Jagdschloss Weißenstein

Aus Regiowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

"Mauritiolum Leucopetraeum", d.h. Moritzheim am Weißenstein

Das Jagdschloss Weißenstein stand von 1606 bis 1798 an der Stelle des Schlosses Wilhelmshöhe.

Ursprünglich war der Weißenstein, eine Quarzitformation am Hang des Winterkasten (Karlsberg), Standort eines Augustinerklosters, welches 1143 das erste Mal urkundlich Erwähnung findet. Unter Landgraf Philipp wurde das Kloster 1526 säkularisiert und Eigentum des Hauses Hessen. Es wurde anschließend, anscheinend sehr selten, als Jagdschloss benutzt.

Gleichzeitig mit dem Ottoneum (1604/05 von Wilhelm Vernucken als Schauspielhaus erbaut, 1696 und 1709 umgestaltet) ließ Philipps Enkel Moritz der Gelehrte von 1606 bis 1610 an Stelle des Klosters ein Jagdschloss erbauen. Das "Mauritiolum Leucopetraeum", d.h. Moritzheim am Weißenstein nach eigenen Entwürfen Moritz gebaut, war als Renaissance-Schößchen, ein frühes Beispiel einer offenen, auf die Landschaft ausgerichteten Dreiflügelanlage mit prächtiger Aussicht auf das Kasseler Becken. Nur das Jagdschloss stand an dem ansonsten bewaldeten Berghang.

Im 30 Jährigen Krieg wurde das Schloss vernachlässigt und verfiel zusehends. Also plante Guerniero für Landgraf Karl ab 1701 auch sogleich einen Schlossneubau, zusammen mit der Kaskadenanlage. Da aber die Zeit und wohl auch die Gelder nicht so weit den Berg hinab reichten blieb das alte Jagdschloss erstmal an Ort und Stelle und wurde behelfsmäßig saniert. Das Guerniero sein Schloss an einer neuen Achse orientiert hätte kann man sehr gut aus dem "Bosse-Plan des Sentimentalen Landschaftsparks Friederich II." von 1776 erkennen. Die Achsen die schon zu Moritz Zeiten für die Parforce-Jagd in den Wald geschlagen wurden stimmen nicht mit den heutigen Achsen überein.

Unter Landgraf Friedrich II. wurde das im 7 Jährigen Krieg (1756-63) schwer beschädigte Schloss 1766 - 69 restauriert und erweitert (wahrscheinlich Baudirektor Simon Louis du Ry ( 1726-99)).

Landgraf Wilhelm IX. ließ das Schloss schließlich, im Zuge des Neubaus von Schloss Wilhelmshöhe (Weißensteinflügel 1786 - 90, Kirchflügel 1787 - 92, Mitteltrakt 1791 - 98), um 1798 abreißen und die Trümmer im Lac versenken, sie bildeten die Roseninsel, eine Halbinsel, auf der heute eine der ältesten Rosensammlungen Deutschlands zu sehen ist. Der Turmaufsatz des Schlossmitteltraktes aber wurde abgebaut, eingelagert und erhielt 1822 durch Baudirektor Johann Conrad Bromeis (1788-1854) eine neue Funktion als Türmchen des Wilhelmshöher Marstalls auf der anderen Seite der Straße.


Perpetuum mobile triumphans

Eine Geschichte vom Weißensteiner Schloss

Johann Ernst Elias Bessler (1680-1745) machte unter dem Pseudonym Orffyreus Karriere und schrieb ein Kapitel Technikgeschichte.

Johann Bessler, der Orffyreus genannt wurde, war ein universeller Gelehrter, hielt es aber selten lange bei einer Tätigkeit aus und war oft knapp bei Kasse. Klug, gelehrig und redegewandt wie er war, verstand er es aber, aus jeder Situation Nutzen zu ziehen. Da sich zu seiner Zeit Fürsten gerne mit einem Hofmechanikus und Alchimisten schmückten (auch um die eigenen knappen Kassen zu füllen), wurde Landgraf Karl von Hessen-Kassel um 1716 auf Bessler aufmerksam, da Bessler im Jahr 1715 ein anscheinend gut funktionierendes Perpetuum Mobile der Öffentlichkeit vorgestellt hatte. Leibniz selbst empfahl dem Landgrafen, sich des Herrn Bessler und seiner Maschine zu versichern und dieser folgte auch prompt der Einladung.

Im Jagdschloss Weißenstein wurde in einem Zimmer ein leinenbespanntes Rad mit einem Durchmesser von dreieinhalb Metern aufgebaut und in Gang gesetzt. Das Zimmer wurde versiegelt und am 2. Januar 1718, nach 40 Tagen, als es wieder geöffnet wurde, bewegte sich das Rad mit der unverminderten Geschwindigkeit von 25 Umdrehungen in der Minute.

Bessler-Orffyreus wurde vom Landgrafen zum Kommerzienrat erhoben und sonnte sich in dem Ruhm, der einzige Erfinder einer echten perpetuierlichen Maschine zu sein. Einen genaueren Eindruck von der Maschine gab ein Holzschnitt in Besslers eigenem Buch (Perpetuum mobile triumphans, Kassel 1719). Wie die Maschine funktionierte, ging daraus aber nicht hervor. Nur dem Landgraf Karl gestattete Bessler einen Blick in das Innere der Maschine, worauf der Graf bezeugte, es handle sich um ein echtes Perpetuum Mobile und C. Zumben, Oberberginspektor in Hessen verfasste ein Lobgedicht auf Orffyreus.

Bis zu Zar Peter dem Große aus Russland drang die Kunde von der perpetuierlichen Maschine Besslers und Zar Peter hatte vor, 1725 nach Deutschland zu reisen, die Maschine in Augenschein zu nehmen und gegebenenfalls zu kaufen. Der Zar beauftragte ein Gutachten und Orffyreus forderte für die Maschine in Kaufverhandlungen die unerhörte Summe von 100.000,00 Talern. Der Tod des Zaren machte diese Kaufabsicht zunichte.

Obwohl Leibniz Orffyreus zu seinen Freunden zählte, war er selbst von der perpetuierlichen Idee nicht überzeugt. Einige andere Gelehrten meinten, man solle den Erfinder entlohnen, damit man einen Blick in das Innere der Maschine tun könne und viele hielten die Sache für schlichten Betrug.

Schließlich gestand eine Magd, das sie im Wechsel mit Besslers Frau und seinem Bruder die Maschine in Lohnarbeit durch einen verborgenen Mechanismus aus dem Nebenzimmer in Bewegung hielt und für ihr Bemühen mit angeblich zwei Groschen pro Stunde mehr schlecht als recht entlohnt war. Da man am Anfang des achtzehnten Jahrhunderts mit Betrügern, die hohe Herrschaften an der Nase herumführten, nicht gerade zimperlich umging, war schlimmes zu befürchten. Doch das Erstaunliche passierte, Bessler gelang es durch Beredsamkeit und Klugheit dem Zorn des Landgrafen zu entgehen und sich sogar dessen Gunst zu Versichern. Als der Landgraf starb, verlor Bessler zwar landgräfliches Wohlwollen und Unterkunft, behielt aber sein Leben. Seine Maschine geriet in Vergessenheit und die Legende besagt, dass Bessler sein Werk selbst zerstört hat.

Wolfgang Schmelzer 2006/02/06 16:43

siehe auch

Quellen / Links