Huelsenbeck-Museum Frankenau

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Der Schriftsteller und Psychoanalytiker Richard Hülsenbeck wurde am 23. April 1892 als Sohn des Apothekers in Frankenau geboren und wurde als Mitbegründer des Dadaismus im Jahre 1916 weltberühmt.

Auch das Huelsenbeck-Museum Frankenau erinnert an sein Werk.

Richard Huelsenbeck

In Frankenau wurde der Künstler Richard Huelsenbeck geboren

Nein, die Zähne zeigt Richard Huelsenbeck nicht. Zumindest nicht auf Bildern, egal ob als blondes Kind oder grauhaariger Mann. „Er lacht nie“, sagt Hildegard Feidel-Mertz und deutet auf zahlreiche schwarzweiße Fotos. Die 75-Jährige hütet solche kleinen Schätze im Geburtshaus des großen Dadaisten Huelsenbeck in Frankenau. Dem Künstler verdankt die Stadt ihre Erwähnung in einem Literaturführer.

In der Alten Apotheke im Ort hat Huelsenbeck seine „entscheidenden frühkindlichen eineinhalb Jahre verbracht“, sagt Hildegard Feidel-Mertz. Die Erziehungswissenschaftlerin hat dort in drei Räumen eine Sammlung über das Leben und Wirken des Richard Huelsenbeck zusammengetragen - von der Schultüte über Bücher und Plakate bis hin zu Zeugnissen und Diplomen. Vom frühen Umzug nach Westfalen bis zum Alterswerk als Maler.

In den 70er-Jahren hatte Hildegard Feidel-Mertz das Haus übernommen. Huelsenbeck war der Wissenschaftlerin, die ihren Hauptwohnsitz in Frankfurt am Main hat und deren Mutter Justine Schäfer aus Frankenau stammt, zwar ein Begriff. Dass der Dadaist aber in Frankenau, in der Alten Apotheke geboren wurde, war ihr erst beim Betrachten einer Gedenktafel an dem Gebäude bewusst geworden.

Die Tafel geht auf einen Besuch Huelsenbecks in seinem Geburtsort im Jahr 1958 zurück. Dabei traf er unter anderem Walter Exner, der in Frankenau ein Asienmuseum aufgebaut hatte. Um den Namen Huelsenbeck im Ort bekannt zu machen, habe er später die Tafel mit Gleichgesinnten angebracht, berichtet der mittlerweile verstorbene Exner in dem Buch „Der junge Huelsenbeck“, das von Hildegard Feidel-Mertz herausgegeben wurde. Die Stadtverwaltung habe eine Beteiligung abgelehnt - wohl verdrossen von einem Artikel Huelsenbecks in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Darin hatte dieser den Besuch in seiner Geburtsstadt beschrieben. „Frankenau war, wie ich aus den Erzählungen (seiner Eltern, die Red.) hörte, ein armes, gottvergessenes Nest...“, formuliert er, spricht aber auch von landschaftlicher Schönheit und Begegnungen mit liebenswürdigen und gebildeten Menschen. Versöhnliche Worte über den bis dato so fremden Geburtsort. Zeitweise habe sogar die Überlegung im Raum gestanden, ob Huelsenbeck nicht seinen Lebensabend in Frankenau verbringen könnte, berichtet Hildegard Feidel-Mertz.

Mit ihrem kleinen Museum will sie das Andenken an Richard Huelsenbeck bewahren. Besonders freue sie sich, wenn Einheimische Interesse an dem Dadaisten entwickelten. „Die Frankenauer könnten die Tatsache, dass so eine Persönlichkeit hier geboren wurden, ruhig ein wenig stärker zur Kenntnis nehmen“, sagt Hildegard Feidel-Mertz.

Chronik: Das Leben des Richard Huelsenbeck

Er war Schriftsteller, Arzt und Psychoanalytiker - das Leben von Richard Huelsenbeck in Stichworten:

  • 23. April 1892: Richard Huelsenbeck wird als Sohn des Apothekers Dr. Karl Huelsenbeck und dessen Frau Johanna, Mädchenname Fink, in Frankenau geboren.
  • 1894: Die Familie zieht nach Westfalen (Bochum/Dortmund). Huelsenbeck macht 1911 Abitur und beginnt ein Jahr später ein Studium der Philosophie und Kunstgeschichte. Danach nimmt er ein Medizinstudium auf, unter anderem in Berlin.
  • 1916: Das Studium führt ihn nach Zürich, er beginnt mit literarischen Aktivitäten. In Zürich begegnet er unter anderem Hugo Ball und Hans Arp. Mit ihnen und weiteren Mitstreitern begründet er im Cabaret Voltaire den Dadaismus.
  • 1917: Huelsenbeck kehrt nach Berlin zurück und schließt sein Medizinstudium ab. Ein Jahr später beteiligt er sich an dadaistischen Veranstaltungen in Berlin und nimmt an Tourneen teil. Außerdem wirkt er an Zeitschriften und anderen Publikationen der Berliner Dadaisten mit.
  • 1923: Huelsenbeck heiratet die Malerin Elisabeth Beate Löchelt. Diese hat aus erster Ehe mit einem jüdischen Journalisten eine Tochter. Dies trägt später zu der Entscheidung bei, aus Deutschland auszuwandern. Zwischen 1923 und 1935 unternimmt Huelsenbeck Reisen als Schiffsarzt und veröffentlicht Berichte darüber in Zeitschriften und Büchern. Danach betreibt er eine Arztpraxis in Berlin.
  • 1936: Huelsenbeck emigriert mit seiner Familie in die USA und lässt sich als Psychiater und Psychoanalytiker in New York nieder - unter dem Namen Charles R. Hulbeck. Er beteiligt sich an neuen Veröffentlichungen über den Dadaismus und beschäftigt sich mit Malerei. Zwischenzeitlich besucht er seinen Geburtsort Frankenau.
  • 1970: Huelsenbeck siedelt nach Locarno-Minusio in der Schweiz über.
  •  20. April 1974: Richard Huelsenbeck stirbt in seinem Wohnort in der Schweiz. Er wird in der Familiengruft auf dem Dortmunder Südfriedhof beigesetzt.

Was Humboldt ins Tagebuch schrieb

„Literaturland Hessen: Der Norden“ - so heißt eine kostenlose Broschüre von ADAC und Hessischem Rundfunk.

In kurzen Kapiteln wird dabei die literarische Geschichte von Orten wie Korbach, Bad Hersfeld und Witzenhausen dargestellt. Auch Orte aus dem Frankenberger Land sind darin beschrieben: Neben dem Dadaisten Richard Huelsenbeck aus Frankenau werden unter anderem Literaten aus Frankenberg und Haina erwähnt.

Im Kapitel über Frankenberg geht es etwa um das Leben des Chronisten Wigand Gerstenberg, der im Jahr 1457 in der Ederstadt geboren wurde. Genannt wird auch der evangelische Humanist Euricius Cordus aus Münchhausen-Simtshausen, geboren 1486, der in Frankenberg die Lateinschule besuchte. Er wurde später der erste Professor für Medizin an der Marburger Universität und ein berühmter Autor.

Erzählt wird ebenso, dass der Gelehrte Wilhelm von Humboldt 1788 auf dem Weg vom Arolser Fürstenhof nach Marburg die Stadt besuchte und seine Eindrücke in seinem Tagebuch notierte.

Im Kapitel über Haina wird über den Humanisten Eoban Koch berichtet, der am 6. Januar 1488 als Sohn eines Teich- und Fischmeisters in Halgehausen geboren wurde und sich später Helius Eobanus Hessus nannte. „Er sollte ... der wichtigste Vertreter der neulateinischen Dichtung in Deutschland werden“, heißt es in der Broschüre.

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Stichwort Dadaismus

Der Dadaismus war eine künstlerische und literarische Bewegung, die um 1915 in Zürich entstand. Der Name soll von dem französischen Wort dada (Steckenpferd) abgeleitet sein. Der Dadaismus stellte die bisherige Kunst in Frage, er überspitzte ihre Schönheit oder Abstraktion satirisch bis ins Unsinnige. Dies sei auch ein Protest gegen die Enthumanisierung der Welt gewesen, sagt Hildegard Feidel-Mertz.

Kontakt

Kontakt für Führungen durch die Huelsenbeck-Sammlung: Hildegard Feidel-Mertz, 0 64 55/ 8046 oder 069/ 507 42 05.

Weblinks