiederhergestellt und überlieferte bis zu seinem Abbruch 2010 die historischen Proportionen des Brühlschen Hauses.

siehe auch

Verlorene Stadt

Ausstellung: Verlorene Stadt

Rundgang 7: Stationen der Ausstellung "Verlorene Stadt"
Station 1: Haus Königsstraße 45 | Station 2: Lyceum Fridericianum, Am Friedrichsplatz 19-20 | Station 3: Das Palais der Landgrafen von Hessen Rotenburg um 1910 | Station 4: Der Königsplatz nach Nordosten 1820, ehem. Kaskade | Station 5: Brühlsches Haus um 1890 | Station 6: Obere Königsstraße und Kölnische Straße, um 1898–1905 | Station 7: Königsplatz 34 und Königsstraße 32, um 1905–1911 | Station 8: Die Baugruppe Nr. 38–46, um 1888–1890 | Station 9: Die Baugruppe Königsplatz 57–59, vor 1898 | Station 10: Das Posthaus am Königsplatz vor 1878

Weblinks und Quellen

Quellen

  1. Foto: Orgel und Rokoko-Stuck in der Stadtkirche Bad Arolsen
  2. Von Zöpfen, Muscheln und Rocaillen - Die Ornamentik im Rokoko und Klassizismus

Weblinks