Hugenotten- und Waldenserpfad

Aus Regiowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wegzeichen in Gottstreu

Der Kulturfernwanderweg „Hugenotten- und Waldenserpfad“ ist Teil einer europäischen Kooperation. Er folgt dem realen historischen Fluchtweg der Hugenotten aus dem Dauphiné über Genf nach Baden-Württemberg und weiter durch Hessen bis nach Bad Karlshafen.

Zu Beginn der Planungen wurde ein nationaler Trägerverein für den Fernwanderweg "Auf den Spuren der Hugenotten und Waldenser" ins Leben gerufen.

Der Europäische Kulturfernwanderweg führt heute auch durch etliche Orte der Region Nordhessen.

Die Route

Von Südfrankreich bis nach Nordhessen

Die Route des ca. 1800 Kilometer langen Kulturwanderwegs führt von Südfrankreich über Italien und die Schweiz nach Südwestdeutschland und weiter bis nach Bad Karlshafen in Nordhessen.

Verbindendes Element ist die Geschichte der Hugenotten und Waldenser, die als französische Protestanten Ende des 17. Jahrhunderts ihr Heimatland Frankreich aus Glaubensgründen verlassen mussten.

Verlauf in Nordhessen

Ausschnitt eines Ausstellungsplakats aus 2011 - Mit der Ausstellung "Franzosen up´n Dorpe" erinnerte das Hugenottenmuseum Bad Karlshafen im Jahre 2011 an die bedeutsame Geschichte der Hugenotten- und Waldenserdörfer in Nordhessen.

In Nordhessen verläuft der Pfad durch den Burgwald, den Kellerwald und das nordhessische Bergland.

Er verläuft im Bereich der Eder über Wiesenfeld und Louisendorf, verläuft dann weiter über Leckringhausen nach Hofgeismar (mit den Dörfern Carlsdorf, Friedrichsdorf, Kelze und Schöneberg) und über Gottstreu und Gewissenruh nach Bad Karlshafen. Von Hombressen aus verläuft eine Wegschleife des Pfades nach Mariendorf.

Etwas abseits des Pfads liegen im Norden von Hessen die Stadt Kassel (mit der Oberneustadt) und St. Ottilien in der Gemeinde Helsa, weiter abseits das Dorf Gethsemane im Landkreis Hersfeld-Rotenburg, im Schwalm-Eder-Kreis die Gemeinde Schwalmstadt - Frankenhain mit der eine lange Wegschleife eingerichtet wurde und die Hugenotten-und Waldensergemeinde Schwabendorf mit Wolfskaute sowie Wohratal-Hertingshausen/W. und Wetter - Todenhausen/W. im Landkreis Marburg-Biedenkopf.

Beteiligt ist der Verein Region Kassel-Land.

In dieser Region wurden einst zehn Hugenotten- und Waldenserorte gegründet (in Carlsdorf, Friedrichsdorf, Gewissenruh, Gottstreu, Karlshafen, Kelze, Leckringhausen, Mariendorf, Schöneberg und St. Ottilien).

Geschichte

Die Karlskirche in Kassel

Am 3. August 1688 legte Landgraf Karl den Grundstein für die Kasseler Oberneustadt, neben Karlshafen die zweite Neugründung einer Stadt in Hessen-Kassel. Hinzu kamen 19 kleinere Orte. Mit dem Siedlungsprogramm in den nach dem Dreißigjährigen Krieg vielfach zerstörten und entvölkerten Landstrichen der Landgrafschaft Hessen-Kassel wurde im Jahre 1686 begonnen. Neue Dörfer entstanden, als erste Carlsdorf (benannt nach Landgraf Carl) und Mariendorf (benannt nach seiner Ehefrau Maria Amelia).

Seitdem haben die hugenottischen Namen einen festen Platz in der Geschichte des Landes und der früheren Hauptstadt Kassel. Zu ihnen gehören die Baumeister der Familie du Ry, der Physiker Denis Papin oder die Familie der bekannten Märchenerzählerin Dorothea Viehmann (geborene Pierson). Insgesamt fanden 2000 Hugenotten in Kassel eine neue Heimat, in der Landgrafschaft waren es 4000. Bis ins Jahr 1867 wurde etwa in der Kasseler Karlskirche an jedem zweiten Sonntag die Predigt noch in französischer Sprache gehalten.


Die Spur der Hugenotten

Hugenottenkirchen
am Weg
Das Portal der Kirche in Carlsdorf
Die Kirche in Schöneberg

aus: HNA-online vom 21.7.2011

Europäischer Kulturfernwanderweg führt auch durch einige Orte der Region

Carlsdorf. Die Glaubensflüchtlinge aus Frankreich und Norditalien kamen vor mehr als 300 Jahren mit großen Hoffnungen in diese Region. Ihre Spur schlängelt sich durch Deutschland. Auf dem Europäischen Kulturfernwanderweg „Hugenotten- und Waldenserpfad“ können Wanderer in die Geschichte der Heimatsuchenden eintauchen, und dabei richtig Strecke machen.

Der Pfad, der im Landkreis Kassel vorerst nur als grobe Route existiert, soll umgeleitet werden und durch das Hugenottendorf Carlsdorf führen. Dr. Renate Buchenauer, verantwortlich für die nationale und internationale Koordination des Projekts, erläuterte den Streckenverlauf jetzt während einer Versammlung in der Carlsdorfer Kirche.

1800 Kilometer langer Pfad
Herbert Hunkel, Vorsitzender des Vereins Hugenotten- und Waldenserpfad, sowie Mitglieder des Vorstands trafen sich zum Informationsaustausch mit Vertretern jener Ortschaften, die als Siedlungen französischer Glaubensflüchtlinge gegründet worden waren. Ebenfalls mit von der Partie waren Wegewarte des Hessisch-Waldeckischen Gebirgs- und Heimatvereins. Denn sie werden die Markierung des Teilabschnitts vornehmen. Allein 800 Kilometer des insgesamt 1800 Kilometer langen Pfades führen durch Hessen bis zum nördlichsten Punkt Bad Karlshafen.

„Der Streckenverlauf ist nicht starr sondern entwicklungsfähig“, stellte Hunkel fest. Damit reagierte der Vorsitzende auf Einlassungen, dass einige Siedlungsorte der Glaubensflüchtlinge wie zum Beispiel Mariendorf nicht einbezogen wurden. Dies könne, wenn als ein Abstecher attraktiv sei, nachträglich durch Schleifen geschehen, erklärte Buchenauer.

Der Fernwanderweg folgt der Route, auf der Glaubensflüchtlinge Ende des 17. Jahrhunderts durch Europa wanderten - von Südfrankreich und Norditalien über die Schweiz nach Nordhessen. Auf deutscher Seite sei er inzwischen nahezu durchgehend markiert - eine blaue Scheibe mit grüner Linie. Bis 2013 soll die europäische Gesamtstrecke markiert sein, so die Projektleiterin.

Bewahrung des Erbes
Das gemeinsame Ziel der europäischen Partner sei die Bewahrung und Bewusstmachung des Kulturerbes der Hugenotten und Waldenser mit Blick auf sozialkulturelle Toleranz und Integration. „Integration ist ein aktuelles Thema“, sagte Buchenauer. Die Kulturvermittlung könne über Erlebnisräume, das heißt Themenrundwege, Ausstellungen oder Veranstaltungen in den einzelnen Orten geschehen. Als Beispiel nannte Buchenauer das Hugenottenfest und die Aktivitäten des hugenottischen Weinhauses Römer in Bad Karlshafen.

Für die deutsche Strecke ist die Herausgabe eines Wanderbuchs geplant. Am Sonntag, 11. September 2011, wird die hessische Gesamtstrecke in BurgwaldWiesenfeld unter der Schirmherrschaft des hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier eröffnet werden. (ziv)

Erster Abschnitt des Hugenottenpfades eingeweiht

aus HNA-online vom 27.4.2012

Hofgeismar/ Kelze. Wer einen blauen Kreis mit einer zarten grünen Welle darunter entdeckt, der ist auf dem Hugenotten- und Waldenserpfad unterwegs. Im Altkreis wurde nun ein erster Teilabschnitt des europäischen Kulturwanderweges eingeweiht, der von der Hauptroute nach Kelze führt.

Innenansicht der Kelzer Hugenottenkirche

Der örtliche Heimatverein veranstaltete deshalb eine offizielle Erstbewanderung und feierte anschließend bei einem Frühlingsfest die Eröffnung des „Erlebnisraums Nordhessische Refuge“.

„Ursprünglich sollte der Weg an Kelze vorbeiführen, doch wir haben uns dafür eingesetzt, dass auch dieses kleine Hugenottendorf Teil der Strecke wird“, sagte Jürgen Lips, Kopf des Arbeitskreises hugenottischer Dörfer im Altkreis. Aus Richtung Wolfhagen kommend führt nun eine Schleife durch Kelze und mündet in Hofgeismar wieder in die Hauptroute.

„In Deutschland beträgt die Wegstrecke des Hugenotten- und Waldenserpfades ohne die Wegschleifen 800 Kilometer“, erklärte Reinhold Jäger, Ortsvorsteher und Vorsitzender des Heimatvereins. Allein im Altkreis wird man künftig, wenn auch die anderen Teilabschnitte dieses Jahr eingeweiht sind, auf 60 Kilometern den Hugenotten auf der Spur sein. Vier Segmentkarten, die jetzt noch in Arbeit sind, wird es dann geben.

Bei der Erstbewanderung nahmen die 30 Teilnehmer nur einen kleinen Abschnitt in Angriff, wanderten unter der Führung von Rudolf Bernd vom Messhagen aus durch den Wald nach Kelze, wo der Weg am Schwimmbad in den Ort führt. „Folgt der Wanderer den Zeichen im Ort, wird er zur Kirche, dem Maringueser Platz und der Heimatscheune geführt“, erläutert Rudolf Berndt vom Heimatverein die Stationen. Über den Kelzer Berg führe der Hugenottenpfad dann zurück nach Hofgeismar. Neben dem offiziellen Logo des Pfades hat der Heimatverein in Kelze fünf Informationstafeln entlang des Weges aufgestellt, die Einblicke in die Geschichte der Hugenotten geben.

Von Südfrankreich bis nach Bad Karlshafen beträgt die Gesamtlänge des Pfades 1800 Kilometer. „Das Schöne an dem Wanderweg ist, dass er auch auf die kulturellen Besonderheiten hinweist“, so Lips, der dazu einlädt, am 5. und 6. Mai bei der Eröffnung des Teilabschnitts Weserroute dabei zu sein. Bislang endet der Hugenottenpfad in Bad Karlshafen, doch es sei nicht unwahrscheinlich, dass dieser künftig noch weitergeführt werde, verriet der Carlsdorfer. (zta)

Der letzte Teil des langen Weges

Einweihung des Hugenotten- und Waldenserpfades zwischen Gottstreu und Bad Karlshafen

Artikel in HNA-online vom 8.5.2012

Waldenserkirche in Gottstreu

Gottstreu. Über 40 Wanderer, vorwiegend aus Gottstreu und Gewissenruh, hatten sich an der Gottstreuer Waldenserkirche eingefunden. Anlass des Treffens bei leider wolkenverhangenem Himmel und leichtem Nieselregen war die Eröffnung des letzten Teilstücks des Hugenotten- und Waldenserpfads zwischen Gottstreu und Bad Karlshafen.

Der Hugenotten- und Waldenserpfad hat insgesamt eine Länge von etwa 1800  Kilometern, beginnt in der ehemaligen Heimat der Hugenotten und Waldenser in Italien und Südfrankreich und endet in Bad Karlshafen.

Bevor die Wanderung begann, gab es eine kurze Andacht in der Kirche, die mit einem Segen von Pfarrer Christian Trappe endete. „Wenn wir uns gleich auf den Weg machen, so gehen wir auch ein Stück auf dem damaligen Weg“, sagte Trappe.

Waldenserkirche in Gewissenruh

Thomas Ende, Vorsitzender des Waldenservereins Gottstreu/Gewissenruh, beschrieb zuvor kurz den unglaublich langen Leidensweg der Waldenser aus den Piemonttälern Italiens, der 1722 für einige Familien in den beiden Dörfern endete.

Dann ging es, mit kurzen Stopps an historischen Gebäuden in Gottstreu und später immer wieder auf der Wanderung, in Richtung Gewissenruh. Bis zum Mühlenplatz in Gieselwerder, wo ein kleiner Imbiss vorbereitetet war, gab Heimatforscher Roland Henne den Wanderern viele Erläuterungen. Dies übernahm Hans-Georg Volle auf der Etappe bis Gewissenruh.

Nach einer Andacht in der dortigen Waldenserkirche folgte der offizielle Eröffnungsakt im Gasthaus Zum Reinhardswald. (zhb)

Am 24.Juni 2012 wurde die Wegschleife Mariendorf im Rahmen des Festaktes zur 325-Jahrfeier Mariendorfs durch Dorothe Römer,Bad Karlshafen und Bürgermeister Herbert Rössel, Immenhausen feierlich eingeweiht. Die Wegschleife führt vom Hauptweg, an der Kirche Hombressen abzweigend, durch die Hombresser und Udenhäuser Feldmark nach Mariendorf , wo u.a. die unter der Ägide von Paul du Ry erbaute Kirche ( mit barockem Dachaufsatz und frz. Psalm-Inschriften im Innenraum) besichtigt werden kann. Über den wunderschönen Reinhardswald-Westweg geht die Wanderung zurück nach Hombressen.



Routenführer

Für den nördlichsten Streckenabschnitt von Bad Karlshafen bis Burgwald - Wiesenfeld hat der Verein Hugenotten- und Waldenserpfad e.V. im Mai 2012 einen Routenführer für den ersten Streckenabschnitt von insgesamt 160 km herausgegegeben. Auf 12 Karten wird der Verlauf des Europäischen Kulturfernwanderwegs einschließlich attraktiver Wegschleifen von Bad Karlshafen bis in den nördlichen Burgwald dargestellt.

siehe auch

Eingang zum Hugenottenmuseum in Bad Karlshafen

Weblinks