Hugenottenhaus Schöneberg

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Schöneberg - restauriertes Hugenottenhaus

Im Hofgeismarer Stadtteil Schöneberg befindet sich an der Bremer Straße ein frühes hugenottisches Bauwerk, das „Hugenottenhaus“ (mit Informationsraum).

Das im Jahr 1710 errichtete Haus ist heute ein Stück der Geschichte Schönebergs. Am Ort zeugen noch zahlreiche Familiennamen von französischen Vorfahren.

Das Hugenottendorf Schöneberg

Die Gründung des heutigen Straßendorfs Schöneberg erfolgte im Jahre 1699 für Glaubensflüchtlinge aus Frankreich. Landgraf Carl von Hessen-Cassel gab ihnen im 17. Jahrhundert auch in der Umgebung der Stadt Hofgeismar neuen Siedlungsraum, nachdem sie durch das Edikt von Fontainebleau und die Aufhebung der Religionsfreiheit in Frankreich im Jahre 1685 ihre Heimat verloren hatten. Ebenso fanden hier waldenser Flüchtlinge eine neue Heimat, die 1698 auf Befehl Ludwig XIV. aus Frankreich vertrieben worden waren.

Im Bereich des ehemaligen Dorfs Büngheim (auch: Bünichheim) - urkundlich bereits im Jahre 965 erwähnt - bestimmte Landgraf Carl von Hessen für 24 "Réfugiés" einen Platz für die Anlage einer "Kolonie" im Nordosten von Hofgeismar, mit deren Bebauung ab 1700 begonnen wurde.

Viele Erstsiedler kamen aus dem Pragelas- und Queyrastal nach Zwischenaufenthalten in der Schweiz und in der Pfalz nach Schöneberg. Für die Ortsplanung in Schöneberg war Paul du Ry verantwortlich, der - ebenfalls hugenottischer Glaubensflüchtling - 1685 von Landgraf Carl zum Hofbaumeister berufen worden war. Aus den Gründerjahren stammt auch die Hugenottenkirche in Schöneberg, die in den Jahren 1705 und 1706 erbaut wurde.

Das neu gegründete Dorf entstand durch die Ansiedlung von 24 Familien. Bei einer Volkszählung achtzig Jahre später - im Jahre 1779 - hatte sich die Zahl der Dorfbewohner noch nicht wesentlich verändert. Verständlich wird dies durch die damals hohe Kindersterblichkeit, zudem hatten sich einige Nachkommen aus den Hugenotten-Siedlungen in Kelze, Schöneberg und Gewissenruh inzwischen in der neu gegründeten Siedlung Friedrichsdorf am Wattberg niedergelassen.

Neben 16 französischen Haushalten mit 76 Personen wohnten im Jahre 1779 bereits 12 deutsche Familien mit 48 Personen in Schöneberg. Die Dorfbewohner waren vorwiegend in der Landwirtschaft tätig. Im Laufe der Jahre waren aber auch eine tonverarbeitende Ziegelei, einige Töpfereien sowie andere Handwerksbetriebe hinzu gekommen, darunter ein Strumpfwirker, zwei Schneider, zwei Schumacher oder ein Seifenmacher.

Literatur

Literatur zur Geschichte der Hugenotten und Waldenser

  • Jochen Desel, Französische Dörfer - deutsche Zuwanderer 1669 - 1779: 300 Jahre Kelze und Schöneberg, Band II, Hofgeismar 1999
  • Jochen Desel, „Hugenotten und Waldenser in und um Hofgeismar“ in: Hessische Heimat – Sonderheft Hofgeismar, Marburg 1978, S. 70 ff.

Unterhaltungsliteratur

  • Friedemann Seiler, "Ein Licht in der Finsternis" - Die Flucht der Hugenotten und Waldenser nach Nordhessen, MuNe Verlag Paderborn 2009
    (Der historische Regional-Roman erzählt die Geschichte von Etienne Pinatel und seiner Frau, die im Jahre 1710 ein Haus in Schöneberg bauten, das heute noch vorhandene Hugenottenhaus an der Bremer Straße.)

siehe auch

Weblinks