Internationaler Suchdienst

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Internationaler Suchdienst - die Anfangsjahre in der ehemaligen belgischen und vorher SS-Kaserne Bad Arolsen
Der Internationale Suchdienst in Bad Arolsen (ITS, International Tracing Service) ist eins der weltweit größten NS-Archive. Er wurde nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet und dokumentiert die Schicksale von Millionen ziviler Opfer der Nazi-Verfolgung. Im Jahr 2007 wurde das Archiv für Forschung und Bildung geöffnet.

Aufgaben

Der ITS bewahrt mehr als 30 Millionen historische Zeugnisse zur Inhaftierung in Konzentrationslagern, Ghettos und Gestapo-Gefängnissen, über die Zwangsarbeit und zu Displaced Persons, bearbeitet Suchanfragen von oder nach Angehörigen und macht die Archive für die Forschung zugänglich. Der ITS untersteht den elf Staaten des Internationalen Ausschusses: Belgien, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Israel, Italien, Luxemburg, Niederlande, Polen, Großbritannien und USA.

Die Zentrale Namenkartei mit über 50 Millionen Hinweiskarten zum Schicksal von 17,5 Millionen Menschen wurde vom ITS im Laufe der Jahrzehnte aufgebaut und bildet ein wichtiges Hilfsmittel bei der Recherche nach Einzelschicksalen.

Allein 16.000 Akten mit den Schicksalen jüdischer Kinder werden im Kinderarchiv des Internationalen Suchdienstes (ITS) in Bad Arolsen aufbewahrt.

Der Holocaust, die Rassenideologie der Nazis, Zwangsarbeit, Deportation und die Hilfe der Vereinten Nationen für die Opfer – all diese Themen werden auf der Grundlage der Dokumente des Kindersuchdienstes aufgegriffen.

Eine Biografie von Tausenden: Salek Benedikt

Salek Benedikt überlebte als Jugendlicher den Holocaust. Geboren wurde er am 17. Oktober 1925 im polnischen Lodz. Nach der Besetzung Polens durch die Wehrmacht lebte seine Familie zunächst im Ghetto der Stadt. 1944 wurde die Familie getrennt und Salek in verschiedene Konzentrationslager verschleppt.

Seine Eltern, seine Schwester und sein Bruder wurden in deutschen KZs ermordet. Er selbst überstand den sogenannten Todesmarsch vom KZ Flossenbürg nach Dachau im April 1945. Er konnte entkommen und erlebte die Befreiung durch die Amerikaner. Im Oktober 1945 wanderte der damals 20-Jährige nach England aus.

Der Kindersuchdienst des ITS suchte für Benedikt nach Verwandten und stieß auf eine Nichte, die die Shoah überlebte und nach Palästina ausgewandert war.

Weltdokumentenerbe

Registerkarte für Joseph Santerre

Die UNESCO hat die Originaldokumente und die Zentrale Namenkartei im Archiv des Internationalen Suchdienstes (ITS) in Bad Arolsen im Oktober 2013 in das Register des Weltdokumentenerbes „Memory of the World“ aufgenommen. Ziel des UNESCO-Programms ist es, dokumentarische Zeugnisse von außergewöhnlichem Wert in Archiven, Bibliotheken und Museen zu sichern und zugänglich zu machen.

Seit 1992 fördert das UNESCO-Programm „Memory of the World“ den Erhalt und den Zugang zu Dokumenten der Kultur- und Geistesgeschichte der Menschheit. „Das Archiv des ITS ist von außergewöhnlicher Bedeutung für die Menschheit, da es zu dem Wissen über die Auswirkungen von Krieg auf die Völker beiträgt. Von der Aufnahme erhofft sich die UNESCO, dass seine tatsächliche Bedeutung besser bekannt wird bei Forschern und Bildungseinrichtungen“, sagte UNESCO-Repräsentantin Joie Springer beim Festakt im Arolser Bürgerhaus.[1]


Quellen und Links

Einzelnachweise

  • [HNA, Waldeckische Allgemeine, 17. Oktober 2013]