Huterechte

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Das Huterecht wird abgeleitet von der aus dem Mittelalter (und der Vorzeit) stammenden Berechtigung der Bauern ihr Vieh selbstverständlich in die umliegenden Wälder treiben zu können um sie dort mit Futter zu versorgen. Das Huterecht spielte auch für Nordhessen und Südniedersachsen eine große Rolle.

Die Rechte galten bis zu Ablösung (1885) als "ewig und unabänderlich".

Das Huterecht wurde, nachdem Klöster, Adel und Landesherrschaft die Wälder im Mittelalter "in Besitz" genommen hatten, in der so genannten "Hute- und Streugerechtsame" verbrieft, als ewiges Recht der für die Bauern der jeweiligen Dörfer vorgesehenen Hute- und Streubezirke (Streu: Laub als Stall-Einstreu im Winter).

Hutewald und Huterecht

Naturpark Habichtswald

Das Huterecht war in späteren Jahren ein Recht der jeweiligen politischen Gemeinde. So hatten zum Beispiel Harleshausen ca. 100 ha und Heckershausen ca. 62 ha Flächen im herrschaftlichen Habichtswald, die der Hute- und Streugerechtigkeit (von der Obrigkeit "Servitut" genannt) unterlagen.

Da die Huterechte auf den jeweiligen Häusern im Dorf lagen, hatten auch die Kleinbauern (Köthner, Kötter auch Köter) bedeutenden Anteil am Huterecht. Für sie war das Huterecht existenziell. Bei der Ablösung 1885 wurden die Kleinbauern nicht entsprechend entschädigt und daher benachteiligt. In Harleshausen wurde mit der Ablösungssumme z.B. eine Schule gebaut. Bis zur Ablösung mussten für die Servitute von den Bauern Abgaben geleistet werden.

Reinhardswald

Ein anderes Beispiel ist das Dorf Udenhausen - heute ein Stadtteil von Grebenstein. Bis um das Jahr 1884 standen bis an das Dorf noch die dicke Eichen des Reinhardswalds und die Kuh- und Schweinehirten trieben ihre Herden tief in den Wald bis zum Udenhäuser Stock. Auch dieses "Huterecht" löste der Staat zum Ende des 19. Jahrunderts ab, die Eichen wurden abgeholzt und die Gemeinde wurde mit ehemaligen Waldflächen entschädigt.

Nachdem der Plan, diese Flächen als Übungsplatz für die Garnisonen in Hofgeismar und Kassel zu verpachten, nicht umgesetzt werden konnte, entschloss sich die Gemeinde im Jahre 1893, die "Wildnis" urbar zu machen. Jeder der sich seinerzeit zur Kultivierung des Bodens verpflichtete, konnte ein Los von zwei Morgen ziehen, wobei der Preis von 100 Mark deutlich unter den damaligen Preisen von Kulturland zwischen 250 und 300 Mark lag. Viele der Udenhäuser Tagelöhnerfamilien machten von dem Angebot Gebrauch und erlangten durch harte Rodearbeit eigenen Grundbesitz.

Ganz anders hat sich der Bereich des ehemaligen Hutewalds in einem anderen Teil des Reinhardswalds entwickelt. im Bereich des Urwalds Sababurg hat sich das Bild des ehemaligen Weidewalds im Laufe von Jahrzehnten stark verändert. Wo früher das Vieh die jungen Bäume kurz hielt und Schweine im Wald mit Eicheln gemästet wurden, entstand ein Wald, der diesen Namen verdient und in dem sich insbesondere die Buche stark verbreiten konnte. Schmale Wege führen heute im Urwald Sababurg durch die ehemalige Waldweide-Landschaft und vorbei an Adlerfarn-Feldern. Die Waldlandschaft verwandelte sich im Laufe der Zeit in ein Gebiet, in dem auch knorrige, teilweise 800-jährige Eichen und faszinierende Totholzstrukturen zu finden sind, die auch die ökologische Bedeutung des „Urwalds“ belegen.

"Paradies" und "Halloh"

Wiederum ein anderes Beispiel findet sich in Albertshausen, heute ein Ortsteil von Bad Wildungen. Das "Paradies" ist ein ehemaliger Hutewald mit 250- bis 300-jährigem Eichenbestand und heute ebenso ein Naturschutzgebiet, wie das westlich von Albertshausen gelegene "Halloh", ebenfalls ein ehemaliger Hutewald, der sogar zum Naturdenkmal erklärt wurde.

Kassels „Forst“

Forstfeldkarte 1859.jpg

Schon immer spielte der „Forst“, wie das Gebiet zwischen Unterneustadt, Ölmühlenweg und Lindenberg und Ochshausen, Bettenhausen und Waldau genannt wurde, in der Geschichte für die Stadt Kassel eine große Rolle. Die erste Erwähnung Cassels stammt aus der Zeit um 913, bereits da wurde das Gelände des Forstes als „Hute“ bezeichnet, d. h. als Weidegelände für das Vieh der umliegenden Landwirtschaften. Bettenhausen dagegen wird erst 1126 zum ersten Mal erwähnt, jedoch soll die Urkunde um 25 Jahr vordatiert sein, es lag „ante forstam“, vor dem Forst.

Mit dem Begriff „Forst“ wurde das Gebiet erstmals 1294 erwähnt, das hieß gewöhnlich „Wald unter Königsbann“. Unter einem Hutewald muss man sich einen lichten Eichenwald vorstellen, in dem Rinder und Schweine unter der Aufsicht von Hirten weideten. Auf einer Karte von 1840 heißt der vordere Teil des Forstes (links und rechts neben der heutigen Lilienthalstraße) immer noch „Forst“, während der Bereich zwischen Ochshäuser Straße und Leipziger Straße das „kleine Forst Feld“ war, am Forstbachweg waren „die saueren Wiesen“ und hinter dem Forstbachweg bis zum Lindenberg war „das grosse Forst Feld“. Das Gebiet südlich der Ochshäuser Straße war „das Erlen Feld“. Ein Gebiet in Höhe der jetzigen Autobahnbrücke über die Ochshäuser Straße hieß „die Schiesecke“.

Auf dem „Sauplatz“ wurden die Schweine mit Eicheln und Bucheckern gemästet. Außerdem gab es noch den Großen Forst und den Kleinen oder Oberen Forst. Mit gewissen Einschränkungen gehörte der Wald ab 1413 den Kasseler Bürgern, die hier ihr Vieh weideten. Nur mit vereinzelten Ausnahmegenehmigungen durften auch einmal Bettenhäuser oder Waldauer Bürger hier einige Stück Vieh weiden lassen.

siehe auch

Weblinks und Quellen