Jacob Grimm

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Jacob Ludwig Carl Grimm (4. Januar 1785 - 20. September 1863) war Jurist sowie Sprach- und Literaturwissenschaftler und gilt als Begründer der deutschen Philologie und Altertumswissenschaft.

Sein Werk ist eng verbunden mit dem seines älteren Bruders Wilhelm Grimm, mit dem er zahlreiche Märchen und Sagen zusammentrug.

Leben und Werk

Die Brüder Jacob Ludwig Carl und Wilhelm Carl Grimm wurden in Hanau geboren. Sie wuchsen in Hanau und in Steinau an der Straße auf und besuchten das Lyceum Fridericianum in Kassel, ab 1802/03 studierten beide in Marburg und kehrten anschließend wieder nach Kassel zurück.

Im Jahr 1840 wurden sie als Mitglieder der Akademie der Wissenschaften nach Berlin berufen.

In Berlin starb zunächst Wilhelm im Jahre 1859, danach Jacob 1863.

Das Kasseler Haus der Brüder Grimm

Das Haus der Brüder Grimm lag in der Wildemannsgasse 24/ Ecke Marktgasse. 1805 war die Witwe Grimm mit ihren jüngeren Kindern hierher gezogen, nachdem sie nach dem Tode des Vaters aus dem Amtshaus in Steinau an der Straße im Kinzigtal hatten ausziehen müssen. Hier ist das Brüder-Grimm-Museum entstanden.

Die älteren Brüder Jacob (1785 - 1863) und Wilhelm (1786 - 1859) waren schon 1796, nach des Vaters Tod, nach Kassel gezogen; dort wohnten sie bei einem herrschaftlichen Mundkoch, umsorgt von einer Tante, und gingen aufs Lyceum Fridericianum. Später studierten sie in Marburg Jura, ehe sie zu Mutter und Geschwistern in die Wildemannsgasse in Kassel zogen. Die Wildemannsgasse existiert, verändert, noch heute; sie führt nahe der Kleinmarkthalle von der Tränkepforte zur Freiheit und noch ein Stückchen darüber hinaus.

Am Bistro Stradivari vorbei geht man ein kurzes Stück weiter nach Norden, bis am jenseitigen Ende des sich dort öffnenden Innenhofs die Rückseite von Häusern den Weg versperrt. Dort, am Haus Kurt-Schumacher-Straße 36, sind Mietwohnungen entstanden. Auf der Rückseite belegt im Rahmen des Projekts Historischer Rundgang eine Informationstafel, dass hier das Grimm-Haus einst stand, auch Märchenhaus der Brüder Grimm genannt.

Noch schöner als die Annäherung über die heutige Wildemannsgasse ist es, vom Graben her durch das kurz vor der Einmündung in die Kurt-Schumacher-Straße gelegene alte Barockportal durch den Hinterhof bis zur Grimm-Tafel zu gehen. Genau dort nämlich verlief die Marktgasse, die Ludwig Emil Grimm 1842 malte - ein bekanntes, anrührendes Bild aus alter Zeit. Die Marktgasse indes verschwand als Straßenzug beim Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg. Wenn man heute den Kirchturm sehen will, den der Maler-Bruder der Grimms hinter der Marktgasse hervorlugen ließ, muss man schon um die Ecke gehen. Bis man einen der heute spitzen Türme der Martinskirche sieht.

In der Wildemannsgasse 24/ Ecke Marktgasse lebte die Familie von August 1805 bis zum Jahr 1814 (die Mutter starb 1808). Zitat von der Tafel: "Hier sammelten die Germanistenbrüder Jacob und Wilhelm Grimm die Kinder- und Hausmärchen, hier zeichnete der Maler Ludwig Emil Grimm..." Die Brüder begannen 1806 mit dem Sammeln von Märchen und Sagen. 1811 erschienen die ersten wissenschaftlichen Bücher, über den altdeutschen Meistergesang beispielsweise schrieb Jacob. Wilhelm übersetzte altdänische Heldenlieder, Balladen und Märchen. Ein Jahr später erschienen erstmals mit dem ersten Band die Kinder- und Hausmärchen, die den Ruf der Grimms über die Wissenschaft hinaus in alle Welt trugen; bis heute.

Die Wohnung Wildemannsgasse 24 war abgesehen von der Schüler-Unterkunft beim Hofkoch am Steinweg - nicht die einzige der Grimms in Kassel. Sie residierten zeitweise in der Bellevue (Schöne Aussicht), im Eckhaus Fünffensterstraße/Garde-du-Corps-Platz (siehe auch Garde-du-Corps-Straße), außerdem in der Torwache am heutigen Brüder-Grimm-Platz zu Beginn der Wilhelmshöher Allee. Dort, vor dem Gebäude, steht heute ein Denkmal von Jacob und Wilhelm Grimm. Des 21-jährigen Polizeiwachtmeisters Willi Kuhlmann, der bei Unruhen und Straßenkämpfen am 10. Juni 1931 gegen 23 Uhr erschossen worden war, kann allenfalls abstrakt gedacht werden. Die tödliche Kugel traf ihn vor dem Haus Wildemannsgasse 24/Ecke Marktgasse, dem Grimm-Haus.

Gebrüder Grimm: Deutsches Wörterbuch

Die Märchen der Brüder Grimm

Über 200 Kinder- und Hausmärchen trugen die Brüder Grimm zusammen, 37 davon gehen komplett oder teilweise auf Dorothea Viehmann zurück. Märchen wie Schneewittchen, Dornröschen oder Rotkäppchen gehören nicht dazu, wohl aber Geschichten wie die vom Teufel und seiner Großmutter, der Gänsemagd oder der klugen Else.

Die meisten Märchen hörten Jacob und Wilhelm Grimm in Bürgertum und Adel. Gerade deshalb war ihnen Dorothea Viehmann so wichtig: diese Quelle passte zur Volkspoesie. Heute indes weiß man, dass die Viehmännin nicht nur Wirtshaus-Geschichten von der Knallhütte weitergab, sondern dank ihrer hugenottischen Wurzeln auch französische und damit europäische Erzähltradition pflegte.

Bis in die Zeit der Brüder Grimm wurden die Märchen vornehmlich in Erzählform überliefert. So kam es immer wieder zu landschaftlichen Einfärbungen der Stoffe. Rotkäppchen etwa wird gern als ein Schwälmer Mädchen angesehen. Dabei gibt es im Kasseler Brüder-Grimm-Museum eine gedruckte Fassung von 1697, die beweist, dass die Geschichte auch im französischen Sprachraum eine Tradition hat.

Die Märchen wanderten um die Welt. Eine der berühmtesten Sammlungen sind die Geschichten aus „Tausendundeiner Nacht“. Die ältesten handschriftlichen Quellen dieser arabischen Erzählungen stammen aus dem 9. Jahrhundert. Aber nicht nur im Orient, sondern auch in den europäischen Ländern faszinierten die Geschichten Generationen. Möglicherweise war es auch der Reiz der Fremde, der diesen Märchen bei uns zum Erfolg verhalf.

Wahrscheinlich hat der Siegeszug der Grimm-Märchen einen ähnlichen Ursprung. Gewiss begeistert an ihnen immer wieder das Nebeneinander von Gewalt und Schrecken sowie Glück, Hoffen und Erlösung. Auch gefällt ihre klare Erzählweise. Doch dass auch die Japaner und Chinesen diese Märchen so sehr lieben, hängt damit zusammen, dass sie in eine für sie exotische und idyllische Welt entführen.

In 160 Sprachen sind die Grimm-Märchen übersetzt. Unzählige Illustratoren und Karikaturisten haben die erzählten Geschichten in gezeichnete und gemalte Bilder umgesetzt.

siehe auch

Weblinks