Immichenhain

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Immichenhain ist ein Ortsteil der nordhessischen Gemeinde Ottrau im Schwalm-Eder-Kreis mit ca. 615 Einwohnern. Es gibt 18 Vereine.

Lage und Gemarkung

Die Gemarkung Immichenhain hat eine Fläche von 1.491 Hektar.

In Immichenhain kreuzen sich die Straße von Schrecksbach nach Ottrau und die Straße von Hattendorf nach Wincherode.

Geschichte

Aus der Ortsgeschichte

Immichenhain wird erstmals im Jahr 1231 als "Ymmichenhagen" urkundlich erwähnt, als in Immichenhain das Augustiner-Chorfrauen-Stift eingerichtet wird. Das Stift selbst wurde nach 1124 durch Immecha, die Witwe des Manegold von Hagen und Wirberg († 1173/1175) als Doppelkloster gegründet. Sie ist auch Namensgeberin des Klosters und Dorfes.

Die Klosterkirche Immichenhain.
(Archivfoto: © HNA/Grede)

Ab 1263 ist das Stift Immichenhain dem Kloster Wirberg unterstellt. Später ist es ein reines Frauenstift.

Die Grafen von Ziegenhain übertragen 1355 dem Kloster Immichenhain, das ihnen gehörige, am Kloster gelegene Dorf mit allen Rechten und Zubehör. Die Grafen behalten sich jedoch die hohe und niedere Gerichtsbarkeit über das Dorf vor. Bis zu seiner Aufhebung entwickelte sich das Kloster in der Folgezeit zum wichtigsten Grundherr am Ort, in dem es weiter Güter in Immichenhain und Umgegend erwirbt.

Bis zum Jahr 1360 ist das Dorf Zubehör des Gerichts auf dem Wasen und gehört zum Amt Ziegenhain. Ab 1360 und später gehört der Ort dann zum Amt und Gericht Neukirchen.

Das Kloster erfuhr 1441 unter dem Einfluss des Klosters Böddeken eine Reform hin zu einem strengen und regeltreuen Klosterleben, weiter Reformen 1493 sowie 1497 auf Veranlassung von Landgraf Wilhelm II.. 1498 wurde Alt-Hattendorf nach Immichenhain eingepfarrt.

Mit der Reformation wird das Kloster 1527 durch Landgraf Philipp aufgehoben, die Nonnen abgefunden und das Klostergut landgräfliche Domäne. Ab 1538 belehnt Landgraf Philipp seinen Kammerdiener Konrad Diede mit der Hälfte des Klosters Immichenhain samt Zubehör, dies waren die Höfe Volkershof und Niederberf. Die andere Hälfte dient zur Hof- und Landesverwaltung sowie zu Pfarrzwecken. 1544 wird die Familie Diede zum Fürstenstein erneut mit dem Kloster samt Bauhof, dem Dorf Immichenhain, Weinzapf ebenda, dem Hof Volkersdorf sowie zusätzlich mit Einkünften zu Leimbach, Neukirchen, Riebelsdorf, Holzburg sowie Einkünften aus dem Zehnten zu Niederberf belehnt. 1585 gibt es in Immichenhain 47 Hausgesesse. Im gleichen Jahr werden Niederberf und Völkershof in die Kirche von Immichenhain eingepfarrt.

Mit dem Wechsel von Landgraf Moritz zum reformierten Glauben, wurde auch die Immichenhainer Kirche 1605 evangelisch-reformiert. Im Dreißigjährigen Krieg wurde durch den Fürstabt zu Fulda versucht das Kloster neu zu beleben. Tatsächlich besetzen im Jahr 1631 fünf Mönche vorübergehend das Kloster, jedoch noch im selben Jahr verwüsten die Truppen Graf Tillys Kloster und Dorf.

Ab 1708 ist Hattendorf eine Filiale der Immichenhainer Kirche. Im Jahr 1749 gibt es in Immichenhain 51 Wohnhäuser in den 182 Menschen leben. Es gibt vier Schneider, fünf Leineweber, zwei Maurer, zwei Schmiede, 17 Branntweinbrenner, einen Wirt, drei Schreiner und fünf Tagelöhner.

Im Königreich Westphalen bilden die Franzosen von 1807 bis 1813 das Kanton Neukirchen, zu dem auch Immichenhain zählt. Nach der Wiedererrichtung des Kurfürstentums kommt Immichenhain 1814 wieder zum Amt Neukirchen. 1821 wird Immichenhain im Rahmen der Kurhessischen Verwaltungsreform dem Justizamt Neukirchen und dem neuen Kreis Ziegenhain zugeordnet. 1834 hat das Dorf 436 Einwohner. Ab 1867 gehört das Dorf zum neu gebildeten Amtsgericht Neukirchen.

Der selbständige Gutsbezirk Domäne Immichenhain wurde 1928 zum größten Teil nach Immichenhain eingemeindet. Ebenso ein Teil des Forsts Immichenhain. Im Jahr 1939 leben in Immichenhain 536 Menschen.

Die Gemeinde Immichenhain gab am 1. April 1972 ihre Selbständigkeit auf und ist seitdem ein Ortsteil der Gemeinde Ottrau. Die Gemeinde Ottrau wird im Rahmen der Gebietsreform am 1. Januar 1974 in den neu gebildeten Schwalm-Eder-Kreis eingegliedert.

Wussten Sie schon, dass ...

  • ... 1740 in Memel der dortige Pfarrer Konrad Franke, gebürtig aus Immichenhain, gestorben ist? Er war ein ausgezeichneter Kanzelredner und Pfarrer in der Unterneustadt in Kassel. Er wurde 1720 wegen eines anstößigen Vergehens abgesetzt. Dass er dies verdient hatte, bekannte er öffentlich in einer Bußschrift: „Klägliche Bußschrift des gefallenen, aber bußfertig wieder aufgestandenen K. Franke“.
    August Bollerhey, Wehren

siehe auch

Weblinks


Ortsteile der Gemeinde Ottrau
WappenOttrau.jpg

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