Husaren in Hofgeismar

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Ehem. Lazarett der in den Jahren 1838 – 1842 erbauten Manteuffel-Kaserne: ein spätklassizistischer Massivbau aus der Mitte des 19. Jahrhundert.

Zählt man die 60 „Gewappneten“ hinzu, die im 14. Jahrhundert in Diensten des Erzbistums Mainz standen, blickt die Stadt Hofgeismar auf eine lange Zeit als Garnisionsstadt zurück. [1]

Aus den in Hofgeismar stationierten Hessischen Leibhusaren ging im Jahre 1867 das 1. hessische Husarenregiment Nr. 13 hervor. Ihnen folgten die Dragoner des 5. Regiments "Freiherr von Manteuffel", das 1875 nach Hofgeismar verlegt wurde.

Erst nach dem Ende des Kalten Krieges und der damit verbundenen Abrüstung zog sich letztlich die Bundeswehr aus der Hofgeismarer Manteuffel-Kaserne zurück.

Geschichte

1701 bezogen Soldaten des Landgrafen in Hofgeismar Quartier. Damit begann die Tradition als Garnisonsstadt, die bis zum Ende des 20. Jahrhunderts dauerte.

An die Stelle eines Infanterieregiments traten im Jahre 1788 das Dragonerregiment „Prinz Friedrich“ und seitdem für lange Zeit immer wieder Kavallerieregimenter. Auch während der Zeit des Königreichs Westfalen unter Jérôme Bonaparte war in Hofgeismar die Leibgarde zu Pferde stationiert, nach der Wiederherstellung Kurhessens dann ab 1806 hessische Leibdragonerregimenter, ab 1846 dann das umbenannte „1. hessische Leibhusarenregiment“. Etwa 600 Soldaten waren in der Stadt mit ihren damals etwa 3800 Einwohnern einquartiert, als Exerzierplatz stand der Altstädter Kirchplatz zur Verfügung, als Reitplatz ein Gelände am Turnhagen, der Reithagen. Mit dem Bau einer Kaserne wurde erst 1838 begonnen.

Aus den in Hofgeismar stationierten Hessischen Leibhusaren ging im Jahre 1867 das 1. hessische Husarenregiment Nr. 13 hervor. Denn der kurhessische Staat erlosch 1866, nachdem er von Preußen in Folge des "Deutschen Krieges" annektiert worden war. Zwei Jahre später wurde er mit dem ebenfalls annektierten Herzogtum Nassau und der durch preußische Truppen besetzten Freien Stadt Frankfurt zur preußischen Provinz Hessen-Nassau vereinigt, in der das bisherige Kurhessen den Regierungsbezirk Kassel bildete.

Denkmal am Markt

An die Gefallenen aus Hofgeismar im preußisch-französischen Krieg 1870/ 71 erinnert das Denkmal und der Brunnen auf dem Marktplatz von Hofgeismar (vor dem Rathaus) aus dem Jahre 1902.

Der Stationierung des 1. hessischen Husarenregiment Nr. 13 folgte in Hofgeismar im Jahre 1875 die Stationierung des Dragoner-Regiments Nr. 5, das im Jahre 1889 nach dem verstorbenen Reichsstatthalter Freiherr von Manteuffel benannt wurde. Während die 5. Schwadron des Regiments in der Nordkaserne (Ecke Hohler Weg/ Schöneberger Tor) untergebracht wurde, waren die 1. bis 4. Schwadron in der 1842 fertig gestellten Kaserne (später: Manteuffel-Kaserne) stationiert.

Übungsplatz der in Hofgeismar stationierten Reiterregimente war der „Meßhagen“, westlich von Hofgeismar. Der Meßhagen, eine Waldwiese auf felsigem Grund und ein Weideplatz für Hirten aus Niedermeiser, war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein beliebtes Ausflugsziel für die Bevölkerung, wenn hier bei der Regimentsinspektion, der sog. "Besichtigung" ein militätische Schauspiel geboten wurde, etwa beim "Parademarsch im Trabe" der in Hofgeismar stationierten Dragoner.

Nach dem Ersten Weltkrieg kehrte das Dragonerregiment "Freiherr von Manteuffel" im Februar 1919 noch einmal für kurze Zeit in die Kaserne in Hofgeismar zurück, bevor es aufgelöst wurde.

Kaserne

In den Jahren 1838 bis 1842 wurde die Hofgeismarer Kaserne (später: Manteuffel-Kaserne) errichtet, in der in den Jahren 1875 - 1919 die Rheinischen Dragoner (das Dragoner-Regiments Nr. 5) stationiert waren.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war hier zunächst die hessische Polizeischule Nord eingerichtet worden, bevor die Kaserne dann ab 1955 lange Jahre von Soldaten der Bundeswehr genutzt wurde.

Im Dezember 1981 zog das Brigadekommando der Panzerbrigade 6 in die Kaserne ein und 1986 die Instandsetzungskompanie 60 bis Ende 1993 der Bundeswehr-Standort in Hofgeismar aufgegeben wurde.

In den 1960er bis 1980er Jahren wurden mehrere historische Gebäude abgebrochen und durch Militärneubauten ersetzt, zuletzt noch durch den Bau der Sporthalle. Beim Bekanntwerden der Auflösungspläne 1991 befürchteten die Hofgeismarer Geschäftsleute massive Einbrüche durch den Wegzug der 600 Soldaten, die in Hofgeismar nicht nur einkauften und in die Diskothek gingen, sondern auch das gesellschaftliche Leben mitgestalteten. Es gab einen Ideenwettbewerb zur Umnutzung des 1993 von der Bundeswehr aufgegebenen Areals. [2]

Auf dem ehemaligen Kasernengelände, das seitdem Manteuffel-Anlage heißt, befinden sich heute städtisch genutzte Gebäude, die Polizeistation Hofgeismar und ein kleines Einkaufszentrum.

Erhalten geblieben ist unter anderem das Gebäude des ehemaligen Lazaretts und späteren Offiziersheims der Kaserne, das Mitte des 19. Jahrhunderts als spätklassizistischer Massivbau errichtet wurde, später allerdings durch Anbauten auch Veränderungen erfuhr.

Literatur

Auswahl

  • Rüdiger Hafer: Die Hofgeismarer Dragoner - Königlich-Preußisches Dragoner-Regiment Freiherr von Manteuffel Nr. 5, Stadt Hofgeismar und Verein für Hessische Geschichte und Landeskunde 2009
  • Klaus-Peter Lange, Die Straßennamen der Stadt Hofgeismar, Hofgeismar 2009
  • Friedrich Pfaff, Geschichte der Stadt Hofgeismar, 2. Auflage, Hofgeismar 1954
  • Gert Lüke, Die Garnison Hofgeismar, in: Hessische Heimat - Sonderheft Hofgeismar -, Marburg 1978, S. 68
  • Alt-Hofgeismar, Bilder aus einer vergangenen Zeit 1870 - 1925, herausgegeben und erläutert von Helmut Burmeister und Klaus-Peter Lange, Hofgeismar 1979

Blaue Dragoner reiten wieder

Neues Buch lässt ein wichtiges Kapitel Stadtgeschichte wieder lebendig werden

Hofgeismar. Wenn überhaupt, sind sie nur noch aus den Erzählungen der Großeltern bekannt, oder aus einigen trüben, ausgebleichten, unterbelichteten oder mitunter verwackelten Schwarzweißfotos - die Hofgeismarer Dragoner, die vor 100 Jahren das Hofgeismarer Stadtbild und die kleinstädtische Gesellschaft prägten. Doch ein Mann hat jetzt die Reitersoldaten wiederbelebt, hat ihnen Farbe eingehaucht und Gesichter zurückgegeben, in einem Buch, das von Experten als einmalig bezeichnet wird.

Rüdiger Hafer (62) aus Breuna, Landmesser von Beruf und talentierter Zeichner, hat ein Faible für Uniformen und militärische Ausrüstung. Nicht als Sammler, sondern aus historischem Interesse. Auf der Suche nach einem neuen Forschungsbereich stieß er auf die Hofgeismarer Dragoner des 5. Regiments Freiherr von Manteuffel. Es wurde 1875 nach Hofgeismar verlegt und bestimmte fast 40 Friedensjahre das Stadtleben mit morgendlichen Ausritten durch die Altstadt, mit Quartieren in der 1842 erbauten Manteuffelkaserne und der Nordkaserne (heutiges Möbelhaus Engelhardt) mit Stall und Kasino (heute Stadtmuseum).

Nicht nur diese Fakten geraten (mit Ausnahme der Dragoner-Ausstellung im Stadtmuseum) mehr und mehr in Vergessenheit, sondern auch die Erinnerung an die Soldaten selbst.

Rüdiger Hafer machte sich daran, das zu ändern. Mit Akribie arbeitete er sich durch den gesamten Foto- und Aktenbestand des Stadtmuseums, analysierte mit der Lupe jede Einzelheit der Fotos und verglich ungezählte Fakten. Er erforschte Reitausrüstung, Besoldung, Gebäude, Lebensläufe, Musikinstrumente, Proviantwagen und vieles mehr.

Aus einem Artikel in HNA-online vom 30.08.2009 (tty)

siehe auch

Straßennamen

Rathausturm in Hofgeismar

An die einst in Hofgeismar stationierten Soldaten erinnern heute noch zahlreiche Straßenbezeichnungen in der Stadt, so z. B. die Straße Am Reithagen, die Kavalleriestraße, die Lazarettstraße, die Magazinstraße, die Manteuffel-Straße, die Dragonerstraße oder der Kasinoweg, wo früher das Offizierskasino der Kaserne stand.

Weblinks und Quellen

Quellen

  1. 60 Jahre Bundeswehr: So war es in Hofgeismar
  2. 60 Jahre Bundeswehr: So war es in Hofgeismar

Weblinks