In 25 Tagen die Weser hinauf

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Pferde oder Menschen zogen die Schiffe gegen die Strömung - Auszug aus den Schiffnachrichten

Von Dr. Johann Dietrich von Pezold

Flusslandschaft: Die Schlagdspitze in Münden bei Mondschein um 1807. Das Original ist seitenverkehrt. Die Lastkähne wurden flussauf gezogen - von Pferden oder Menschen vom Ufer aus. Am Mast befestigte man das Zugseil. Meinte der Wind es gut, konnte auch zur Unterstützug ein Segel gesetzt werden. Flussabwärts fuhr man mit der Strömung. Repro: von Pezold

Obwohl die Flussschifffahrt die wichtigste wirtschaftliche Grundlage der Stadt Münden seit ihren Anfängen war, ist über den Schiffsverkehr auf den Flüssen im einzelnen nur wenig bekannt. Einen aufschlussreichen Einblick bietet das Mündener „Wochenblatt“ der Jahre 1804 und 1805. Darin veröffentlichte der Schlagdaufseher wöchentlich „Schiffnachrichten“.

Was auf dem Fluss passiert

Sie informierten die Mündener Fernhändler, welche Schiffer in Münden „in Ladung lagen“ oder gerade angekommen waren. Ebenso wurde mitgeteilt, wer von Münden nach Bremen oder von dort nach Münden abgefahren war; wo sich Schiffer gerade unterwegs befanden und wann sie in Münden erwartet wurden. In ebensolcher Weise wurde der sehr viel geringere Schiffsverkehr auf der Werra behandelt. Der Schiffsverkehr auf der Fulda bis Kassel war seit dem frühen 18. Jahrhundert ausschließlich in der Hand Mündener Schiffer, die einen reglementierten Fahrplan einzuhalten hatten.

Zahlenmäßig bildeten die Mündener, die auswärtigen von der Weser und die hessischen Schiffer drei etwa gleich starke Gruppen. Der Schiffsverkehr auf der Werra wurde nahezu ausschließlich von hessischen Schiffern betrieben. Für die Mündener Schiffer lohnte sich die Fahrt auf der Werra nicht.

Die Fahrzeiten auf der Weser waren von den jahreszeitlich zwischen hohem Wasserstand im Frühjahr und Herbst und Niedrigwasser im Sommer wechselnden Verhältnissen abhängig. So war der Mündener Schiffer Schrader zwar am 2. April 1804 von Bremen bis Vlotho gekommen, war dort aber wegen zu hohen Wasserstandes der Weser sechs Tage aufgehalten worden. Auch von Hameln konnte er seine Fahrt erst nach neuerlichem Aufenthalt am 18. April fortsetzen, die sich auch weiterhin wegen fortdauernden hohen Wasserstandes verzögerte, so dass er endlich am 29. April Münden erreichte.

Wartezeiten mussten die Schiffer auch in Kauf nehmen, wenn stromaufwärts nicht genügend Zugpferde zur Verfügung standen. Auf der Fahrt von Bremen nach Münden konnten überdies Pferde nur von Landesbergen bis Minden und von Hameln bis Münden eingesetzt werden. Auf den anderen Abschnitten wurden die Schiffe von Menschen gezogen.

Fahrzeiten von 30 und mehr Tagen waren nicht selten. Unter günstigen Verhältnissen schaffte Caspar Baurmeister aus Münden die gesamte Strecke weseraufwärts im Frühjahr 1805 in 25 Tagen und der Bremer Heinrich Focke einige Wochen später in 26 Tagen. Stromabwärts waren die Fahrzeiten naturgemäß deutlich kürzer, sofern nicht Niedrigwasser die Fahrt behinderte. So benötigte Caspar Baurmeister, der am 22. März 1805 von Münden abfuhr, bis Bremen nur 14 Tage. Dort kamen einige Wochen später die Mündener Gebrüder Winkelmann am 23. April 1805 nach einer Reise von nur elf Tagen an.

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