Husarenkaserne

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Blick aus dem Obergeschoss des Hauses Wilhelmsstraße 5 auf die Husarenkaserne (ehem. Garde-du-Corps-Kaserne)
Auf dem Ständeplatz, mit Blick in die Wilhelmsstraße, 1906; links das Eckhaus Ständeplatz 15, rechts die Landeskreditkasse und dahinter ein Teil der damaligen Husarenkaserne (ehem. Garde-du-Corps-Kaserne).

Die Husarenkaserne ehem. Garde-du-Corps-Kaserne) wurde im 19. Jahrhundert in der Kasseler Südstadt erbaut. Das Gebäude existiert nicht mehr. Später wurde auf dem Gelände die Jägerkaserne errichtet.

Geschichte

Kinder nutzen die zerbombte Husarenkaserne als Spielplatz.

Noch vor ein paar Jahrhunderten ritten Soldaten hoch zu Ross über das Husaren-Casernement. Die Kaserne der kurhessischen Garde du Corps beherbergte die Leibgarde des Kurfürsten. Und das seit dem Jahr 1619 unter Landgraf Moritz dem Gelehrten.

Weiter ging’s für die Innenstadt-Dragoner und ihr Regiment in wechselnden Stärken und unter wechselnden Namen - darunter Kavallerie-Abteilung des Garde du Corps, Husarenregiment Nr. 14, kurfürstliche Husaren. Von 1716 bis 1866 war Schluss mit diesem Hickhack. Das Regiment der 14er Husaren hieß endgültig Garde du Corps - und ist damit Namenspatron für die gleichnamige Straße und den ehemaligen „gens dármesplatz“ zwischen Fünffenster- und Wilhelmsstraße. 1890 wurde unser Husaren-Regiment geschlossen, 1910 die Garde-du-Corps-Kaserne geräumt und abgerissen.

Den Bomben im Zweiten Weltkrieg hielt auch die später erbaute Husarenkaserne nicht stand. Deshalb ist von der militärischen Anlage, die im Jahr 1889 an der Frankfurter Straße erbaut wurde, nichts mehr zu sehen. Wie auch das dahinter liegende Standortlazarett wurde sie zerstört. Das Standortlazarett wurde ursprünglich zwischen der heutigen Rembrandtstraße und der Rubensstraße im Jahr 1888 errichtet. Bis in den 1960er-Jahren an der Stelle das Versorgungsamt errichtet wurde, war in den Ruinen ein provisorisches Wohn- und Arbeitsquartier entstanden.

Auf dem Ruienen-Gelände machten nach dem Krieg Handwerker und Händler ihre Geschäfte: Zwei Schreinereien, eine Mosterei, eine Autowerkstatt, eine Reitschule, eine Spedition, ein Farbengeschäft, ein Seifenhändler und eine Schlosserei ließen sich dort nieder. Die Reitschule nutzte die alten Ställe der Kaserne, auch eine Klinik für Pferde wurde eingerichtet. Die Kriegsbaulücke, die von Anwohnern nur Kasernenhof genannt wurde, war für viele Kinder ein großer Abenteuerspielplatz. Im ehemaligen Lazarettpark, wo Baracken für Kriegsflüchtlinge errichtet wurden, studierten die Kinder Theaterstücke ein. Im ehemaligen Torhaus des Lazaretts an der Heckerstraße richtete sich für viele Jahre der Wetterdienst ein.

In den 1960er-Jahren war die Zeit des improvisierten Übergangs vorbei, und auf dem Gelände entstand sozialer Wohnungsbau.[1]

Garde-du-Corps-Platz

Heute an der Fünffensterstraße, auf den Parkplätzen an der Evangelischen Kreditgenossenschaft, mit Blick zur Wilhelmsstraße.

Die Aufnahme aus den Jahren 1899-1910 lässt die Weite des Garde-du-Corps-Platzes nur ungefähr erahnen – fast dieselbe Fläche liegt noch einmal im Rücken des Photographen. Auf der Reitbahn erkennt man Soldaten des 14. Husarenregiments in ihren blau-weißen Uniformen, im Hintergrund bestimmen moderne Fassaden das Bild: Wolfsschlucht 2 und Wilhelmsstraße 5 waren um 1882/1883 anstelle zweier städtischer Armenhäuser errichtet worden. Und der großen Eckkomplex Garde-du-Corps-Straße 3½ und 3¾ geht auf Um- und Neubauten von ca. 1898/1899 zurück; zwei Pferdeköpfe, die zuvor in der Gartenmauer eine Hofeinfahrt flankiert hatten, wurden am sog. Pferdekopfhaus in der heutigen Konrad-Adenauer-Straße neu aufgestellt.

Nachdem die Husaren im Jahre 1910 einen Neubau an der Bosestraße bezogen hatten, stand die Kaserne leer; in den Wintermonaten 1911-1913 verwandelte der Messerschmied und Schlittschuhhändler Jansen aus der benachbarten Wilhelmsstraße die Reitbahn in eine Eisbahn, die abends künstlich beleuchtet wurde. Ab 1912 vermietete man einige Nebengebäude an der Wilhelmsstraße, und für die Chassalla-Lichtspiele (zuvor Wilhelmsstraße 2½) hatte man hier einen neuen Saal errichtet.

Im Frühjahr 1914 wurde ein Großteil der Kaserne abgebrochen, um die Seidlerstraße über das Gelände zu führen; sie erinnert bis heute an den Maurer- und Steinhauermeister Heinrich Seidler, der in der Garde-du-Corps-Nacht 1848 als Kommandeur der Bürgergarde entscheidend zur Beruhigung der Situation beigetragen und die Auflösung der Garde erwirkt hatte. Nachdem ein 1917 geplanter Schwimmbadneubau durch die Inflation vereitelt worden war, wurde das Gelände aufgeteilt; 1929 eröffnete auf dem verbliebenen Rest des Reitplatzes das Lichtspielhaus „Capitol“. Die letzten Teile der Kasernenbauten brannten 1943 aus.

siehe auch

Weblinks und Quellen

Quellen

  1. Aus HNA.de vom 8. April 2013: Überreste der Husarenkaserne: Ruine wurde zu Spielplatz

Weblinks