Hugenottenkirche in Carlsdorf

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Carlsdorfer Hugenottenkirche - Blick vom Friedhof
Blick zum reichverzierten Portal

Die Hugenottenkirche in Carlsdorf wurde in den Jahren 1699 bis 1704 in dem damals neu angelegten Hugenottendorf - heute ein Stadtteil von Hofgeismar im Landkreis Kassel - errichtet.

Landgraf Carl von Hessen siedelte im 17. Jahrhundert auch in der Umgebung der Stadt Hofgeismar zahlreiche Hugenottenfamilien an, die nach dem Edikt von Fontainebleau und der Aufhebung der Religionsfreiheit in Frankreich im Jahre 1685 ihre Heimat verloren hatten. Carlsdorf wurde nach Landgraf Carl, das benachbarte Mariendorf nach dessen Gattin Maria Amalia benannt.

Aus der Entstehungsgeschichte des Ortes

Das kreuzförmig angelegte Dorf entstand damals im Bereich einer Wüstung am westlichen Rande des Reinhardswaldes. Ursprünglich gab es hier ein Dorf, das mit den Namen Gotresdeshusun oder Gothardessen (später auch Gauze) schon im Jahre 965 erwähnt wird aber bereits vor dem Jahr 1430 von seinen Bewohnern aufgegeben wurde.

Das heutige Dorf geht zurück auf die erste Ackerkolonie in Hessen für Glaubensflüchtlinge aus Frankreich im Jahre 1686. Ein Großteil der Erstsiedler stammte aus der Hugenottengemeinde Abriès im Queyraltal.

In Carlsdorf - im Lempetal zwischen dem Dorf Hombressen im Reinhardswald und Hofgeismar gelegen - entstanden zunächst 12 strohgedeckte Häuser. Während das untere Stockwerk aus Steinen bestand, wurde für das obere Stockwerk eine Fachwerkkonstruktion gewählt.

Insgesamt 500 hessische Acker (119,35 ha) standen in Carlsdorf für die Neuansiedler zur Verfügung, die auf ihren kleinen "Portionen" allerdings wirtschaftlich nur schwer Tritt fassen konnten.

Die Carlsdorfer Hugenottenkirche

Bereits im Jahre 2004 feierte die evangelische Gemeinde in Carlsdorf das 300-jährige Bestehen ihrer Kirche. 300 Jahre zuvor ermahnte der Waldenser-Pfarrer David Clément seine damalige Gemeinde in der Predigt mit den Worten: Kommet hierher voll Eifers, und zwar nicht, um nach Neuen zu suchen, sondern die Wahrheit zu finden.

Bauwerk

Carlsdorf - Eingang zur Kirche

Mit der Bitte zum Kirchbau war die Carlsdorfer Gemeinde mit ihrem Dorfgreben Blaise Martin im Jahre 1699 an den Landgrafen herangetreten, nachdem den Hugenotten zunächst in Hofgeismar ein Betsaal am Steinweg zur Verfügung stand.

Die Carlsdorfer Hugenottenkirche am Ortsrand (Ecke: Gauzetor/Kirchweg) entstand in den Jahren 1699 bis 1704 als Fachwerkständerbau. Die Planung der Kirche und des Ortes selbst wird Paul du Ry zugeschrieben, der zumindest im Jahr 1686 nachweislich in Carlsdorf war. Als hugenottischer Glaubensflüchtling wurde er von Landgraf Carl nach Kassel, der Residenzstadt der Landgrafschaft Hessen-Kassel als Hofbaumeister berufen.

Am reichverzierten Eingangsportal der Kirche sind rechts und links unten je ein Delphin (das Wappentier aus der Heimat der Erstsiedler) zu erkennen, oben links finden sich in einem Kranz die Buchstaben CLHZ (Carl Landgraf zu Hessen) und auf der gegenüberliegenden rechten Seite offenbar der hessische Löwe. Den Querbalken ziert eine längere Inschrift in französischer Sprache aus dem Jahre 1702 (dem Datum des Richtfestes), mit einem Dank an den Landgrafen für die Unterstützung der französischen Glaubensflüchtlinge.

Auf dem Dach der Kirche wurde ein Dachreiter mit einer Wetterfahne platziert.

Im Innern der Kirche

Innenansicht

Im Innern der Kirche - einem Quersaal - befindet sich hinter dem schlicht gehaltenen hölzernen Abendmahltisch die Kanzel. Nach der Tradition der ersten Siedler gibt es keinen Altar, im Vordergrund stand für sie die Verkündung des Wortes.

Der heutige Abendmahltisch in der Carlsdorfer Kirche ist eine Nachbildung des Abendmahltischs aus der Kirche in Gottstreu. Damit möglichst für jeden Dorfbewohner ein Platz vorhanden war, wurde die Kirche mit einer Empore ausgestattet.

Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bekam die Kirche eine Orgel, die bunten Fenster der Kirche kamen erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts hinzu.

Literatur

  • Kreis Hofgeismar, Handbuch des Heimatbundes für Kurhessen, Waldeck und Oberhessen III, Marburg/ Lahn 1966, S. 74 ff.
  • Jochen Desel, Die 300-Jahrfeiern in Carlsdorf und Mariendorf 1986 und 1987, in: Jahrbuch des Landkreises Kassel 1988, S. 77 ff.
  • Jochen Desel, Hugenottenkirchen in Hessen-Kassel, Bad Karlshafen 1992, S. 42 ff.
  • Christian Wachter, Die Carlsdorfer Kirche als protestantischer Kirchenbau, in: Jahrbuch des Landkreises Kassel 2005, S. 17 ff.

siehe auch

Die Hugenottenkirche in Carlsdorf

Weblinks