Hessische Nachrichten

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Die Hessischen Nachrichten (HN) sind am 26. September 1945 als sechste deutsche Zeitung in der amerikanischen Besatzungszone im ehemaligen Gebäude der Kasseler Post am Brüder-Grimm-Platz erschienen.

Am 26. September konnten die Kasseler für 20 Reichspfennig zum ersten Mal die "Hessischen Nachrichten" erwerben. Unter der Überschrift "An unsere Leser" schreiben die Lizenznehmer Wolfgang Bartels, Fritz Schmidt, August H. Berning, Gustav Römer und Dr. Wolfgang Poeschl, daß die Redaktion "den Willen aller antifaschistischen Richtungen Kurhessens zu gemeinsamer Arbeit" widerspiegele. Die HN sieht sich als Pfeiler der Demokratie und widmet einen großen Teil ihrer Ausgaben Berichten über die Greuel des Naziregimes und der Notwendigkeit eines demokratischen Staatswesens.

Lizenz seit 60 Jahren

Die neue Zeitung gab es anfangs nur an zwei Tagen in der Woche, mittwochs und samstags.

Am 29. November 1946 erfolgte dann die erste Ausgabe der Kasseler Zeitung.

Ab 1948 erschienen Hessische Nachrichten und Kasseler Zeitung täglich außer sonntags. 1953 wurde das neue Verlagshaus der Hessischen Nachrichten in der Friedrichsstraße bezogen.

1959 schlossen sich Hessische Nachrichten und Kasseler Zeitung zur Hessischen Allgemeinen (HA) zusammen.

1972 bezog der Verlag das von Werner Hasper entworfene Presse- und Druckzentrum in der Frankfurter Straße. 1974 wurde aus der HA die HNA (Hessische/Niedersächsische Allgemeine).

Wiedergeburt der freien Presse

Am 26.9.1945 erschien die erste Ausgabe der „Hessischen Nachrichten“ - Vorgängerin der HNA.

Wieder eine eigene deutsche Zeitung! Nachdem die siegreichen Alliierten mit der Übernahme der Regierungsgewalt nach Ende des Zweiten Weltkrieges die Zeitungen verboten hatten, die während der nationalsozialistischen Herrschaft erschienen waren, dauerte es einige Monate, bis wieder deutsche Zeitungen erscheinen durften. In der Zwischenzeit hatte es lediglich Blätter der Besatzungsmächte gegeben.

Die erste Ausgabe der „Hessischen Nachrichten“ (HN), der Vorgängerin der HNA, erschien 1945. Auf Seite zwei der sechsseitigen Ausgabe war ein Grußwort des Kommandanten der Militärregierung für Kurhessen, Oberstleutnant Arthur Skarry, zu lesen. Er wünschte Glück zum Erscheinen der Zeitung. Das war freundlich gemeint, täuschte aber darüber hinweg, dass ohne seine ausdrückliche Genehmigung keine Zeile hätte gedruckt werden dürfen.

Um sicherzustellen, dass die wieder zugelassenen Zeitungen, später als „Lizenz-Presse“ beschimpft, sich an den demokratischen Prinzipien orientierten und nicht einseitig parteiisch wirkten, wurden die einzelnen Lizenzen an Vertreter unterschiedlicher Parteien unter Einschluss der Kommunisten vergeben. Die Leser-Ansprache der Lizenzträger Wolfgang Bartels, Fritz Schmidt, August Berning, Gustav Römer und des langjährigen Herausgebers und Chefredakteurs Dr. Wolfgang Pöschl in der ersten Ausgabe dokumentiert das: „Die Besetzung der Redaktion spiegelt den Willen aller antifaschistischen Richtungen Kurhessens zu gemeinsamer Arbeit wider. In Übereinstimmung mit den Zielen der werktätigen und freiheitlich gesinnten Bevölkerung zur baldmöglichen Überwindung des furchtbaren Erbes des verruchten Hitlerregimes sind wir gewillt ...“

Mit dem Wiedererscheinen war nicht automatisch die freie Presse wiederhergestellt. Anfangs war die Zeitung immer auch ein Verkündigungsorgan der Militärregierung. Die wirkliche Freiheit erlangte die Presse erst 1949, als auch die Blätter wie die „Kasseler Post“ wieder auf den Markt kommen durften, die wegen zu großer Nähe zu den Nationalsozialisten 1945 verboten worden waren.

Die „Hessischen Nachrichten“ nannten sich zwar Tageszeitung, aber anfangs erschien das Blatt nur zweimal in der Woche - Dienstag oder Mittwoch und Samstag. Hauptgrund war die Papierknappheit, unter der die Zeitungen bis 1948 leiden sollten. Erst im September 1946 konnte die Zeitung viermal in der Woche hergestellt werden. Zur echten Tageszeitung wurden die HN erst im Herbst 1948.

Mit der „Kasseler Zeitung“ kam Ende 1946 eine zweite Lizenz-Zeitung in Nordhessen auf den Markt. Als dann 1949 die „Kasseler Post“ wieder erscheinen durfte, konkurrierten für einige Zeit drei Tageszeitungen miteinander. Doch der Markt für das im Schatten der Zonengrenze liegende Gebiet war schwierig. So führte der Verleger Dr. Paul Dierichs, der 1956 aus Bochum gekommen war, bald die drei Zeitungen in einem Unternehmen zusammen. Allerdings erschienen die „Hessischen Nachrichten“, die nun „Hessische Allgemeine“ hießen, und die noch für „Kasseler Post“ zehn Jahre mit weit gehend gleichen redaktionellen Teilen parallel. Die Alleinstellung der „Hessischen Allgemeinen“ sah Dierichs als eine Verpflichtung zur Unparteilichkeit und Vielfalt der Meinungen. Er war der erste deutsche Verleger, der einen Ombudsmann verpflichtete, der die Interessen der Leser vertreten sollte. Unter Dierichs' Leitung stabilisierte sich die Zeitung in Nordhessen und weitete sich nach Südniedersachsen aus. 2002 wurden der Verlag und das Druckhaus von der Ippen-Gruppe übernommen, zu der schon vorher Verbindungen bestanden hatten.

siehe auch

Weblinks