Hugenottenmuseum - Karlshafen

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Eingang zum Hugenottenmuseum

Das im Jahre 1989 in einem ehemaligen Fabrikgebäude der Stadt (ehemalige Tabakfabrik) eröffnete Hugenottenmuseum gibt Einblicke in das Leben der französischen Glaubensflüchtlinge, die ab dem Jahre 1701 in die neugegründete Stadt Karlshafen zogen.

Die Geschichte der Hugenotten wird auch anhand von Karten, Urkunden oder Alltagsgegenständen anschaulich dokumentiert. [1]

Informationen: Deutsches Hugenottenmuseum, Am Hafenplatz 9a, Öffnungszeiten ab 15.03.2011 bis 31.10.2011 Dienstag - Freitag 10 - 17 Uhr, Samstag, Sonntag und Feiertage 11 - 18 Uhr. Tel.: 05672/ 1410, Internet: www.hugenottenmuseum.de.

Geschichte

Die Geschichte der französischen Glaubensflüchtliche in Karlshafen beginnt am Ende des 17. Jahrhunderts. Im Jahre 1699 erfolgte durch Landgraf Karl die einzige Stadtgründung für Hugenotten in Hessen, in Sieburg an der Weser, dem späteren Carlshaven. Der Name Sieburg wurde offenbar nach einer alten Fliehburg oberhalb der Stadt gewählt.

Nach dem Willen des Landgrafen sollte eine neue Fabrik- und Handelsstadt entstehen, wobei der Capitän Friedrich Conradi, Ingenieur und Baumeister des Landgrafen, von 1699 bis 1750 als Bauleiter verantwortlich war. Die Planung des erst im Jahre 1717 in "Carlshaven" umbenannten Orts erfolgte durch den Hofbaumeister Paul du Ry.

An breiten Strassen entstanden zumeist zweigeschossige, weiße Häuser mit barocken Giebeln. Blickt man vom Hugenottenturm - auf den 205 m hohen Hessischen Klippen - auf die Stadt, erkennt man bis heute den denkmalgeschützten Ortskern mit den rund um den alten Hafen gebauten Häusern. In strenger Geometrie wurden etwa 120 Häuser in Carrées geordnet.

Oberhalb von Karlshafen liegt der Hugenottenturm auf einem steilen Berghang. Er wurde im Jahre 1913 im Auftrag des Kaufmanns Johann Joseph Davin aus Bremen errichtet, dessen hugenottische Vorfahren in der Stadt Karlshafen Aufnahme gefunden hatten und bietet einen guten Überblick über die Stadt.

Hintergrund

Ein prominenter Besucher auf dem Hugenottenfest 2008: Bundesfinanzminister a.D. Hans Eichel

Landgraf Karl von Hessen-Kassel gewährte den Hugenotten, französischen Glaubensflüchtlingen, zum Ende des 17./ Anfang des 18. Jahrhunderts nicht nur Asyl, sondern sicherte ihnen wirtschaftliche Unterstützung, Glaubensfreiheit sowie den Gebrauch der eigenen Sprache in der Kirche und der Verwaltung zu.

Ganz uneigennützig war das nicht, denn der Dreißigjährige Krieg hatte für einen enormen Aderlass an Handwerkern und Baumeistern gesorgt. Nirgendwo sonst in Deutschland wurden Hugenotten im Verhältnis zur einheimischen Bevölkerung so zahlreich aufgenommen wie in Nordhessen.

Am 3. August 1688 legte Landgraf Karl den Grundstein für die Oberneustadt in Kassel. Hier sollten sich die Hugenotten eine neue Heimat aufbauen. Hinzu kam im Jahre 1699 die Gründung einer neuen Stadt, dem späteren Carlshaven. Hinzu kamen aber auch 19 kleinere Orte, in denen Hugenotten angesiedelt wurden, beispielsweise das Dorf Carlsdorf als älteste hessische Hugenottenkolonie oder ab dem Jahr 1699 die Hugenottendörfer Kelze oder Schöneberg, nahe der Stadt Hofgeismar.

Seitdem haben die hugenottischen Namen einen festen Platz in der Geschichte des Landes und der früheren Hauptstadt Kassel. Zu ihnen gehört die Baumeisterfamilie du Ry. Über drei Generationen war sie in Kassel tätig; besonders Simon Louis du Ry prägte die Architektur Kassels von Friedrichsplatz und Königsplatz bis zum Schloss Wilhelmshöhe.

Der Physiker Denis Papin kam ebenso aus Frankreich wie die Familie der bekannten Märchenerzählerin Dorothea Viehmann (geborene Pierson) oder die Vorfahren von George André Lenoir. Insgesamt fanden 2000 Hugenotten in Kassel eine neue Heimat, in der Landgrafschaft insgesamt waren es 4000.


aus einem Beitrag des ehem. Hofgeismarer Dekans Jochen Desel im Kasseler Sonntagsblatt vom 18.7.1999:

"Es waren überwiegend Waldenser aus den savoyischen Alpentälern bei Torre Pellice und Hugenotten, die ihre südfranzösische Heimat schon 1686 nach der Aufhebung des Toleranzedikts von Nantes verlassen hatten, die 1699 als "verspätete Hugenotten" nach Hessen kamen. Beide Gruppen hatten zunächst in der benachbarten Schweiz Asyl gesucht und auch gefunden. 1698 waren die schweizerischen Kantone nicht mehr bereit, die immer zahlreicher einwandernden französischen Réfugiés in ihrer Gesamtzahl zu behalten. Ein Teil von ihnen - vor allem die mittellosen Waldenser - wurde ausgewiesen und mußte das Land wieder verlassen.

Um ihre geplante Einbürgerung in Deutschland zu erleichtern, zahlten die Schweizer und die Niederländer beträchtliche Summen an die aufnahmewilligen deutschen Fürsten. Auch Landgraf Carl von Hessen erhielt Hilfszahlungen, weil er nach anfänglichem Zögern seine Bereitschaft zur Ansiedlung einer zweiten Flüchtlingswelle der Réfugiés in Hessen-Kassel erklärte. Die für Hessen bestimmten Glaubensflüchtlinge schlossen sich im Sommer 1699 in der Schweiz zu sogenannten Brigaden zusammen, um gemeinsam nach Deutschland zu reisen. Schweren Herzens verließen sie die Schweiz, eine ungewisse Zukunft vor Augen. Sie bestiegen in Bern und in anderen Schweizer Städten Schiffe, mit denen sie auf der Aare und dem Rhein über Basel bis Gernsheim fuhren. Von dort zogen sie über Frankfurt und Marburg auf dem Landweg weiter in das nördliche Hessen.

Die Flüchtlingskommissare des Landgrafen hatten schon vor der Ankunft der Flüchtlinge ihre Unterbringung vorbereitet und Details der Ansiedlung mit den Brigadeführern der französischen Réfugiés abgesprochen. Trotzdem waren die ersten Jahre der Flüchtlinge in der neuen hessischen Heimat schwierig für alle Betroffenen. Die Flüchtlinge hatten großzügigere Hilfeleistungen erwartet, die Einheimischen dagegen beneideten die Neuankömmlinge um ihre Privilegien und die Befreiung von Steuern und Abgaben. Es dauerte Jahrzehnte, bis sich die Verhältnisse in den "neuen Dörfern" normalisierten und rund ein Jahrhundert, bis aus den Réfugiés Deutsche geworden waren."


Museumsfest

Auch in 2016 fand wieder ein Museumsfest im Hugenottenmuseum Bad Karlshafen statt (Sonntag, 22. Mai.2016). Am Internationaler Museumstag 2016 wurde zugleich die Sonderausstellung "Mit offenen Armen aufgenommen" - Neue Heimat in Bad Karlshafen (22.5. - 30.10.2016) eröffnet.

Sonderausstellung „Das Licht auf dem Leuchter“

Mit einer Sonder-Ausstellung 2014 im Deutschen Hugenotten-Museum „Das Licht auf dem Leuchter“ wurde versucht, die Anliegen der Reformation im Vorfeld des Luther-Jubiläums 2017 den Menschen der heutigen Zeit nahe zu bringen. In Bildfolgen wurden die Lebensläufe der Hauptreformatoren Martin Luther, Huldreich Zwingli und Johannes Calvin dargestellt. Ihr Wirken verdeutlichten in Faksimiles die 95 Thesen Luthers und die 67 Thesen Zwinglis, sowie originale Bibelausgaben und Gesangbücher. Andere weniger bekannte Reformatoren wurden in Porträts mit kurzem Lebenslauf dem Besucher vorgestellt. [2]

siehe auch

Ausschnitt eines Ausstellungsplakats aus 2011

Weblinks und Quellen

Hugenottenpaar am Haus der Sparkasse in Bad Karlshafen

Quellen

  1. HNA-online vom 19.7.2013: Auf den Spuren der Hugenotten in Bad Karlshafen
  2. Text aus dem Veranstaltungsprogramm 2014 des ECOMUSEUMs REINHARDSWALD

Weblinks