Industrie- und Handelskammer Kassel-Marburg

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Logo der IHK Kassel-Marburg
Die Industrie- und Handelskammer (IHK) in Kassel ist ein Interessensverband der regionalen Wirtschaft.

Allgemeines

Die IHK Kassel-Marburg ist eine unternehmerische Organisation zur Wirtschaftsförderung. Sie ist die unabhängige Selbstverwaltung der Wirtschaft und bietet ihren Mitgliedern, dem Staat und der Region zahlreiche Dienstleistungen an. Alle Unternehmen – ob Industrie-, Handels- oder Dienstleistungsbetrieb – sind per Gesetz Mitglieder der IHK. Das macht die IHK zu einer Solidargemeinschaft, die sich ausgleichend für die Interessen all ihrer Mitglieder einsetzen kann – in der Region und über die Landesgrenzen hinweg. Der IHK Kassel-Marburg gehören 75.000 Unternehmen an.[1]

Hauptverwaltung der IHK Kassel-Marburg

Geschichte

Erste Versuche

1710 wird in Cassel nach dem Vorbild der spanischen consulados (erstmals 1283 in Valencia) und der französischen Conseil de Commerce (seit 1664) die fürstliche Commercien-Cammer, die heutige IHK, eingerichtet. Die Commercien-Cammer wird 1710 von Landgraf Karl gegründet. Karl hatte die Ansiedlung von Hugenotten in der Landgrafschaft Hessen-Kassel gefördert und über diese von den französischen Conseil de Commerce erfahren. Die Kammer bestand aus einem ernannten Directeur und vier ernannten Kaufleuten, den Consuln. Die Aufgabe der Kammer ist es, Handel und Gewerbe zu überwachen. Sie bildet die oberste Handelsgerichtsbarkeit. Appellationen gegen die Urteile der Kammer sind nur beim Landgrafen selbst möglich. Die Consuln haben das Recht auf direkten Vortrag beim Landgrafen. Der Commerzien-Directeur Gasparini betreibt eine (im Merkantilismus übliche) Politik des konsequenten Protektionismus und verliert darüber zunächst den Rückhalt in der Kaufmannschaft und dann beim Landgrafen. Gasparini muss sich dem Geheimen Rat gegenüber verantworten und die Kammer wird schließlich aufgelöst.

Gründung

1763 wird mit dem Commerz-Colleg ein neuer Versuch unternommen, eine Verwaltung der Wirtschaft unter Beteiligung der Kaufleute einzurichten. Landgraf Friedrich II. hat aus dem Scheitern der Commercien-Cammer die Lehre gezogen, eine enge Anbindung des Collegs an die Regierung sicherzustellen. Direktor sollte daher der Präsident der Kriegs- und Domainenkammer werden. Weitere Mitglieder werden von der Casseler Regierung, der Justiz und der Kasseler Kommunalverwaltung benannt. Aus der Wirtschaft werden zwei Kaufleute zur Mitarbeit herangezogen. Diese tragen den Titel Kommerzien-Assessor und haben beratende Funktion.[2] Durch ein kurfürstliches Edikt wird 1821 ein Handels- und Gewerbeverein aufgestellt, der die Regierung in wirtschaftllichen Fragen beraten soll. Die Märzrevolution im Jahr 1848 führt zur Auflösung des Vereins. 1855 wird der privatrechtliche "Freie Verein für Handel und Gewerbe" gegründet, der erstmals in Teilaufgaben der heutigen IHK ähnelte: Der Beratung von Behörden in Wirtschaftsfragen. Nach der Annexion Kurhessens durch Preußen wird im Jahr 1870 durch ministerialen Erlass die Handelskammer Cassel gegründet. Die Kammer finanziert sich über Mitgliederbeiträge, der Jahresetat beträgt ca. 4000 Mark. Festes Personal gibt es nicht. Mit dem Kammergesetz von 1897 werden die Aufgaben der Handelskammer Cassel deutlich erweitert. Durch Ausdehnung des Kreises beitragspflichtiger Betriebe wird der Bau eines Kammergebäudes an der Hohenzollernstraße (heute Friedrich-Ebert-Straße) möglich.[3]

Nationalsozialismus

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten erfolgt auch die Gleichschaltung der IHK Kassel. Der Präsident der IHK, der Bankier Karl Ludwig Pfeiffer muss Anfang April 1933 zurücktreten und wird durch den Gauwirtschaftsberater der NSDAP, Rudolf Braun, ersetzt. Mit dem Reichsgesetz vom 20. August 1934 wird die Kammer dem Reichswirtschaftsminister unterstellt und das Führerprinzip eingeführt. Im März 1935 wird eine „Wirtschaftskammer Hessen“ gebildet, in der die Kasseler und die Frankfurter IHK zusammengeschlossen werden. Am 1. April 1943 wird die "Gauwirtschaftskammer Kurhessen" gebildet und die IHK aufgelöst. In die Gauwirtschaftskammer ist neben der IHK auch die Handwerkskammer Kassel aufgegangen.[4]

Nach 1945

Nach dem Zweiten Weltkrieg wird die IHK neu gebildet. Im April 1945 wird Karl Ludwig Pfeiffer durch die Besatzungsbehörden erneut als Kammerpräsident eingesetzt. Die Vereinigung mit Frankfurt wird aufgelöst, die Verbindung von Handwerkskammer und IHK werden jedoch beibehalten. Am 27. Juli wird die „Verordnung über die Errichtung der Wirtschaftskammer Kurhessen“ erlassen, die als rechtliche Basis der Arbeit der Kammer dient. Mit Wirkung vom 1. März 1946 werden die Handwerkskammer und die IHK Kassel wieder getrennt. Zum gleichen Termin entsteht auch die Industrie- und Handelskammer Fulda neu, die zuvor noch mit der Kasseler Kammer verbunden war.

Über den Charakter der künftigen IHK entbrennt ein parteipolitischer Streit. Die sozialdemokratisch regierten Bundesländer (darunter Hessen) streben an, die IHK im Rahmen der überbetrieblichen Mitbestimmung paritätisch mit Vertretern der Wirtschaft und der Gewerkschaften zu besetzen. Dieser Wunsch wird mit dem (Bundes-)„Gesetz zur vorläufigen Regelung des Rechts der Industrie- und Handelskammern“ abgelehnt, das am 18. Dezember 1956 gegen die Stimmen der SPD vom Bundestag angenommen wird. Das hessische Durchführungsgesetz vom 9. Dezember 1957 und die neue Satzung der IHK Kassel vom 13. November 1957 bilden bis heute die Rechtsgrundlagen der Kammerarbeit.[5]

Die IHK Kassel-Marburg heute

Zu Beginn des Jahres 2013 wird der Name der IHK Kasssel auf Beschluss der Vollversammlung um „Marburg“ ergänzt, um ein deutliches Zeichen der Regionalität zu setzen. Die IHK heißt seitdem IHK Kassel-Marburg.[6]

Im Jahr 2013 feiert die Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg ihr 250-jähriges Bestehen.[7] Sie ist nach der Handelskammer Hamburg die älteste Handelskammer Deutschlands. Seit der Gründung hat sich viel verändert. Aus dem landgräflichen Cassel mit seiner merkantilen Struktur ist ein prosperierender Wirtschaftsraum in der Mitte Deutschlands geworden. Die Oberzentren Kassel und Marburg bilden die Achsen der flächenmäßig größten Kammer in Hessen. Geblieben ist das Prinzip der Selbstverwaltung.[8]

Organisationsstruktur

Organigramm Organisationsstruktur IHK

Die Vollversammlung

Die Vollversammlung ist das höchste Gremium der IHK Kassel-Marburg. Sie setzt sich aus insgesamt 77 gewählten ehrenamtlichen Mitgliedern zusammen. Nach der Wahlordnung der IHK Kassel-Marburg können die 77 direkt gewählten Mitglieder der Vollversammlung bis zu zehn weitere wählbare Personen für die Dauer der Wahlperiode zu Mitgliedern der Vollversammlung hinzuwählen, sogenannte Kooptationen (§ 1 der Wahlordnung). Sie vertreten die gut 69.000 IHK-zugehörigen Unternehmen Nordhessens.

Auch als "Parlament der Wirtschaft" bezeichnet, stellt sie mit ihren Vertretern aus Industrie, Handel und Dienstleistungsunternehmen das oberste Entscheidungsgremium über Haushalts- und Budgetrecht dar und bestimmt die wirtschaftspolitische Richtung der IHK. Sie beschließt alle grundsätzlichen Angelegenheiten der gewerblichen Wirtschaft und setzt sich für notwendige Verbesserungen der Infrastruktur im IHK-Bezirk ein.[9]

Die Regionalausschüsse

Aufgabe der Regionalausschüsse ist es, das Interesse der Wirtschaft der jeweiligen Region und des jeweiligen Kreises wahrzunehmen und gegenüber den Gremien der Kammer, aber auch in der Öffentlichkeit, zu vertreten. Die Regionalausschüsse sollen die Arbeit der Kammer und ihrer Gremien unterstützen.

Die Mitglieder der Regionalausschüsse werden in gleicher, allgemeiner, unmittelbarer und geheimer Wahl für die Dauer der Wahlperiode der Vollversammlung gewählt. Bei der Zusammensetzung der Regionalausschüsse soll die Branchenstruktur der jeweiligen Kreise angemessen berücksichtigt werden. Das Nähere regelt die Wahlordnung.[10]

Kontakt

Kurfürstenstraße 9, 34117 Kassel, Telefon: +49 561 7891-0, Telefax: +49 561 7891-290, E-Mail: info@kassel.ihk.de

siehe auch

Weblinks und Quellen

Einzelnachweise

  1. Homepage der IHK
  2. Homepage der IHK
  3. Axel Schwarz: "Jede Stimme zählt. Geburtsstunde der ältesten Handelskammer in Deutschland", HNA-Artikel vom 09. März 2013.
  4. Wikipedia.org
  5. Wikipedia.org
  6. Pressemitteilung der IHK
  7. HNA-Artikel: "600 Gäste bei IHK-Jubiläumsfeier in der documenta-Halle", HNA.de
  8. Homepage der IHK
  9. Homepage der IHK
  10. Homepage der IHK

Literatur

  • Brandt, Harm-Hinrich: Von der fürstlich-hessischen Commercien-Cammer zur Industrie- und Handelskammer Kassel, 1710–1960: Wirtschaftspolitik und gewerbliche Mitbeteiligung im nordhessischen Raum, 1960.
  • Brandt, Harm-Hinrich: Die Industrie- und Handelskammer Kassel und ihre Vorlaeufer, 1763–1963, 1963.
  • Brandt, Harm-Hinrich/Olten, Rainer/Marschelke, Herbert: Wirtschaft und Politik in Nordhessen seit dem 18. Jahrhundert – Die Industrie- und Handelskammer Kassel und ihre Vorläufer, 1991.

Weitere Quellen

Weblinks