Hofgeismar - Neustädter Kirche

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Neustädter Kirche - Hofgeismar
Hofgeismar-Neustädter Kirche.JPG
Informationen
Grundsteinlegung: 22. Mai 1341
Ev. Kirchenkreis: Hofgeismar
Anschrift: Elisabethstr. 9
34369 Hofgeismar
Tel. 05671 – 2636
Internet: Hofgeismar-Neustadt

Die Neustädter Kirche in Hofgeismar ist ein ehemals katholische Gotteshaus und seit der Reformation die Kirche der protestantischen Gemeinde in der Hofgeismarer "Neustadt".

Bauwerk und Geschichte

Mit dem Bau der Kirche wurde am 22. Mai 1341 (Datum der Grundsteinlegung) begonnen, wobei zunächst der Westturm der Kirche errichtet wurde.

Erst im Jahre 1414 wurde mit dem höher gelegenen Chorraum begonnen. Im Jahre 1421 wurde zusätzlich eine kleine Kapelle angebaut, die zunächst als Bibliothek genutzt wurde. Nach ihrer Errichtung wurde die ehemals katholische Kirche der "Heiligen Jungfrau Maria“ geweiht.

Von der spätromanischen Vorgängerkirche ist noch ein Bogenpfeiler vorhanden.

Der massive Westturm der Kirche mit 1,50 m starken Quadermauern erhielt im Jahre 1460 ein Turmobergeschoss. Den Turm ziert heute eine barocke Zwiebelhaube aus dem 18. Jahrhundert.

Die ursprünglich vorhandenen Seitenaltäre wurden nach der Reformation aus der Kirche entfernt.

Bereits unter Landgraf Philipp I. dem Großmütigen wurde die Landgrafschaft Hessen 1526 in Folge der Homberger Synode protestantisch. Hessen gehörte neben Sachsen und Württemberg zu den mächtigen Vorkämpfern der Reformation im Deutschen Reich.

Ab dem Jahre 1686 wurden in der Neustädter Kirche sowohl Gottesdienste der deutsch-reformierten Gemeinde als auch der französisch-reformierten Christen abgehalten. Landgraf Carl von Hessen siedelte in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts auch in der Stadt Hofgeismar französische Glaubensflüchtlinge (Hugenotten) an, die nach dem Edikt von Fontainebleau und der Aufhebung der Religionsfreiheit in Frankreich im Jahre 1685 ihre Heimat verloren hatten. Ebenso fanden hier Waldenser Flüchtlinge eine neue Heimat, die 1698 auf Befehl Ludwig XIV. vertrieben worden waren.

Kirchenschiff

In Hofgeismar wurde am 22. Februar 1686 eine französisch-reformierten Gemeinde gegründet.

Der erste Pfarrer der französischen Gemeinde, David Clément starb am 29. Januar 1725 in Hofgeismar. Er wurde in der Neustädter Kirche beerdigt.

Schon vor der Aufhebung des Ediktes von Nantes (1685) entzog sich David Clément der einsetzenden Unterdrückung und Verfolgung von Protestanten in seinem Heimatland durch Flucht in die Schweiz.

Von hier kam er im Jahre 1685 - über Heidelberg und Frankfurt am Main - mit insgesamt 265 Glaubensflüchtlingen nach Hessen-Kassel und wurde Pfarrer der neuen französisch-reformierten Gemeinde in Hofgeismar.

An ihn erinnern eine Gedenktafel an der Neustädter Kirche und eine Statue in der Nähe der Kirche, die von der Künstlerin Karin Bohrmann-Roth geschaffen wurde.

Weit mehr als zwei Jahrhunderte später stand wieder ein Pfarrer der Gemeinde im Blickpunkt: nach 38 Jahren Dienst in seiner ersten und einzigen Pfarrstelle - der Neustadt in Hofgeismar - wurde Pfarrer Jürgen Graul nach Erreichen des 65. Lebensjahres am 12.2.2012 mit einem Festgottesdienst in den Ruhestand verabschiedet, zugleich als dienstältester Pfarrer in der evangelischen Landeskirche von Kurhessen-Waldeck.

Galerie

Jubiläumsjahr 2014

Im Jahr 2014 feiert die Kirchengemeinde das Jubiläum "600 Jahre Hoher Chor der Neustädter Kirche Hofgeismar" mit Vorträgen, Konzerten oder "Orgelmusik zum Abendläuten" von der Euler-Orgel.

Literatur

Blick zur Orgel
Wehrturm und Statue von David Clément (vorne links)
  • Kreis Hofgeismar, Handbuch des Heimatbundes für Kurhessen, Waldeck und Oberhessen III. Marburg 1966, S. 124 ff.
  • Jochen Desel, Die Neustädter Kirche in Hofgeismar. Melsungen 1986, ISBN 3-87280-038-8
  • Jochen Desel, Hugenottenkirchen in Hessen-Kassel. Bad Karlshafen 1992, S. 38 ff.

Stadtkirchengemeinde Hofgeismar

"Der Graben ist überwunden", hieß es in einem Artikel der Hofgeismarer Allgemeine zu einem symbolischen Brückenschlag. Im wahrsten Sinne des Wortes schritten Mitglieder der ehemals eigenständigen Kirchengemeinden aus der Hofgeismarer Neu- und Altstadt am Sonntag, 24. Januar 2010 gemeinsam über eine behelfsmäßig aufgebaute Brücke auf dem Töpfermarkt im Bereich des Grabens und vollzogen für jeden sichtbar den Zusammenschluss beider Kirchengemeinden zur evangelischen Stadtkirchengemeinde Hofgeismar.

Dekan Wolfgang Heinicke ging in Anwesenheit der Pfarrer Anne Vilmar und Jürgen Graul in seiner Ansprache auf die historische Bedeutung des Grabens ein, der die Hofgeismarer Stadtteile schon immer getrennt, aber auch vereint habe.

siehe auch

Weblinks