Humboldtstraße

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Die Humboldtstraße in Korbach

Eine Straße, zwei Menschen: Nach wem ist sie benannt?

Forscherdrang, Bildung und Humanität: Das sind Eigenschaften der Gebrüder Humboldt. Nach ihnen sind eine Korbacher Straße und die dortige Schule benannt. Die kurze Straße, die quer durch das pädagogische Viertel im Osten Korbachs führt, trägt einen bekannten Namen: Die Humboldtstraße. Sie verläuft von der Solinger Straße zur Fröbelstraße. Dort steht auch die Humboldtschule.

Doch: Handelt es sich beim Namen Humboldt um den Naturforscher Alexander Freiherr von Humboldt oder um dessen Bruder Wilhelm, den Gelehrten und Staatsmann? Dazu äußerte sich der frühere Landrat Waldeck-Frankenbergs, Dr. Bökemeier, anlässlich des Jubiläums der Schule 1997: Diese Fragen haben wir vor 25 Jahren ungelöst gelassen. Ein Name wie Wilhelm-Freiherr-von-Humboldt-Schule wäre natürlich zu lang gewesen und außerdem sollte der Forscherdrang des einen, die Bildung des anderen und die Humanität beider ein Leitbild der Schule sein. So haben wir uns schlicht auf Humboldt-Schule geeinigt. Diese Lösung kann auch auf den Namen der Straße übertragen werden kann. Alexander von Humboldt wurde 1769 in Berlin geboren. Er stand weltweit in hohem Ansehen. Vor allem wurde er bekannt durch seine ausgedehnten Reisen. Sie führten ihn durch Belgien, die Niederlande, England und Frankreich. Von Paris aus begann er 1799 seine fünfjährige Forschungsreise in die Neue Welt, die ihn über Teneriffa, Venezuela, Kolumbien, Ecuador bis nach Mexiko führte. In Paris beschrieb er in einem dreißigbändigen Werk seine Reise-Erlebnisse.


Wilhelm Freiherr von Humboldt wurde 1767 in Potsdam geboren. Auch er begab sich nach dem Studium zunächst auf Reisen, ihn verband, wie seinen Bruder, eine enge Freundschaft mit Goethe und Schiller. Er lebte in Jena, Paris, in Spanien und in Rom, wo er von 1801 bis 1808 preußischer Ministerresident war. Als Leiter des Kultur- und Unterrichtswesens war er Schöpfer der Berliner Universität und des neuhumanistischen Gymnasiuns in Preußen. 1810 ging er als preußischer Gesandter nach Österreich. 1814 vertrat er Preußen auf dem Wiener Kongress; ab 1817 war er Gesandter in London. 1819 wurde er zum Minister ernannt, trat jedoch im gleichen Jahr von diesem Amt zurück und lebte seitdem bis zu seinem Tod auf dem väterlichen Schloss in Tegel, wo er sich vor allem mit philosophischen Betrachtungen über den Bau der Sprachen beschäftigte.

Die Serie

Straßennamen sind wichtig. Nicht nur, weil durch sie dem Ortsunkundigen, der Post, dem Paketzusteller, dem Arzt, dem Rettungsdienst und Lieferanten das Auffinden bestimmter Personen erleichtert wird. Sie ermöglichen den Anwohnern auch eine gewisse Identifikation. Mögen sich Nachbarn noch so sehr von einander unterscheiden, eins verbindet sie: Sie alle sind Bewohner der gleichen Straße. Straßennamen hat es nicht immer gegeben. Offiziell wurden sie in Korbach erst Ende des 19. Jahrhunderts eingeführt. Bis dahin gab es viele namenlose Straßen. Natürlich hatte man Standortbezeichnungen schon früher. Sie waren aber recht allgemeiner Art: An der Neustädter Kirche etwa, oder Am Markt. Andere bezeichneten ein ganzes Stadtviertel. Flurname oder Zielort Bei der Namengebung griff man zurück auf Flurbezeichnungen (Am Waldecker Berg) oder auf die Lage der Straße (Oberstraße). Die Ausfallstraßen bezeichnete man nach ihren Zielorten (Wildunger Landstraße). Viele Straßen tragen aber auch den Namen einer bekannten oder bedeutenden Persönlichkeit, von Stadtältesten oder Ehrenbürgern. Bei Vergabe von Namen aus Politik und Regierung ist man heute in Korbach vorsichtig geworden, um späteren Umbenennungen aus dem Weg zu gehen. So wurde aus dem Adolf-Hitler-Platz nach 1945 wieder der Berndorfer Torplatz, aus der Litzmannstraße die Friedrichstraße, aus der Hindenburgstraße wieder wie früher die Bahnhofstraße. Zur Diskussion standen nach 1945 auch die an Kriegsschauplätze des Ersten Weltkrieges erinnernden Skagerrakstraße, Langemarckweg und Flandernweg. Neue Namen mussten her Die enorme Entwicklung der Stadtbebauung nach dem Zweiten. Weltkrieg brachte es mit sich, dass zahlreiche neue Straßen entstanden. Sie alle brauchten neue Namen. So entstand ein Blumenviertel, in jüngster Zeit auch ein Dichterviertel. Zahlreiche westdeutsche Städte, in die es einst Korbacher verschlagen hatte, standen Pate, aber auch mitteldeutsche Städte. Auch ehemalige ostdeutsche Städte und Gebiete, aus denen viele Korbacher Neubürger vertrieben worden waren, gaben neuen Straßen ihre Namen.

Der Autor

Der Korbacher Hans Osterhold beschäftigt sich schon lange mit heimatkundlichen Themen. Für die HNA hat der Museums- und Stadtführer eine Serie über die Namen Korbacher Straßen verfasst. diese ist ab April 2001 in der HNA Waldeckische Allgemeine erschienen.