Homberger Glocke

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Die Homberger kamen im Jahr 1654 auf unkonventionelle Weise zu einer neuen Glocke.

Geschichte

Der Dreißigjährige Krieg hatte der Homberger Bürgerschaft sämtliche Glocken genommen: Im Kirchturm waren sechs und auf dem Rathaus zwei Glocken verloren gegangen, sodass "weder zur Versammlung, zum Gottesdienst, noch zur Convocation der Bürgerschaft ein Glöcklein" geläutet werden konnte.

Die Homberger entschlossen sich 1654 zur Selbsthilfe. Sie sammelten Geld für den Guss einer neuen Glocke. Aber der Glockengießer - einer aus der in Homberg um 1670 nachweisbaren Glockengießerfamilie Ulrich - wollte sich mit Geld allein nicht zufrieden geben.

Wie zu allen Zeiten nach schweren Kriegsjahren fehlte es an Material. So sammelten die Homberger nicht nur Geld, sondern auch Glockenspeis, also Bronze. Ihr Appell an die Opferfreudigkeit muss wohl von Erfolg gekrönt gewesen sein, denn in der Tat begann der Glockengießer seine Arbeit. Es stellte sich aber heraus, dass die abgelieferte Glockenspeis nicht ausreichte. Der Glockengießer verlangte noch mehr. Weil die Bürger in der Eile kein weiteres Metall herbeischaffen konnten, erinnerten sie sich daran, "dass bei der Einäscherung des Schlosses 1636 ein Glöcklein von etwa einem halben Zentner in der Mauer hängen blieb".

Diese Burgglocke war damals aus den zerstörten Mauern geborgen und später der Freiheiter Kirche zur Verfügung gestellt worden. Jetzt holte man nun zu Gottes Ehren die Glocke aus dem Turm der Freiheiter Kirche und händigte sie dem Glockengießer aus. So kam die Stadt Homberg 1656 wieder zu ihrer ersten Glocke. Aber mit dieser Glocke zog nicht Freude in die Stadt ein, denn zugleich geschah etwas sehr unangenehmes: Der Amtmann der landgräflich-hessischen Festung Ziegenhain schrieb an den Rat der Stadt Homberg, man möge ihm die geliehene Burgglocke wieder zurückerstatten.

Guter Rat war teuer, denn die Stadtväter hatten die landgräfliche Leihgabe als ihr Eigentum betrachtet und als Glockenspeise einschmelzen lassen. Bürgermeister und Rat mussten dem Amtmann ihre Verfehlung bekennen.

So erfuhr auch der Landgraf von dieser Angelegenheit und bat seinen Homberger Amtmann, ihn darüber auf zuklären. Der tat es auch umgehend und antwortete, er habe nicht die Erlaubnis zum Einschmelzen gegeben, überhaupt habe er nichts davon gewusst. Es habe, so schildert er dann, mit der Glocke folgende Bewandtnis: "Sie sei bei der Beschießung des Schlosses beschädigt worden und mit der noch vorhandenen Munition nach Ziegenhain gekommen. Dort sei sie aber von dem Oberst Ungefug der Stadt Homberg geliehen worden. Nun hätten Bürgermeister und Rat, weil es an Speise für die neue Glocke gemangelt, sie einschmelzen lassen." Sie wollen sich damit entschuldigen, "dass es notwendig gewesen... und sie nicht Zeit gehabt, darum erst nachzusuchen...".

Der Landgraf war gnädig. Er schrieb im März 1656 an den Homberger Rentmeister, die Homberger hätten sich die Glocke eigenmächtig angeeignet, obwohl sie nur von Ungefug geliehen worden wäre. Er forderte den Rentmeister auf, den Hombergern sein Missfallen auszudrücken und ihnen einen Verweis zu erteilen. Jetzt aber wolle er ihnen die Glocke schenken.

siehe auch

Weblinks und Quellen