Holon (Israel)

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Seit dem Jahr 1988 unterhält die Stadt Hann. Münden eine Städtepartnerschaft mit Holon, der viertgrößten Stadt in Israel, südlich von Tel Aviv.

Holon und Hann. Münden feierten in Israel 20 Jahre Partnerschaft

Rosen unter Freunden

Freundschaft erneuert: Die Bürgermeister Burhenne (links) und Sasson unterzeichneten erneut die Partnerschaftsurkunde.

Hann. Münden/ Holon. Eine starke Beziehung haben Hann. Münden und Holon, sagte Moti Sasson, Bürgermeister von Holon, als in seiner Stadt in Israel das 20-jährige Bestehen dieser Freundschaft gefeiert wurde. Eine starke Delegation aus Hann. Münden nahm an der Feier teil, mittendrin Rosenelfe Anna Berger, die Blumen an die Damen verteilte.


„Viele haben sich damals gefragt, wie sich Menschen begegnen sollen, deren Schicksale so unheilvoll miteinander verstrickt sind. Doch die Hoffnung, mit der unsere Städtepartnerschaft angebahnt wurde, hat nicht getrogen.“

Bürgermeister Klaus Burhenne


Er freue sich besonders, zwei Holoner Ehrenbürger begrüßen zu dürfen, so Sasson weiter: Christian Dupuy, Bürgermeister von Suresnes, und Mündens Altbürgermeister Armin Hoffahrt. Auch Bürgermeister Klaus Burhenne drückte er seine Wertschätzung aus. Dieser wiederum brachte ein Geschenk mit: 825 Jahre Stadtgeschichte in einem kleinen Kästchen kündigte Burhenne an und zog den Ring der Stadt hervor.

Vor 100 geladenen Gästen und in feierlichem Rahmen unterzeichneten die amtierenden Bürgermeister die Partnerschaftsurkunde erneut, berichtet Frank Stryga, Vorsitzender des Vereins für Städtepartnerschaften. Dupuy, der bereits vor 20 Jahren in Mündens französischer Partnerstadt Suresnes in Amt und Würden war, freute sich, dass sich diese deutsch-israelische Freundschaft so gut entwickelt hat - schließlich stand er damals Pate. Burhenne beschrieb es so: „Als wir im Jahre 1988 unsere Partnerschaft aufnahmen, betraten wir Neuland. Wir hatten kein Muster, an dem wir uns orientieren konnten, wir brauchten viel Sensibilität und auf beiden Seiten viel Mut. Viele haben sich damals gefragt, wie sich Menschen begegnen sollen, deren Schicksale so unheilvoll miteinander verstrickt sind. Doch die Hoffnung, mit der unsere Städtepartnerschaft angebahnt wurde, hat nicht getrogen. Die Menschen vermochten es, die richtigen Worte und die richtigen Gesten zu finden.“ Ein ganzes Netzwerk informeller Kontakte sei seither entstanden. Wenn er heute nach Holon komme, dann habe er das Gefühl, gute alte Bekannte zu treffen. Das geht seinem Amtskollegen genauso: Er habe inzwischen Freunde in Hann. Münden gefunden, sagte Moti Sasson. (tns)


Blumengrüße: Die Mündener Rosenelfe Anna Berger verteilte beim Festakt Rosen. Lev Pinchasov (links), Stadtratsabgeordneter der Chass Partei, die mit den Sozialdemokraten Holon regiert, freute sich besonders über ihren Besuch, denn die Rosenfee und ihre Elfen waren ihm in guter Erinnerung - hier mit Bürgermeister Klaus Burhenne und (rechts) Frank Stryga, Vorsitzender des Vereins für Städtepartnerschaften und internationale Begegnungen.



Mitten in der Geschichte

Partnerschaft wird in Holon gefeiert - Tourismus und Historie gehen Hand in Hand, um einander besser zu verstehen

Hann. Münden/ Holon. Eine internationale Reisegruppe vor dem Hintergrund der Stadt Jerusalem: Sie kommen aus Deutschland, Frankreich, Amerika, Polen und Israel (großes Foto) und sind nicht zufällig zusammengewürfelt. Die Gastgeber aus Holon sind mit ihren Freunden aus den Partnerstädten Hann. Münden, Chelmno, Suresnes, Berlin-Mitte (Wedding) und Dayton (Ohio) unterwegs. Ein touristisches Programm und die bewegte Geschichte Israels gehen immer Hand in Hand, berichtet Frank Stryga, Vorsitzender des Vereins für Städtepartnerschaften und internationale Begegnungen Hann. Münden. Er und eine Delegation aus der Dreiflüssestadt sind gerade in Israel zu Besuch.

Beim Festakt 60 Jahre Israel wurde vorige Woche nicht nur auch der Jahrestag der Stadt Holon gefeiert, sondern auch 20 Jahre Partnerschaft Holon-Hann. Münden.

Um die internationalen Freundschaften zu unterstreichen, wurde eine besondere Ausstellung eröffnet: Schüler aus den Partnerstädten haben per E-Mail Zeichnungen und Karikaturen geschickt, die, großformatig ausgedruckt, jetzt in der neuen Mediathek von Holon zu sehen sind. Auch Arbeiten von Mündener Schülern sind dabei. Moti Sasson, Holons Bürgermeister, betonte zur Eröffnung, wie wichtig der Jugendaustausch für lebendige Städtepartnerschaften sei. Eine Ausstellung wie diese vermittele Einblicke in die anderen Kulturen und trage dazu bei, mehr voneinander zu erfahren.

Einen Tag nach der fröhlichen Ausstellungseröffnung wartete ein Programmpunkt auf die Gäste, der nachdenklich stimmte: Sie reisten nach Jerusalem, um Yad Vashem, die Gedenkstätte, die an den Holocaust erinnert, zu besuchen. „Jedes Mal, wenn wir nach Holon fahren, gehen wir auch zur Gedenkstätte, um einen Kranz für die ehemalige jüdische Gemeinde Hann. Münden niederzulegen, sagt Frank Stryga. Doch ganz egal, ob man schon mehrmals dort war oder zum ersten Mal kommt: Vor den in Stein gemeißelten Namen jüdischer Gemeinden zu stehen, sei immer wieder sehr bewegend. In der Gedenkstätte gebe es eine riesige Dokumentation mit Multimedia-Angebot und vielen Originaldokumenten. Einen Großteil des Tages hielten sich die Israel-Reisenden dort auf. (tns)


80 Kulturen Seite an Seite

Partner auf einen Blick: Am Ortseingang von Holon, von Tel Aviv her kommend, sind das eigene und die Wappen der Partnerstädte aufgereiht. Von links: Hann. Münden, Suresnes, Holon, Dayton (Ohio) und Berlin Mitte (früher Wedding).

Politik, Religion und Privates sind in Holon eng miteinander verknüpft

Hann. Münden/ Holon. „Was da alles auf einen einstürmt, ist einfach überwältigend.“ Frank Stryga, Vorsitzender des Vereins für Städtepartnerschaften und internationale Begegnungen in Hann. Münden, erinnert sich an seinen ersten Besuch in Holon. Menschen aus 80 Nationen und beinahe ebenso vielen verschiedenen Kulturen leben dort Seite an Seite - ein unglaublicher Schmelztiegel. Die Gegend ist politischer und religiöser Brennpunkt, Orte, die man nur aus der Bibel kennt, sind plötzlich zum Greifen nah - „das sind so viele Eindrücke auf einmal, die kann man kaum verarbeiten.“

Das Israel-Bild in der deutschen Öffentlichkeit sei geprägt von Krieg und Terror-Anschlägen. Im Alltag dort aber habe er sich sicherer gefühlt als in Ägypten, sagt Stryga. Klar: Vor jedem Einkaufszentrum und vor jeden Restaurant würden erstmal die Taschen kontrolliert. „Aber daran gewöhnt man sich schnell, es dient ja der eigenen Sicherheit.“

Und natürlich ist der Partnerschaftsverein besonders vorsichtig, wenn er mit einer Delegation dort zu Gast ist. Weil es zum Beispiel in Tel Aviv Bus-Attentate gab, fahren die Mündener Jugendlichen nur noch mit privaten Taxen.


„Das sind so viele Eindrücke auf einmal, die kann man kaum verarbeiten.“

Frank Stryga

Nach Jerusalem geht es nur dann, wenn die Sicherheitslage es zulässt. Interessant sei, wie die jeweilige Lage Einfluss habe auf die politische Einstellung der Familien. Sie alle sind von jeder Entscheidung direkt und essenziell betroffen. Jeder israelische Junge muss drei Jahre zum Militär, jedes Mädchen zwei Jahre. Diese Wehrpflicht bedeute auch immer eine tatsächliche, persönliche Bedrohung. „Da war eine Mutter, die kaum noch schlief, weil sie ständig Nachrichten sah, um zu wissen, wo der nächste Terroranschlag ist“, erzählt Stryga. Die Sorge um ihren Sohn machte die Frau krank. Erst nach dem Ende seiner Militärzeit beruhigte sie sich wieder.

Trotz aller Konflikte aber beeindruckten die Israelis ihn mit ihrem großen Lebensmut. Lieder, Tänze, Feste - sie zeugten von einer ungeheuren Fröhlichkeit, die man so nicht erwarten würde. Und die Menschen seien sehr gastfreundlich. Als Frank Stryga jüngst ankündigte, mit einer 25-köpfigen Reisegruppe zu den Feiern in diesem Monat zu kommen, wurde das sofort akzeptiert - aus den anderen Partnergemeinden kommen nur kleine offizielle Abordnungen. (tns)


Aus dem Land der Kinder

Wahre Geschichten von Menschen in Israel hat Igal Avidan in seinem Buch gesammelt

Von Bettina Sangerhausen

Kultur und Partnerschaft: Der aus Holon stammende Journalist Igal Avidan (Mitte) mit Franz von Luckwald (links) und Frank Stryga. Der Mündener Kulturring und der Verein für Städtepartnerschaften und internationale Begegnungen hatten die Lesung gemeinsam veranstaltet. Foto: Sangerhausen

Was kann man über Israel noch Neues erzählen? Wer interessiert sich überhaupt für dieses Land, das in der deutschen Öffentlichkeit überwiegend als Krisenregion vorkommt? Durchaus skeptisch sei er gewesen, sagt Igal Avidan, als ein Freund ihm vorschlug, nach all seinen journalistischen Texten es doch einmal mit einem Buch zu versuchen.


Daten gut verpackt

Doch das Interesse war größer als gedacht, ein Verlag rasch gefunden – und diese Woche stellte der israelische Autor sein Erstlingswerk im Mündener Welfenschloss vor. Ein Geschichtsbuch hatte es nicht werden sollen, „davon gibt es schon genug“. Stattdessen schrieb Avidan ein Buch über Menschen. Etwa 80 Interviews sind in die Texte eingeflossen, erzählt er. Sie werden lebendig durch echte Menschen und ihre wahren Geschichten, von denen er einige kleine Ausschnitte dem Mündener Publikum präsentierte. So hat der Autor die vielen Daten und Fakten, die er wie nebenbei in seinem Buch mitliefert, geschickt verpackt.

So erzählt er, wie zwei junge Filmemacher am Unabhängigkeitstag die im Park feiernden und grillenden Israelis mit einem Tabu konfrontieren: den palästinensischen Flüchtlingen. Die Filmleute, als Palästinenser verkleidet, gehen von Familie zu Familie und fordern die Israelis zu einer Gedenkminute auf und filmen die höchst unterschiedlichen Reaktionen. Das hebräische Wort für das in Israel beliebte Grillen, Mangal, stamme übrigens aus dem Arabischen, bemerkt Avidan dazu. Das störe keinen, doch die größte Angst der Israelis sei, dass die Araber zurückkommen. Allerlei Umfragen kursierten, aber noch mehr Unwissenheit.

Umfragen, so der Autor, seien überhaupt sehr beliebt in Israel und führten manchmal zu unerwarteten Ergebnissen: So wollte die Hundezüchter wissen, welche Hunderasse denn wohl den israelischen Staat am besten repräsentieren würde. Das Ergebnis: Der deutsche Schäferhund.

Israel, sagt er, nenne sich gern selbst „das Land der Kinder“. Es sei extrem kinderfreundlich, die Israelis geradezu verrückt auf Kinder. Vielleicht, so vermutet er, müsse man bei all dem Krieg und Tod einen Gegenpol setzen. Das treibt zum Teil kuriose Blüten, wie jenen Verein, der eine Art Erzeugerbörse eingerichtet hat, wo Menschen, die keinen Partner suchen, jedoch jemanden finden können, der mit ihnen ein Kind in die Welt setzt. Künstliche Befruchtung gibt’s auf Krankenschein.


Das Politische im Privaten

Und dann ist da noch das arabische Ehepaar, das mit seinen Kindern in ein Dorf umziehen möchte, das nur zehn Autominuten vom alten Wohnort entfernt liegt. Der Umzug dauerte zehn Jahre und schrieb Geschichte: Die Araber hatten sich ein jüdisches Dorf ausgesucht. Dort wollte man sie nicht rein lassen. Als die Erlaubnis endlich kam, hatte die Familie gerade ihr altes Haus renoviert. Und kein Geld mehr für den Umzug.

Die besondere Situation des Landes, dessen Grenzen international nicht anerkannt sind und dessen Bevölkerung sich aus scheinbar unvereinbaren Gruppen zusammensetzt, zieht sich natürlich als roter Faden durch das gesamte Buch. Das Private lässt sich in diesem Land vom Politischen kaum trennen.