Im Druseltal

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An der Neuen Drusel - Herkulesbahn ca. 1960.
Foto: Quelle mit Genehmigung v. Herr Friedrich Forssman www.kassel-wilhelmshoehe.de)

Die Kasseler Strasse "Im Druseltal" ist der Weg zum Herkules, zum Hohen Gras, in den Habichtswald oder weiter über Ehlen bis zum Hohen Dörnberg.

Ausbau der Straße und Tor zur Natur

Ausgebaut wurde die Verlängerung der Druseltalstraße in den 1960er-Jahren allerdings nicht als Route zu den Naturschönheiten Kassels, sondern als Panzerstraße. "Im Druseltal" ratterten die Kettenfahrzeuge der Bundeswehr zu ihrem Übungsgelände bei Ehlen, trotz heftiger Proteste gegen einen Straßenbau durch den Habichtswald. Doch Politik und Militär waren sich damals einig: es führt kein anderer Weg nach Ehlen.

Im Mai 1930 wurde der Waldweg durch das Tal der Drusel mit einem Schotterboden als Autostraße zum Herkules aufgemöbelt. 1963 kam das Kopfsteinpflaster, die Tram fuhr hier hoch, und Kassels kleinstes Wohnhaus stand noch. Ein Mini-Fachwerk, gebaut um 1900 als Wiegehäuschen für Braunkohle. In dem Knusperhäuschen oberhalb der Neuen Drusel wohnte seit über 20 Jahren eine damals 72-jährige Witwe. Doch Kassels kleinstes Wohnhaus musste dem Ausbau der Straße weichen. Es wurde 1966 abgerissen. Die alte Dame bekam von der Stadt eine laut Hessischer Allgemeine "komfortablere Ersatzwohnung in der Nordstadt".

Herkulesbahn

Herkulesbahn und "Neue Drusel" 1914.
Foto/ Quelle: Friedrich Forssmann

Die 2.140 Meter von der Konrad-Adenauer-Straße bis zur Ausfahrt der einstigen Zeche Herkules bringen uns heute bequem über 114 Höhenmeter - im Winter zum Rodeln oder Skifahren, im Frühling, Sommer und Herbst in ein Wald- und Wander-Paradies samt Herkules und Blick in den Bergpark Wilhelmshöhe.

Der Abbau von Braunkohle im Habichtswald lässt sich seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts belegen und schon Landgraf Wilhelm IV. gründete 1580 das Erbstoller Bergwerk. Große Massen an Kohle aber auch an Basaltsteinen wurden zunächst mit privaten Fuhrwerken zum Tal gebracht, ab der Mitte des 19. Jahrhunderts zum weit entfernten Bahnhof Wilhelmshöhe.

Als zu Beginn der industriellen Revolution der Kohlebedarf immer weiter stieg, wurden neue Transportwege gesucht und ab November 1902 fand der Güterbetrieb von Kohle auf der Herkulesbahn statt, ab 1905 auch von Basalt. Im Jahre 1903 war der Personenverkehr aufgenommen worden.

In den inzwischen stillgelegten Zechen wurde zum Teil bis weit nach dem 2. Weltkrieg Kohle abgebaut.

Im Druseltal - Das vergessene Konzentrationslager im Wald

Bei so viel Natur und schöner Aussicht gerät das dunkle Kapitel des Druseltals leicht in Vergessenheit. Vom 5. Juli 1943 bis zum Einmarsch der Amerikaner am 4. April 1945 [1] war hier ein Außenkommando des Konzentrationslagers Buchenwald. 150 KZ-Häftlinge mussten unter SS-Aufsicht Zwangsarbeit leisten. Vor allem waren es Bauarbeiten für den damals höchsten Nazi-Führer der Region, den Höheren SS- und Polizeiführer Josias Erbprinz zu Waldeck und Pyrmont. Kassels Konzentrationslager war ein Fachwerkhaus mit Anbau, das frühere Gasthaus "Die alte Drusel" sowie Baracken. Und zwei von diesen vier Baracken stehen heute noch oben am Hang zwischen Panoramaweg und Wiegandstraße.

Im Druseltal 85 war nicht Dachau oder Auschwitz. Aber ein KZ-Außenlager, in dem Menschen gequält und geschlagen wurden, Hunger litten und unmenschlich schuften mussten. Kranke und Aufsässige traten vom Druseltal aus den Todestransport zurück nach Buchenwald an.

siehe auch

Einzelnachweis

  1. Verzeichnis der Konzentrationslager Ldf.-Nr. 702

Weblinks