Holzmarkt

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Der blaue Bock vom Bäcker

Der Holzmarkt ist der verschwundene Marktplatz der Unterneustadt

Vergessen Sie Heinz Schenk und seine Äppelwoi-Bembel: Der blaue Bock ist ein Kasseler. Und er lebte Anfang des 20. Jahrhunderts am Holzmarkt in der Unterneustadt. Nach einer überlieferten Begebenheit hatte dort ein Bäckermeister namens Riemann seinen Kindern - einer damaligen Mode folgend - einen Ziegenbock mit Geschirr für ein Ziegenwägelchen geschenkt. Das neugierige Tier fiel aber schon bald in den Farbbottich des benachbarten Malermeisters Jakob, wurde blau gefärbt wieder herausgezogen und war fortan das Wahrzeichen des Holzmarktes. Jedenfalls so lange, bis Bäcker Riemann das Gespött der Nachbarn satt hatte und den blauen Bock zur Schlachtbank führen ließ.

Der heutige Holzmarkt ist der verschwundene Marktplatz der alten Unterneustadt. Sie entstand seit 1283 nach einem festen Plan als landgräfliche Gründung mit Rat und Siegel und als erste Erweiterung des ältesten Kassels. Im Zentrum stand die Pfarrkirche Maria-Magdalena. Um den Kirchhof gruppierten sich an zwei Seiten Privathäuser, West- und Nordseite waren von einer Mauer mit einem Tor gegenüber dem damals eigenen Unterneustädter Rathaus umgeben. Hier blühten Handel und Handwerk. Am Holzmarkt 3 eröffnete der Arbeiter-Samariter-Bund Kassel 1913 seine Rettungswache. Es wurde sogar ein Fernsprechanschluß installiert; für damalige Verhältnisse eine absolute Besonderheit. Nur schmale Gassen mündeten in den von allen Seiten geschlossenen und vom Verkehr der alten Fuldabrücke unberührten Platz. Noch.

Denn die mit den Jahren marode Brücke wurde im 18. Jahrhundert durch eine neue Fuldabrücke vom Altmarkt zum Holzmarkt ersetzt. Und um den Zugang zu dieser Wilhelmsbrücke zu schaffen, mussten auf beiden Ufern Häuser weichen. Damals galt es, die Front des Platzes nach Osten zu durchbrechen, um so eine Verbindung zum heutigen Unterneustädter Kirchplatz und eine glatte Zufahrt zum Leipziger Tor zu schaffen.

Auf der Altmarktseite waren ausschließlich Privathäuser betroffen. Am Holzmarkt fiel 1795 nach dem Rathaus auch die Magdalenenkirche der neuen Zeit zum Opfer. Jene Kirche also, vor deren Altar einst die gemeinsame Kerze der Fuldafischer brannte. Und in der das früher am Holzmarkt übliche Fuldahochwasser im Jahr 1342 über den Hochaltar floss und bis zur Kanzel schwappte und anno 1643 das Kirchengestühl und die Gebeine aus den Grüften durch die heiligen Hallen wirbelte.