Jüdische Gemeinde Wolfhagen

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An der Mikwe in Wolfhagen

Eine Station des im November 2010 eröffneten Eco-Pfads Kulturgeschichte Wolfhagen ist der ehemalige Standort des rituellen Tauchbads der jüdischen Gemeinde in Wolfhagen.

Ehemalige jüdische Gemeinde

Bis 1938/ 39 bestand in Wolfhagen eine jüdische Gemeinde, deren Geschichte bis zum Mittelalter zurückreicht. In Wolfhagen ist die erstmalige Erwähnung von jüdischen Mitbürgern mit 18 Flüchtlingen aus Frankreich bereits 1235 belegt.

Eine neuzeitliche Gemeinde entstand dann im 17. Jahrhundert, die 1850 bereits 236 Mitglieder zählte. Im Jahr 1874 waren 300 Einwohner jüdischen Glaubens. Dies entsprach etwa zehn Prozent der Bevölkerung Wolfhagens. Etwa 40 Wohnhäuser waren in dieser Zeit in jüdischem Besitz, die alle im Zentrum der Stadt lagen. An Einrichtungen bestanden eine Synagoge, eine jüdische Schule (Elementarschule/ öffentliche israelitische Volksschule bis 1933), ein rituelles Bad und ein jüdischer Friedhof in der Wilhelmstraße. Bis 1929 sank die Zahl der jüdischen Mitbürger allerdings auf nur noch 65 Personen.

In der Mittelstraße unweit vom Marktplatz und von der Stadtkirche entfernt, stand die Synagoge, die 1938 zerstört und in Brand gesetzt wurde. Die Tora-Rolle, die fünf Bücher Moses und die Psalmen wurden geschändet und durch die Gassen in die Landgrafenstraße geschleift. 51 Menschen wurden wegen ihres jüdischen Glaubens zu Unrecht verfolgt, vertrieben, deportiert und getötet.

Nach einem Bericht in HNA-online besuchte ein Nachfahre einer ehemaligen Wolfhagener Familie im Mai 2013 die Stadt. Charles Rosenmeyer und seine Cousine Patricia wurden bei diesem Schritt von Ernst Klein vom Arbeitskreis „Rückblende - Gegen das Vergessen“ unterstützt. Eine Familie Rosenmeyer gab es in Wolfhagen bereits seit 1780. Daraus entstanden in den Folgejahren drei angesehene familiäre Linien, die sich wirtschaftlich vielschichtig betätigten. Als Textil- sowie Viehhändler, Metzger und Drechsler. Rosenmeyers Eltern, Großeltern sowie auch die weitere Verwandtschaft erkannte rechtzeitig die sich abzeichnende drohende Zeit. Sie verließen Wolfhagen, wanderte noch vor der Machtergreifung der Nazis nach England und Amerika aus und entgingen so dem Holocaust. Niemand von ihnen kehrte noch einmal in die alte Heimat zurück.[1]

Ehemalige Mikwe der jüdischen Gemeinde

EcoPfad-Tafel

An der Eco-Pfad - Station Judenbad (an der Schützeberger Straße) stand 1834 ein rituelles Tauchbad (hebräisch: Mikwe) der jüdischen Gemeinde. Die Stelle wird auch "Hölzertrögerborn" genannt.

Die Gemeinde hatte im Jahr zuvor den Maurermeister Hölzer aus Ehringen mit dem Bau beauftragt. Das Bad war 25 Jahre im Gebrauch und wurde dann in die Judenschule (Gerichtsstr. 3) verlagert. Dort bestand es bis 1934. Das Gebäude des alten Bades wurde 1859 abgerissen.

siehe auch

Weblinks und Quellen

Quellen

  1. Engländer besuchte Heimat seiner jüdischen Vorfahren
  2. HNA-online vom 25.9.2013: Jüdische Friedhöfe im Wolfhager Land

Weblinks