Jüdische Gemeinde Grebenstein

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In Grebenstein bestand eine jüdische Gemeinde seit dem 17. Jahrhundert. Vereinzelt gab es aber bereits im Mittelalter einzelne jüdische Personen in der Stadt und im benachbarten Immenhausen.

Geschichte

Im 19. Jahrhundert gehörten zur jüdischen Gemeinde in Grebenstein bis zu 105 Personen (1835), die überwiegend vom Vieh- und Warenhandel lebten, einige waren auch als Metzger oder Handwerker tätig, darunter der Färbermeister Simon Brandenstein, der Schreinermeister Michael Rosenbaum, der Schneidermeister Jacob Rosenbaum oder der Buchbindermeister Nathan Wolf Gans, der zugleich Gemeindevorsteher war.

Neben einer Synagoge bestanden eine jüdische Schule, ein rituelles Bad sowie der jüdische Friedhof.

Zuletzt konnte im Jahre 1895 eine neue Synagoge, ein beachtlicher Backsteinbau, auf Grund einer Spende des Frankfurter Bankiers Goldschmidt (der Sohn von Meyer Goldschmidt aus Grebenstein) auf dem Grundstück des im Jahr zuvor abgebrochenen alten jüdischen Schul- und Bethauses errichtet werden. Sie wurde am 28. Oktober 1895 eingeweiht und nur wenige Jahrzehnte später beim Novemberpogrom 1938 geschändet; die Inneneinrichtung wurde zerstört und auf die Straße geworfen, 1940 wurde das Gebäude abgebrochen und das Grundstück verkauft, bevor hier 1941 eine Scheune errichtet wurde.

Jüdischer Friedhof

Der Friedhof mit einer Fläche von 9,90 ar liegt an der Straße "Zum Burgberg" am Fuß des Burgbergs und wurde Mitte des 19. Jahrhunderts angelegt. Zuvor wären die Grebensteiner Juden in Meimbressen beigesetzt worden. Der Grebensteiner Friedhof entstand nach einem Antrag der damaligen Israelitischen Gemeinde am 15. September 1842 beim Kreisamt in Hofgeismar, konnte aber erst 1850/51 angelegt werden. Hier wurden einst auch die Verstorbenen der jüdischen Gemeinden Immenhausen und Holzhausen beigesetzt.

Als erste Beisetzung ist am 24. April 1851 die Beisetzung des Schreiners Wolf Mandelbaum vermerkt, die letzte (vor den Deportationen der jüdischen Einwohner) im Jahre 1937 war die Beisetzung von Benjamin Mölle. Letztmals wurde der Friedhof im Jahre 1980 belegt, als der am 1. April 1980 verstorbene Textilhausbesitzer Erwin Machol beigesetzt wurde.

Nach einem 1936/37 angelegten Grabsteinverzeichnis gab es einmal 76 Grabsteine, von denen in der NS-Zeit zahlreiche Grabsteine gestohlen wurden. Damals gab es von Seiten der Stadt Grebenstein sogar Bestrebungen, hier eine Maulbeerplantage und Bienenstöcke einzurichten.[1]

Stolpersteine erinnern an ermordete jüdische Nachbarn

41 Tote haben ihre Namen zurück

(aus: HNA-online vom 10.12.2010 )""
Schüler der Grundschule Grebenstein spielen ein Musikstück bei Stolpersteinen. FOTO: tty

Grebenstein/ Hofgeismar. Bis vor 70 Jahren betrieben Else und Bernhard Mandelstein im Haus Hochzeitsberg 6 in Grebenstein ein Textil-, Schuh- und Möbelgeschäft. Als die Repressalien der Nationalsozialisten immer schlimmer wurden, gelang es ihren Kindern Walter, Irma und Rudolf, nach Amerika und Palästina zu entkommen. Alle Versuche, ihre Eltern nachkommen zu lassen, scheiterten jedoch. Das Ehepaar Mandelstein musste Grebenstein 1939 verlassen, flüchtete nach Thüringen. 1942 wurden sie nach Leipzig befohlen und dann im Vernichtungslager Belzyce ermordet.

Schicksale wie diese sind mit allen 41 Stolpersteinen verbunden, die der Künstler Gunter Demnig gestern im Pflaster vor den früheren Wohnhäusern in Hofgeismar und Grebenstein einbaute - in der 608. und 609. Kommune seiner Aktion. Die 95 Euro pro Stein wurden von Steinpaten - in Hofgeismar unter anderem die Herwig-Blankertz-Schule - getragen, in Grebenstein teilten sich Stadt und Stadtsparkasse die Kosten. In beiden Städten bereiteten die Bauhöfe das Pflaster vor.

Während der Künstler jeweils wortlos seine Pflasterarbeit verrichtete, mahnten die Teilnehmer der Rundgänge - darunter Politiker, engagierte Bürger, Schüler und der Runde Tisch in Hofgeismar - an die Verantwortung zur Erinnerung und dass sich derart Menschenverachtendes wie vor 70 Jahren in Deutschland niemals wiederholen dürfe.

Bürgermeister Danny Sutor (Grebenstein) sagte, dass die in den Konzentrationslagern zu Nummern degradierten NS-Opfer so ihre Namen zurückerhielten. Gleichzeitig betonte er, dass mit der Verlegung vor den Haustüren keinesfalls eine Schuldzuweisung verfolgt werde.

In Hofgeismar sagte Bürgermeister Heinrich Sattler, dass bei einem ersten Anstoß vor etlichen Jahren die Zeit noch nicht reif war. Jetzt aber könne sich dem Innehalten und Erinnern niemand mehr verschließen. Weitere Stolpersteine folgen 2011 in Calden und Immenhausen. (tty)

siehe auch

Quellen und Weblinks

  1. „Wichtiges Stück Kultur-Historie“ - Artikel in HNA-online vom 20.09.12