Immanuelkirche

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Die Geschichte der evangelischen Immanuelkirche ist eng mit der Besiedelungsgeschichte des Kasseler Stadtteils Forstfeld verbunden.

Die Kirche im Erlenfeld

Mit dem Bau der Erlenfeldsiedlung zu Beginn der 1930-er Jahre und der danach begonnenen Besiedelung am Lindenberg wurde der Bedarf an seelsorglicher Betreuung bald erkannt. So wurde im August 1932 der Evangelist und Volksmissionar Erich Kühn, der in einem Privathaus im Faustmühlenweg Wohnung bezog, vom Landeskirchenamt mit dieser Aufgabe betraut. Zusätzlich betreute er anfangs auch im Süsterfeld eine weitere Siedlung. Die Siedler selbst packten mit an, und so entstand der erste Gemeindesaal im Erlenfeld. Es war ein einfacher Holzbau mit zwei Nebenräumen und einer Kaffeeküche, der am 24. Dezember 1932 feierlich eingeweiht wurde. Dieser Saal, der 130 Sitzplätze hatte und zur Not 200 Personen fassen konnte, diente den gottesdienstlichen Zwecken ebenso wie der ersten Gemeindearbeit, aber auch Versammlungen der Siedler mit Vorträgen z.B. über Gartenbau und Haustierzucht.

Zur Gemeindearbeit gehörten damals Ausspracheabende für Männer und Frauen und Mädchenarbeit (mit Schwester Freda), und um die männliche Jugend kümmerte sich der CVJM-Wartburg. 1933 gründete Karl Hugo, erster Küster der Gemeinde, einen Männerchor. In den 30er Jahren wuchs die Gemeinde und wurde mit dem 24.05.1937 der sogenannte Südbezirk der Evangelischen Kirchengemeinde Bettenhausen. 1938 wurde die Diakoniestation ins Leben gerufen, die zeitweise mit zwei, manchmal auch mit drei Schwestern des Kurhessischen Diakonissenhauses in Kassel besetzt wurde. Im Jahr 1938 waren bereits erstmals konkrete Planungen fertig, am Togoplatz eine neue und größere Kirche zu bauen, doch die Zeitumstände ließen es nicht zu; staatliche Stellen genehmigten den Bau nicht. Da nutzte es nichts, dass erhebliche finanzielle Mittel vom Gesamtverband der Evangelischen Kirchen in Kassel bereitgestanden hätten. Die Nachkriegszeit und der Wiederaufbau brachten ein weiteres Anwachsen der “Seelenzahl” mit sich, so dass ein vierter Seelsorgebezirk Bettenhausens, der Südostbezirk, der hauptsächlich die Städtische Siedlung und das sogenannte Lettenlager umfasste, geschaffen wurde. Pfarrer Emil Laaf war im April 1948 zur Unterstützung Erich Kühns in die Gemeinde gekommen und hier tätig. Noch war aber nicht einmal eine ordentliche dritte Pfarrstelle eingerichtet worden; der Antrag lief jedoch, so dass schließlich seit dem 01.01.1951 auch offiziell die dritte und sogar die vierte Pfarrstelle der Kirchengemeinde Bettenhausen bestanden. Drei Jahre zuvor, im Sommer 1948, beschloss eine Gemeindeversammlung die Erweiterung des Gemeindesaales und dessen Umgestaltung zu einer Kirche.

Für die mehr als 6000 Gemeindeglieder war der alte Saal längst bei vielen Anlässen zu klein geraten. Für dessen Umbau gab es keinerlei Mittel seitens der Kirchenbehörde, so dass die Arbeiten allesamt wieder einmal in Selbsthilfe und mittels Spenden ausgeführt wurden. Eine Apsis mit Sakristei wurde eingebaut, ein Turm aufgesetzt und später mit Hilfe des Landeskirchenamtes eine Glocke beschafft. Landesbischof D. Adolf Wüstemann weihte die Kirche im Erlenfeld am 3. Advent 1948 ein. Noch einmal, 1950, ermöglicht durch eine Spende des Lutherischen Weltbundes, konnte der Kirchenbau erweitert werden mit einem durch Klappwand mit ihr verbundenen Saal und hatte jetzt 400 Plätze. Wieder am 3. Advent nahm Dekan Schwab die Einweihung vor, bei der die Kirche den Namen Immanuelkirche erhalten haben soll. In unmittelbarer Nähe der Kirche, auch das erwähnenswert, war 1948 der erste (einräumige) Kindergarten der Gemeinde eröffnet worden, der 1998 sein 50-jähriges Bestehen feiern konnte. Die dritte Pfarrstelle hatte noch bis 1952 Erich Kühn inne, bis er krankheitshalber in den Ruhestand gehen musste; die vierte Pfarrstelle wurde mit ihrer Einrichtung 1951 dem Spätheimkehrer und ehemaligen Jugendsekretär Pfarrer Emil Weber übertragen. Nachfolger Kühns wurde 1952 Pfarrer Wilhelm Uhl, der bis 1957 in der Gemeinde wirkte, ehe er an den Folgen eines Unfalls starb. Für ihn kam im Februar 1958 Pfarrer Walter Eibich in die Gemeinde.

Die Kirche am Togoplatz

Immanuel-Kirche

Während Eibichs und Webers gemeinsamer Zeit gelang der Gemeinde endlich die Realisierung des schon in 1938 erstmalig geplanten neuen Kirchenbaus am Togoplatz. So entstand in etwa vierjähriger Bauzeit und nach einem ganz neuen Entwurf das Gemeindezentrum mit dem Pfarrhaus für den Südbezirk (Einzug Eibich am 07.03.1961; Weber bewohnte schon seit 1955 das Pfarrhaus II in der Wißmannstraße), mit einem neuen Kindergarten (Einweihung am 03.12.1961), mit der im gleichen Bau liegenden Schwesternstation (Einzug der Diakonissen Elisabeth Sippel und Emmi Kurz am 01.04.1963) und der neuen Immanuelkirche, die am 1. Advent 1963 durch Propst Geß eingeweiht wurde.

Ihr hoch in den Himmel ragender spitzer Kirchturm (Mit Kreuz 51,40 m hoch) markiert das Herz des Wohnbezirks, das Gemeindezentrum und die Kirche waren neues geistliches und soziales Zentrum des Stadtteils. Gebaut wurde nach Plänen des Regierungsbaumeisters Olaf A. Gulbransson, München, der leider das Ende der Fertigstellung nicht mehr erlebte.

Die Kirche besticht durch ihre architektonische Gestaltung, einem Spiel mit Formen und Material, sie ist schlicht und doch höchst eigenwillig. Mit der Wahl von Ziegelsichtmauerwerk (sonst im Stadtteil nicht verbreitet) sollte das ganze Zentrum eine Einheit darstellen, die sich von der Umgebung hervorhebt als eine “Insel des Friedens”, die im Mittelpunkt der Gemeinde steht. Der zur Straße hin vorgeschobene Turm sollte mahnend und einladend zugleich auf die Vorübergehenden wirken. Klar erkennbar ist das Bestreben Gulbrannsons, die Gemeinde im “Zelt Gottes” zu versammeln. Mit dem diagonal über den quadratischen Grundriss der Kirche geführten Dachfirst erreicht der Baumeister die größtmögliche Längswirkung im Raum; die steil abfallenden Traufen überziehen optisch die tatsächliche Höhe der Kirche und lassen sie mächtiger wirken.

Wer den Innenraum betritt, spürt sofort das bergende des Zeltes. Damit jedoch die beiden Dachschrägen nicht zu imposant werden, sind sie an den Ecken noch einmal in einem Gegenschwung leicht angehoben und lassen die Hauptfülle des Lichtes einfallen. Die eigentlich recht große Empore wirkt eindrucksvoll schwebend im Raum. Die heutige Orgel wurde 1967 von der Firma Lötzerich gebaut. Taufstein, Altar und Kanzel stehen in eher selten ausgeführter Anordnung auf der diagonalen Achse der Kirche unter dem Dachfirst hintereinander, die Kanzel in der Ecke bildet den Abschluss. Die Holzbänke sind konzentrisch um Taufstein und Altar angelegt. Das große Farbfenster hinter der Kanzel hat die Aufgabe, den Raum zu schließen und zur meditativen Betrachtung einzuladen.

Mit der Fertigstellung der neuen Kirche wurde die alte Kirche als Gemeindehaus weitergenutzt, auch der neue Kirchturm bot in jedem Stockwerk einen kleinen Raum, die inzwischen jedoch aus feuerpolizeilichen Gründen längst nicht mehr für die Gemeindearbeit genutzt werden. Emil Weber hat nicht mehr lange in der neuen Kirche wirken können. Er verstarb im Herbst 1964. Er war sehr kontaktfreudig und beliebt, seine Predigten waren erwecklicher Art. Ältere Gemeindeglieder erzählen manchmal heute noch von ihm. Seine Nachfolge trat im Jahr darauf Pfarrer Albert Imhof an, der fast zwölf Jahre lang in der Gemeinde blieb. In diese Zeit fiel der Abschied von Pfarrer Eibich 1968, nach dem Pfarrer Manfred Hallaschka, ebenfalls noch 1968 seinen Dienst in der Gemeinde begann; er blieb bis 1972.

Immanuelgemeinde wird selbständige Kirchengemeinde

Ein einschneidendes Ereignis für die Gemeinde war in dieser Zeit ihr Selbständigwerden. Vor der Trennung in die drei selbstständigen Kirchengemeinden Bettenhausen, Jakobuskirche (bis dahin 5. Bezirk) und Immanuelkirche (bis dahin 3. und 4. Bezirk) trat im Dezember 1966 zum letzten Mal der Kirchenvorstand von Gesamt-Bettenhausen zusammen.

Mit Wirkung vom 01.01.1967 begann das eigenständige Leben der Evangelischen Kirchengemeinde der Immanuelkirche zu Kassel-Forstfeld. 1973 schließlich kam Ulrich Weidner als Pfarrer in die Gemeinde, und nachdem Albert Imhof nach Niederzwehren wechselte, Herbert Lucan im Jahr 1977. Ein halbes Jahr zuvor, am 2. Advent 1976, erfolgte die feierliche Schlüsselübergabe für das neue Gemeindehaus im Erlenfeldweg 37; das alte hatte seine Schuldigkeit getan und wurde in der Folgezeit abgerissen. Der Neubau ist ein beredtes Zeugnis für den Stil der 1970-er Jahre und enthält eine Fülle von Räumen.

siehe auch