Landgrafschaft Hessen-Rotenburg

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Die Landgrafschaft Hessen-Rotenburg (Rotenburger Quart) war ein teilsouveränes Fürstentum unter der reichsrechtlichen Oberhoheit von Hessen-Kassel, auf dem Gebiet des heutigen Bundeslandes Hessen, regiert von einer Nebenlinie des Hauses Hessen, der Linie Hessen-Rotenburg.

Die sogenannte Rotenburger Quart umfaßte neben der Residenz noch Stadt, Amt und Schloß Eschwege, Stadt und Amt Sontra, die Gerichte Bilstein und Germerode (beide bei Witzenhausen), Stadt und Amt Wanfried, das hessische Drittel von Treffurt, die Stadt Witzenhausen, Burg und Amt Ludwigstein und die Herrschaft Plesse (nördlich Göttingen) mit dem Amt Gleichen.

Geschichte

Im Jahre 1627 trat der Landgraf Moritz, auch unter dem Druck der Landstände (insbesondere der Ritterschaft) zurück und überließ seinem Sohn Wilhelm V. das hochverschuldete, innen- und außenpolitisch in Schieflage befindliche Land.

Zuvor sicherte er seiner zweiten Frau Juliane von Nassau-Dillenburg und ihren Kindern durch einen "Hausvertrag" ein Viertel des Landes, das sein Sohn und Nachfolger Wilhelm V. als sogenannte "Rotenburger Quart" abtreten musste, bevor das Territorium durch einen sogenannten Haupt-Akkord (Hauptvergleich) neu zu verteilen war. Um die standesgemäße Versorgung ihrer Kinder sicherzustellen, hatte Juliane die Übertragung von Einkünften und Besitzrechten an ihre Kinder betrieben und schließlich erreicht, dass Moritz ihren Söhne die Rotenburger Quart übertrug, deren Gesamtfläche etwa ein Viertel der Fläche Hessen-Kassels umfasste.

Von seinen Söhnen aus zweiter Ehe erhielt Hermann das Gebiet Rotenburg, Friedrich Eschwege und Ernst die ehemalige Grafschaft Katzenelnbogen mit Sitz auf der Burg Rheinfels.

Nach dem Tod seiner Brüder Friedrich im Jahre 1655 und Hermann im Jahre 1658 wurde Ernst I. Erbe von Hessen-Eschwege und Hessen-Rotenburg und nannte sich Ernst von Hessen-Rheinfels-Rotenburg.

Nach dem Tod von Ernst I. im Jahre 1693 wurde sein Sohn Wilhelm I. (der Ältere) von Hessen-Rotenburg Landgraf von Hessen-Rheinfels-Rotenburg, während sein zweiter Sohn Karl bereits 1667 die neue Nebenlinie Hessen-Wanfried gegründet hatte.

Wilhelm I. von Hessen-Rotenburg wurde also Landesherr in einer Hälfte der sog. Rotenburger Quart, während in dem anderen Teil (Hessen-Wanfried) sein Bruder regierte.

Wilhelm I. residierte in Rotenburg an der Fulda, hielt sich jedoch oft in Langenschwalbach im Taunus auf, wo er nach seinem Tod auch in der katholischen Kirche St. Elisabeth beigesetzt wurde. Seine Nachkommen stellten in direkter Linie die nachfolgenden Regenten in Hessen-Rotenburg.

Auf Wilhelm I. folgte sein Sohn Ernst II. Leopold als Regent, zu dessen Amtszeit das Jagdschloss Blumenstein (Wildeck) entstand. 1739 genehmigte Ernst II. Leopold eine jüdische Schule und einen Friedhof der jüdischen Gemeinde in Rotenburg.

Sein Sohn Konstantin vereinte sogar wieder die gesamte Quart in einer Hand. Unter Konstantin fiel 1755 Hessen-Wanfried (nach dem Tod von Landgraf Christian von Hessen-Wanfried) an die Linie Hessen-Rotenburg zurück. Die seit 1648 geteilte Rotenburger Quart war wieder in einer Hand vereint und blieb dies auch aufgrund der 1754 durchgesetzten Primogenitur.

Auf Konstantin folgte im Jahre 1778 sein Sohn Karl Emanuel sowie - als letzter Landgraf von Hessen-Rotenburg (ab 1812) dessen Sohn Victor Amadeus.

Nach dem Tod des letzten Landgrafen von Hessen-Rotenburg, Viktor Amadeus, im Jahr 1834 sollten laut Hausvertrag dessen Besitzungen an Hessen-Kassel zurück fallen. Einer nach dem Tod von Viktor Amadeus angegebene Schwangerschaft seiner Witwe folgte tatsächlich keine Geburt, so dass der Heimfall der Rotenburger Quart an Hessen-Kassel letztlich vollzogen wurde.

siehe auch