Immenhausen - evangelische Stadtkirche

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Evangelische Stadtkirche
Innenansicht

Im Jahre 1409 wurde mit der Wiedererrichtung der St. Georgs-Kirche in Immenhausen begonnen, nachdem die Stadt im Zuge kriegerischer Auseinandersetzungen fast gänzlich zerstört worden war.

Im Jahre 2009 feierte die Kirchengemeinde den 600. Jahrestag des Wiederaufbaus.

Evangelische Stadtkirche St. Georg

Kirchbau

Die evangelische Stadtkirche entstand als spätgotische, dreischiffige Hallenkirche - ähnlich wie im benachbarten Grebenstein.

Auf der Grundlage von Fundmaterials lassen sich zwei Vorgängerbauten belegen.

Einem romanischen Bauwerk aus der Zeit um 1100 folgte eine hochgotische Hallenkirche aus der Zeit der Stadterhebung um 1300. Diese erste Stadtkirche wurde aber bei kriegerischen Auseinandersetzungen durch Truppen des Erzbistums Mainz im Jahre 1385 weitgehend zerstört. Der Wiederaufbau in spätgotischer Zeit - wieder als Hallenkirche - erfolgte wegen der großen Kriegsschäden in der Stadt und im Umland erst ab Beginn des 15. Jahrhunderts.

Mit dem Wieder­auf­bau und der Errichtung der heutigen Kirche wurde im Jahre 1409 begonnen. Um 1440 wurde das Gotteshaus fertig gestellte, das noch heute steht.

Bis heute erhalten geblieben ist auch ein Tauf­stein aus dem Jahr 1497. Das Chor­gestühl stammt aus der Zeit des beginnenden 17. Jahrhunderts.

Sehenswert sind die mittelalterlichen Wandmalereien im Kirchenschiff und im Chor der Kirche.

St. Georg feiert Geburtstag

Die Immenhäuser Stadtkirche feiert den 600. Jahrestag ihres Wiederaufbaus

von Denise Backhaus

Evangelische Stadtkirche

Immenhausen. Wenn im kommenden Jahr (2009) das 600-jährige Jubiläum des Wiederaufbaus der Immenhäuser Stadtkirche St. Georg mit vielen Veranstaltungen gefeiert wird, findet auch ein Rückblick auf ihre wechselvolle Vergangenheit statt. Dabei möchte der örtliche Pfarrer Reinhard Runzheimer deutlich machen, wie oft es Nahtstellen zwischen der Kirchengeschichte und menschlichen Ereignissen, sowohl positiver als auch negativer Natur, gab und bis heute noch gibt.

Der schwerste Schicksalsschlag, den die Immenhäuser mit ihrer Kirche teilten, war deren Zerstörung durch die Mainzer Truppen im Jahr 1385 bei dem fast die komplette Stadt niedergebrannt wurde. Die Kraft zum Wiederaufbau fanden die Bürger erst 1409, weshalb diese Jahreszahl auch Grundlage für das anstehende Jubiläum ist.

Bunte Wandbemalung
Beim Eintritt in die dreischiffige spätgotische Hallenkirche fallen dem Besucher sofort die bunten Wandbemalungen auf. Sie scheinen auf den ersten Blick nicht wirklich zusammen zu gehören, aber beim Betrachten merkt man schnell, dass jede einzelne eine Geschichte erzählt. Dabei wurden teilweise Szenen wie das letzte Abendmahl, die Kreuzabnahme oder die Pilgerreise nach Santiago de Compostela gemalt. Besonders interessant ist ein Bild, das Jesu im Garten Gethsemane zeigt. Die Stadt im Hintergrund ist aber nicht Jerusalem, sondern die älteste erhaltene Ansicht von Immenhausen. Darüber hinaus finden sich neben Bildern von Heiligen auch Abbildungen von wohlhabenden Immenhäuser Bürgern an den Kirchenwänden. Über Herkunft und Identität der Künstler gibt es nur Spekulationen. Da in der Zierenberger Kirche ähnliche Darstellungen gefunden wurden, wird vermutet, dass dieselben Maler an beiden Orten tätig waren.


"Ich fühle mich sehr heimisch hier in dieser Kirche".
Pfarrer Runzheimer


Eine weitere wichtige Säule innerhalb der Kirchengeschichte St. Georgs nimmt der Reformator Bartholomäus Riseberg ein. Er war Schüler Martin Luthers und predigte als einer der ersten dessen Lehren in Immenhausen. Nach einem Konflikt mit dem ortsansässigen Mönch wurde Riseberg 1523 verhaftet und in den Grebensteiner Jungfernturm gesperrt. Durch heimliche Unterstützung aus Immenhausen gelang ihm die Flucht nach Wittenberg. Noch heute sind die Immenhäuser stolz auf den Reformator. Ihm zu Ehren steht ein Bronze-Denkmal vor der Kirche.

Riseberg-Denkmal vor dem Turm der Stadtkirche; im Hintergrund (rechts) die ehemalige Jungenschule

Fenster in der Löwenburg
Bunte Glasfenster, wie man sie von anderen Kirchen im Umkreis kennt, sind in der Immenhäuser Stadtkirche nur noch teilweise vorhanden. Schuld daran trägt Landgraf Wilhelm IX., der die hochwertigen Glasmalereien aus den Kirchenfenstern ausbauen und in die Kapelle der Kasseler Löwenburg einsetzen ließ. Die übrig gebliebenen Reste waren in einem so schlechten Zustand, dass ein Sturm im Jahre 1827 sie stark beschädigte.

Ein neues zeitgenössisches Glasfenster gestaltete 1956 der Glasfabrikant Richard Süßmuth. Es handelte sich dabei um ein Geschenk der katholischen Kirchengemeinde Immenhausen und war eine Dankbarkeitsbekundung dafür, dass die Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg bis zum Bau der katholischen Kirche ihre Heilige Messe im Anschluss an den evangelischen Gottesdienst in St. Georg feiern durften.

In den vergangenen Jahren fand auch zeitgenössische Kunst in der Stadtkirche ihren Platz. Die Grebensteiner Künstlerin Karin Bohrmann-Roth gestaltete unter anderem das Lesepult und das Altarkreuz.

Runzheimer fühlt sich sehr wohl in der Kirche und es wird deutlich, wie Nahe ihm die Geschichte St. Georgs geht. Die Tatsache, dass in den vergangenen 600 Jahren eine Generation nach der anderen Freud und Leid in der Kirche erlebt hat, sei eine Vorstellung, die ihn sehr ergreife. "Die Kirche könnte sicherlich viele Schicksale erzählen", sagt der Pfarrer und schließt die Eingangstür hinter sich zu.

Quelle

HNA-online vom 26.12.2008

Malereien aus dem 15. Jahrhundert

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Das Kirchenschiff und der Chor der Kirche wurden in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts mit Wandmalereien aus der Leidensgeschichte Christi kunstvoll ausgemalt.

Um 1480 entstanden die etwa 70 Wandgemälde in der Immenhäuser Stadtkirche, die Mitte der 1960-er Jahre wieder freigelegt wurden.

Quellen und Literatur

Reformator Bartholomäus Riseberg

Riseberg-Denkmal vor der Kirche
Kirchturm der Stadtkirche

Ein Schüler Martin Luthers, Bartholomäus Riseberg (auch: Rieseberg) aus der Altmark (1492 bis 1566), war zur Zeit der Reformation einer der ersten evangelischen Prediger im Norden Hessens und in der Stadtkirche von Immenhausen, was ihm eine mehrwöchige Kerkerhaft im "Jungfernturm" von Grebenstein einbrachte, aus der er entfliehen konnte. An ihn erinnert seit 2003 ein Denkmal an der Stadtkirche, das von dem Künstler Roman Krasnitzki geschaffen wurde.

Unter Landgraf Philipp I. dem Großmütigen wurde die Landgrafschaft Hessen in Folge der Homberger Synode protestantisch. Hessen gehörte neben Sachsen und Württemberg zu den mächtigen Vorkämpfern der Reformation im Deutschen Reich. In Immenhausen wurde aus der Kirche St. Georg das Gotteshaus der nunmehr protestantischen Gemeinde.

siehe auch

Weblinks