Jüdische Friedhöfe im Wolfhager Land

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Jüdische Friedhöfe sind besondere Stätten der Ruhe. Die Verstorbenen haben ein ewiges Ruherecht.

In einer HNA-Serie (von Antje Thon) in 2013 wurden die Jüdischen Friedhöfe in Wolfhagen, Zierenberg, Breuna, Wettesingen und Naumburg vorgestellt.

Jüdischer Friedhof in Wolfhagen

Eco-Pfad-Tafel zur ehem. jüdischen Mikwe in Wolfhagen

120 Jahre lang bestatteten die Wolfhager Juden auf dem Friedhof an der Wilhelmstraße ihre Verstorbenen. Dokumentiert ist, dass im Jahr 1936 noch eine Beerdigung stattfand. 1938 begann dann eines der dunkelsten Kapitel im Zusammenleben von Juden und Nichtjuden in Wolfhagen. In der Nacht zum 11. November wurde der Friedhof zerstört, Grabsteine umgestoßen und demoliert. Die Synagoge wurde niedergebrannt, das Schulhaus verwüstet. Ein Wohnhaus, in dem eine jüdische Familie lebte, wurde in Brand gesetzt. Zahlreiche Juden hatten Wolfhagen noch rechtzeitig verlassen können, einige aber wurden ermordet.

Heute ist der Jüdische Friedhof eine stille Gedenkstätte. Im ersten Jahr nach dem Krieg wurden 17 Grabsteine, die noch zu retten waren, wieder aufgestellt. Aus den Trümmern wurden eine Mauer und ein Gedenkstein errichtet. [1]

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Jüdischer Friedhof in Breuna

In Breuna bestand eine jüdische Gemeinde bis nach 1933. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 18. Jahrhunderts zurück. An Einrichtungen bestanden eine Synagoge, eine jüdische Schule, ein rituelles Bad und ein Friedhof. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war im 19. Jahrhundert zeitweise ein jüdischer Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Die Gemeinde gehörte innerhalb des damaligen Kreises Wolfhagen zum Rabbinatsbezirk Niederhessen mit Sitz in Kassel.

Der jüdische Friedhof in Breuna war mit einer Fläche von 48,82 ar einer der größten im Landkreis Kassel und wurde spätestens im 18. Jahrhundert angelegt. Die lesbaren Datierungen reichen von 1805 (Grab von Lehmann Goldschmidt) bis 1934/1935 (1934: Beisetzung von Baruch Hamberg, der fast 50 Jahre Gemeindevorsteher war und 1935: Grab von Moses Eichholz).

Bereits im August 1938 wurde die Synagoge von der jüdischen Gemeinde verkauft. Dennoch ist das Gebäude beim Novemberpogrom 1938 durch SA-Leute angezündet worden, wodurch die Inneneinrichtung und das Dach vernichtet wurden. Im November 1988 wurde eine Gedenktafel an der ehemaligen Synagoge angebracht.

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Jüdischer Friedhof in Naumburg

Über einen Zeitraum von knapp 300 Jahren haben dauerhaft und nachweislich Juden in Naumburg gelebt. Mit 147 Mitgliedern erlebte die Gemeinde im Jahr 1856 ihren zahlenmäßigen Höhepunkt. Angelegt wurde der Friedhof in Naumburg im Jahre 1826. Zur gleichen Zeit soll es an anderer Stelle noch einen zweiten, einen älteren Jüdischen Friedhof gegeben haben. Auf beiden Totenhöfen wurden die Verstorbenen aus Naumburg, Elben, Altenstädt und Martinhagen beigesetzt. Die Juden aus den vier Orten bildeten im 19. Jahrhundert die Synagogengemeinde.

Heute ist die einst lebendige Jüdische Gemeinde tot. Neben einigen Wohnhäusern erinnert heute vor allem der Friedhof an die Menschen, die mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten aus ihrer Heimat vertrieben und verschleppt wurden. Etwa 25 Naumburger Juden sollen ermordert worden sein, weitere gelten als vermisst.

Von den einst 48 Grabsteinen auf dem kleinen, in einer Gartenanlage an der Elbe befindlichen Friedhof sind noch 23 erhalten. Wie der gebürtige Naumburger und historisch bewanderte Dr. Volker Knöppel in einem Beitrag für das Jahrbuch Landkreis Kassel (1984) schreibt, wurden die Gräber während der Nazi-Zeit geschändet. Steine wurden beschädigt, Inschriften herausgebrochen. [2]

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Jüdischer Friedhof in Wettesingen

Der auf der Gemarkung Wettesingen befindliche jüdische Friedhof wurde etwa Mitte des 19. Jahrhunderts angelegt und war der Begräbnisplatz für die jüdische Gemeinde in Herlinghausen (Stadt Warburg). Die in Wettesingen lebenden Juden wurden auf dem Friedhof in Breuna beigesetzt.

Der Anteil der jüdischen Bevölkerung an den Einwohnern Herlinghausens war zu Beginn des 19. Jahrhunderts recht hoch. Im Jahr 1802 sollen von den 395 Bewohnern des Ortes 121 Juden gewesen sein, viele von ihnen hatten eine Landwirtschaft und handelten mit Getreide und Vieh. Den „neuen Wettesinger Friedhof“ gab es in jenen Jahren noch nicht, er wurde erst später angelegt.

Das Flurstück, auf dem sich heute der Friedhof mit den erhaltenen elf Grabsteinen und einem Gedenkstein befindet, zählte einst zu Westfalen. Die Inschriften auf den Steinen aus Wesersandstein lassen Bestattungen für die Zeit zwischen 1869 und 1913 erkennen. [3]

siehe dazu auch:

Jüdischer Friedhof in Zierenberg

Elf Grabsteine und drei Grabplatten erinnern heute an das jüdische Leben. Die Inschriften sind in hebräischer und deutscher Schrift verfasst. Und wie auf vielen Friedhöfen in der Region erinnert auch in Zierenberg ein im Jahr 1946 errichteter Gedenkstein an die Toten, deren letzte Ruhestätte von den Nationalsozialisten zerstört wurde.

Über viele Jahrhunderte hinweg hatte Zierenberg eine intakte Jüdische Gemeinde. Der Anteil ihrer Mitglieder an der gesamten Einwohnerzahl lag zwischen vier und sieben Prozent. Erste Ansiedlungen soll es bereits im 14. Jahrhundert gegeben haben.

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Toten in Meimbressen beigesetzt; erst im Jahre 1846 wurde an der Ehlener Straße in Zierenberg ein eigener Friedhof angelegt, keine hundert Jahre später - im Jahr 1939 - war die Ruhestätte zerstört.

Etwa 40 Grabsteine soll es auf dem kleinen Friedhof gegeben haben, 90 Menschen waren bis dahin bestattet wurden. Als die Novemberpogrome vor 75 Jahren begannen, gab es in Zierenberg nur noch 42 Juden. Viele hatten bereits das Land verlassen. Die meisten der Gebliebenen wurden in Lager deportiert, die Synagoge an der Mittelstraße zerstört. Bereits zu Beginn der 1930er wehte den Mitgliedern der Jüdischen Gemeinde ein scharfer, feindseliger Wind entgegen. Bei den Wahlen 1933 hatte die NSDAP in Zierenberg große Unterstützung erhalten. [4]

siehe dazu auch:

siehe auch

Weblinks und Quellen

Quellen

  1. HNA-online vom 25.9.2013: Jüdische Friedhöfe im Wolfhager Land
  2. HNA-online vom 18.10.2013: Grabsteine vom Jüdischen Friedhof Naumburg in Straße verbaut?
  3. HNA-online vom 26.10.2013: Kleiner Friedhof bei Wettsingen - Juden aus Herlinghausen bestattet
  4. HNA-online vom 11.10.2013: Auf dem Jüdischen Friedhof in Zierenberg sind Sepharden bestattet

Weblinks