Friedrich-Wilhelms-Nordbahn

Aus Regiowiki
(Weitergeleitet von Hessische Nordbahn)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Die erste "einheimische" Lokomotive der Firma Henschel ("Drache") nahm im Jahre 1848 auf der "Nordbahn" ihren Dienst auf.

Die Friedrich-Wilhelms-Nordbahn war die erste kurhessische Eisenbahn (nach der preussischen Annexion 1866: Hessische Nordbahn).

Eisenbahnstrecke

Die Nordbahn führte von Kassel über Bebra bis kurz vor Gerstungen mit Anschluss an die Thüringische Eisenbahn.

Nach Norden war die Verbindung zwischen der Hauptstadt Kassel und dem Weserhafen in Karlshafen (Carlsbahn genannt) von besonderer Bedeutung, so dass diese Strecke mit Vorrang fertig gestellt wurde. Von Kassel führte die Eisenbahnstrecke über Hofgeismar und Hümme bis nach Karlshafen. In Hümme bog aber auch eine weitere Streckenverbindung ab, die bis zum Anschluss an die königlich-westfälische Eisenbahn bei Warburg führte.

Die erste "einheimische" Lokomotive der Firma Henschel ("Drache") nahm im Jahre 1848 auf der "Nordbahn" ihren Dienst auf.

Geschichte

Bahnhof Bebra 1914/1915
Bahnhof Carlshafen (linkes Ufer) im Jahre 1877
Bahnhof Guntershausen
Foto: Günther Pöpperl
Bahnhof Hofgeismar
Bahnhof Hümme
Der alte Hauptbahnhof in Kassel
Das historische Bahnhofsgebäude in Northeim

In ihrer Gesamtheit entstand die „Friedrich-Wilhelms Nordbahn“ ab 1844. An der Finanzierung waren u. a. die Bankhäuser Gebr. Bethmann in Frankfurt am Main und Bernus du Fay in Hanau beteiligt.

Ziel war die Kombination mehrerer Streckenprojekte, wobei das wichtigste Projekt die Verbindung von Berlin nach Kassel (durch Thüringen) und weiter zur westfälischen Grenze bei Haueda in Richtung Warburg war.

Nach der Annexion Kurhessens durch Preußen im Jahre 1866 in Folge des Preußisch-Österreichischen Kriegs wurde die Eisenbahnstredcke in Hessische Nordbahn umbenannt. Der Streckenverlauf über Bebra und Fulda wurde dann - nicht zuletzt aufgrund schwieriger Topografie - in preußischer Zeit fertig gestellt.

Entwicklungsgeschichte

Die ursürünglich KFWNB (Kurfürst Friedrich-Wilhelm-Nordbahn-Gesellschaft) wurde

  • am 27.12.1866 umbenannt in "Hessische-Nordbahn-Gesellschaft"
  • ging am 17.04.1868 in den Besitz der Bergisch-Märkischen-Eisenbahn-Gesellschaft über
  • und wurde am 1.1.1882 verstaatlicht: seither: Preußische-Staatseisenbahnen.

In der folgenden Übersicht wurden die Eröffnungsdaten zu ausgewählten Strecken zusammengestellt:

(Quelle: Handbuch der deutschen Eisenbahnstrecken, Deutsche Reichsbahn 1935)

Erste Lokomotiven

Die ersten Lokomotiven auf der Strecke ("Hirsch" und "Sababurg") wurden von einer amerikanischen Firma (Firma Norris in Philadelphia) bezogen, bevor die erste einheimische Lokomotive ("Drache" zum Preis von 15.686 Talern) der Kasseler Maschinenbaufirma Henschel im Jahre 1848 auf der "Nordbahn" ihren Dienst aufnahm.

Georg Alexander Carl Henschel nahm im Jahre 1840 den Bau schwerer Werkzeugmaschinen und schließlich den Lokomotivbau auf. Die Nummer 1, der "Drache" für die Friedrich-Wilhelms-Nordbahn verließ im Juli 1848 die Henschelsche Fabrik.

Erster Streckenabschnitt

Der erste in Kurhessen eröffnete Abschnitt der Eisenbahnlinie war die Strecke GrebensteinHümmeKarlshafen, während der Regierungszeit von Kurfürst Friedrich Wilhelm I..

Nachdem sich der von Landgraf Karl von Hessen-Kassel gut 100 Jahre früher geplante Bau einer Wasserstraße von Kassel nach Karlshafen (Landgraf-Carl-Kanal) nicht realisieren ließ, wurde mit der Eisenbahnlinie auch eine Güterverbindung von Kassel bis nach Karlshafen geschaffen.

Die im Jahre 1848 eröffnete Teilstrecke der Friedrich-Wilhelms-Nordbahn führte von Kassel bis zum Hofgeismarer Stadtteil Hümme. Von dort verlief eine weitere Teilstrecke, die Carlsbahn bis nach Karlshafen, wobei der Streckenverlauf der Carlsbahn fast genau dem Verlauf des Landgraf-Carl-Kanals folgte.

Eisenbahnbrücke Guntershausen

Ebenfalls in der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde in Guntershausen - heute ein Stadtteil von Baunatal - eines der ersten Eisenbahnviadukte Deutschlands (über die Fulda) gebaut.

Hier wurden die Strecke der Main-Weser-Bahn von Frankfurt nach Kassel und die Strecke der Friedrich-Wilhelms-Nordbahn von Bebra nach Kassel zusammengeführt. Dadurch entstand in Guntershausen ein Eisenbahnknotenpunkt.

Im Zweiten Weltkrieg wurden 1945 die sieben mittleren Bögen des Einbahnviadukts zerstört. Erst 1952 wurde die Brücke in der heutigen Form wieder hergestellt.

Historische Bahnhöfe

Bahnhof Guntershausen

Der historische Bahnhof Guntershausen aus dem Jahre 1855 war ehemals mit einem kurfürstlichen Wartezimmer, einem Restaurant, einem Karten- und Gepäckräumen sowie Wohn- und Werkstätten ausgestattet. Als Repräsentations- und Funktionsbau diente er damit insbesondere den Gästen und weniger den Guntershäuser Bürgern.

Bahnhof Grebenstein

Am Samstag vor 160 Jahren wurde die Bahnstrecke durch Grebenstein eingeweiht. Mit einer Stadtführung und dem Enthüllen einer Gedenktafel wird dieses Jubiläum begangen.

aus: HNA-online vom 6.11.2008

Schon seit Jahrzehnten beschäftigt sich Grebensteins Museumsleiter Wolfgang Tölle mit der Geschichte der Friedrich-Wilhelm-Nordbahn. Kein Wunder also, dass er zu diesem Jubiläum eine besondere Aktion plant. Am Alten Bahnhof (Geschäftshaus Schwarzingen/Kreuch, früher Rewe-Markt) soll eine Gedenktafel enthüllt werden. Dort stand einst der Bahnhof, der zusammen mit der Strecke am Samstag vor 160 Jahren eingeweiht wurde.

Bis dahin klaffte etwa ein halbes Jahr eine Lücke im Schienennetz zwischen Kassel und Karlshafen. Per Bus wurden die Reisenden vom einen Endpunkt südlich der Stadt zum anderen am nordwestlichen Stadtrand gebracht.

In Grebenstein war die Bahn an sich zwar willkommen, die Streckenführung aber höchst umstritten. Und die Einwohner sollten Recht behalten. 27 Jahre nach der Einweihung gab es einen folgenschweren Unfall. Ein Zug war zu schnell, stürzte die Böschung hinab. Ein Toter war zu beklagen. Die Bahnlinie wurde darauf hin geändert, was blieb, ist der Bahndamm, der noch heute zu sehen ist.

Zum Großteil nicht mehr erhalten sind die Überführungen, die einst gebaut werden mussten, um die Bahnstrecke bauen zu können. Fünf große Viadukte und sieben kleinere Brücken waren dazu nötig. Heute sind davon noch ein Viadukt über die Esse (Nähe alter Rewe-Markt) und fünf kleinere Brücken vorhanden. Wenn es nach Tölle geht, sollte zumindest ein Viadukt in der Unterstadt wieder errichtet werden, um den historischen Charakter optisch zu unterstreichen. Bei der Stadtführung unter dem Motto "Die Eisenbahn in Grebenstein" wird er am Samstag seine Vorstellungen darlegen. Zugleich wird er mit Anekdoten für Unterhaltung sorgen.

Die Enthüllung der Tafel, zu der auch Landrat Dr. Schlitzberger kommen wird, ist für 14 Uhr vorgesehen, Anschließend findet die etwa einstündige Führung statt. Tölle: Ich hoffe, es kommen viele Grebensteiner." (mrß)

Bahnhöfe Hofgeismar und Hümme

Auch im Bereich der Garnisonsstadt Hofgeismar entstand 1848 ein Empfangsgebäude für die neue Eisenbahnlinie, der Bahnhof Hofgeismar, ein weiterer Bahnhof entstand im heutigen Hofgeismarer Stadtteil Hümme.

Von dort führte die Carlsbahn in nördlicher Richtung weiter nach Karlshafen. Eine weitere (Haupt-)Strecke verlief westlich in Richtung Warburg zur Königlich-Westfälischen Eisenbahn.

Literatur

  • Friedrich-Wilhelms-Nordbahn - Aus ihren Frühtagen, Deutsche Eisenbahn-Reklame Kassel, 1974
  • Gerhard Seib - 125 Jahre Friedrich-Wilhelms-Nordbahn in: Hessische Heimat, 23. Jahrgang 1973, Heft 4

RegioTram

Heute verkehren auf der Strecke auf der Strecke von (Warburg/ Westf. über Hümme und Hofgeismar nach Kassel neben dem Regionalverkehr der Deutschen Bahn auch die Züge der Regiotram (RT 3).

Neben den herkömmlichen Straßenbahnen in Kassel (Trams) befahren besondere Regiotram-Fahrzeuge sowohl das Schienennetz der Deutschen Bahn als auch das Straßenbahnnetz, so dass für die Fahrgäste ein Umsteigen entfällt.

Ab dem 10. Juni 2001 fand auf der Strecke WarburgKassel Hbf ein Vorlaufbetrieb statt, bevor der Verkehr im Mai 2005 auf der Strecke KasselHofgeismarWarburg aufgenommen wurde.

siehe auch

In Hümme: ehemaliger Abzweig der Carlsbahn.

Weblinks und Informationen