Johann Heinrich Wolff

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Blick aus der Opernstraße auf Wolfsschlucht 7 und 9, angeschnitten Nr. 5 (links) und Nr. 11 (rechts), Anfang der 1920er Jahre

Die abgebildeten Mietshäuser in der KAssedler Wolfsschlucht gehören zu einer Zeile von fünf Häusern (Nr. 3-11), die später der ganzen Straße den Namen gab. Als der Kasseler Architekt Johann Heinrich Wolff (1792-1869) diese Gebäude um 1838 errichtete, war er einer der ersten Verwegenen, die sich hier ansiedelten.

Immerhin hatte der Straßenverlauf bis 1834 noch die nordwestliche Kasseler Stadtgrenze bezeichnet – entlang der 1768-92 errichteten Zollmauer, die die gesamte Stadt umgab und hier, auf der Nordwestseite, einem alten Feldweg folgte. Vor der Mauer lagen an jenem Feldweg private Gärten der Kasseler; und stadtseitig verlief ebenfalls nur ein schmaler Weg, an den die Gärten und Hintergebäude der Königsstraße angrenzten – eine einsame, eher etwas verrufene Gegend.

Mit der Stadterweiterung um den heutigen Ständeplatz brach man die Mauer zwar ab und fasste die beiden Wege an ihrer Innen- und Außenseite zur Garde-du-Corps-Straße zusammen – benannt nach der nahegelegenen Garde-du-Corps-Kaserne zwischen Königstor und Wilhelmsstraße. Doch blieb der schlechte Ruf an der neuen Straße hängen, auch als der Schreinermeister Lauckhardt hier das erste große Mietshaus errichtete (Wolfsschlucht 13).

Erst recht sorgten die fünf Wolffschen Häuser in Kassel für Skepsis – und die Straße erhielt im Volksmund den Spottnamen „Wolfsschlucht“. Er dürfte nicht nur vom Namen des Bauherrn und der Höhe der Neubauten inspiriert gewesen sein – feierte doch damals Carl Maria von Webers Oper „Der Freischütz“ große Erfolge, und gerade die Schauerromantik der dortigen Wolfsschlucht mit ihren Spuk- und Teufelsszenen war allgemein bekannt... (Wegen des dabei verwendeten Feuerwerks fuhr man in Kassel übrigens bei jeder „Freischütz“-Aufführung vorsorglich Feuerspritzen rings um das Hoftheater auf.) Nach der Annexion Kurhessens durch Preußen 1866 und der Aufhebung der Garde du Corps wurde der Straßenname dann offiziell in Wolfsschlucht geändert.

Johann Heinrich Wolff, der selbst im Haus Nr. 9 wohnte, war im Baugewerbe tätig; nach einer Steinmetzlehre ließ er sich durch Johann Conrad Bromeis an der Kunstakademie zum Architekten ausbilden. Neben seinem Hauptberuf wurde er 1819 an der Akademie als Assistent Heinrich Christoph Jussows angestellt und übernahm 1821 Bromeis’ Aufgaben als Lehrer. Bis 1832 war er unentgeltlich tätig, dann wurde er zum Professor ernannt und bekam ein Gehalt. 1864 trat Wolff an der Akademie in den Ruhestand. Daneben hatte er schon 1826 eine private Architekturschule gegründet. Zu den Hofbaumeistern Schinkel (Berlin) und Laves (Hannover) hatte er gute Kontakte. Er heiratete Ida Spohr, Tochter des bekannten Kasseler Hofkapellmeisters, und zu seinen Werken gehörte auch das Musikzimmer seines Schwiegervaters.

Die fünf Wolffschen Häuser (Wolfsschlucht 3-11) waren in kostensparender Fachwerkbauweise errichtet und lediglich wie Steinbauten verputzt und verziert. 1929 brach man die Häuser Wolfsschlucht 7-11 für den Neubau Stadtsparkasse ab.

Die Opernstraße im Vordergrund führte ab 1909 über das Grundstück des ehemaligen Hoftheaters (heute Kaufhof); es wurde nach der Eröffnung des neuen Hauses am Friedrichsplatz vermarktet, um einen Großteil der Neubaukosten zu decken. Dies ging zurück auf einen Vorschlag des früheren Theaterintendanten Adolph Freiherr von und zu Gilsa, der damit überhaupt erst die Diskussion um einen Theaterneubau am Friedrichsplatz angestoßen hatte. Die Randbebauung der neuen Straße stammt von den Architekten des neuen Theaters, Anton Karst und Hans Fanghänel.

Wolfsschlucht

Mit Wölfen hat die Straße in der Kasseler City, die sich von der Wilhelmsstraße bis zur Kölnischen Straße erstreckt, nichts zu tun. Es war vielmehr der Volksmund, der diesen Namen erfand.

Zwischen 1835 und 1840 baute der Akademieprofessor und Architekt Johann Heinrich Wolff, ein Schwiegersohn von Louis Spohr, fünf identische Fachwerkhäuser, heute würde man sagen: innenstadtnah, aber in einer Gegend, die nicht den allerbesten Ruf genoss. Die Straße, an der er baute, machten die Kasseler bald leicht ironisch zur Wolfsschlucht. Obwohl sie wenig später deutlich an Ansehen gewann, hat sie ihren Namen bis heute behalten.

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