Herzogtum Braunschweig-Lüneburg

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Die Landfriedensordnung auf dem Hoftag zu Mainz unter Kaiser Friedrich II. beendete im Jahre 1235 jahrzehntelange Kämpfe zwischen Welfen und Staufern und der Enkel Heinrichs des Löwen, Otto I. (das Kind) erhielt den Allodialbesitz im Raum zwischen Lüneburg und Braunschweig als eigenständiges Herzogtum.


Das Herzogtum Braunschweig-Lüneburg erfuhr im Verlauf seiner Geschichte wiederholt Teilungen. Die erste Teilung geschah 1267, als die Söhne Herzog Ottos des Kindes, Albecht der Lange und Johann, das Herzogtum in einen nördlichen Lüneburger und einen südlichen Braunschweiger Teil aufspalteten. Die Teile wurden als Fürstentümer bezeichnet.

Zum Fürstentum Braunschweig gehörten auch Northeim, Göttingen und Münden mit dem Streubesitz in diesem Raum. Bereits von den Söhnen Albrechts des Langen, Otto der Wunderliche und Albrecht der Feiste, wurde 1291 aus dem Fürstentum Braunschweig das Fürstentum Grubenhagen ausgegliedert, das Otto erhielt. Es umfasste die Bereiche Osterode, Herzberg und Einbeck und bestand bis 1596. Es war während dieser Zeit das bei weitem kleinste welfische Fürstentum. Seinen Namen erhielt es von der sieben Kilometer südlich von Einbeck gelegenen Burg Grubenhagen, die im 17. Jahrhundert aufgegeben wurde und verfiel.

Das Grabmal Wilhelms des Jüngeren in der St. Blasiuskirche in Hann. Münden, das noch zu seinen Lebzeiten als Herzog geschaffen wurde.
Foto: v. Pezold

Die Erbfolgeregelung des welfischen Herzogshauses, die keine Erbfolge nach dem Erstgeburtsrecht vorsah, und die bis zum Ende des 15. Jahrhundert im großen und ganzen sehr erfolgreiche Erwerbspolitik der Welfen, insbesondere in Richtung auf die Weser, führten immer wieder zu neuen Aufgliederungen des Gesamtherzogtums und weiteren Teilungen, vor allem des Fürstentums Braunschweig. Nachdem Albrecht der Feiste 1318 gestorben war, regierten seine Söhne Otto der Milde, Magnus und Ernst das Fürstentum Braunschweig überwiegend von Wolfenbüttel aus zunächst gemeinsam. Nach Ottos Tode 1344 schritten die beiden anderen Brüder im folgenden Jahr zu einer neuerlichen Teilung, wodurch die Fürstentümer Braunschweig-Wolfenbüttel und Göttingen entstanden. Diese Teilung von 1345 wurde auf dem Schloss in Münden besiegelt.

Das Fürstentum Göttingen erhielt Ernst. Er regierte bis 1367. Ihm folgte sein Sohn Otto, der den Beinamen der Quade erhielt, was so viel bedeutet wie der Böse.

Tatsächlich war Otto der Quade wohl ein unerfreulicher Typ, der seinen fürstlichen Lebensinhalt in der Führung von Fehden und Kriegen sah. Als er 1394 in Hardegsen starb, konnte er nicht in der Kirche des nördlich von Northeim gelegenen Klosters Wibrechtshausen bestattet werden, weil er mit dem Kirchenbann belegt war. Erst als seine Witwe durch Sühneleistungen den Verstorbenen davon gelöst hatte, wurde eine große Kapelle über das an der Nordwand der Kirche gelegene Grabmal errichtet.

Sein Sohn und Nachfolger Herzog Otto II. von Braunschweig-Göttingen, genannt Otto der Einäugige, war im krassen Gegensatz zu seinem Vater ein sehr friedliebender Mensch. Weil ihm wohl das Dasein als Landesherr beschwerlich war, gab er 1435 die Regierung auf. Sein Fürstentum ging nach einem kurzen Zwischenspiel ohne herzoglichen Landesherrn zwei Jahre später an Herzog Wilhelm den Älteren, der zu dieser Zeit das Fürstentum Calenberg innehatte. Otto der Einäugige hatte sich nach Uslar zurückgezogen und sich die Einkünfte aus diesem Raum für seine Hofhaltung gesichert. Weil er entsprechend Münden, Dransfeld und Sichelnstein zum Unterhalt seiner Frau, der Herzogin Agnes, Tochter des Landgrafen Hermann von Hessen, vorbehalten hatte, blieb er auch Mündens Stadtherr bis zu seinem Tode 1463.

Weil er keine männlichen Nachkommen hatte, fiel jetzt das gesamte Fürstentum Göttingen an Wilhelm den Älteren, dem 1473 auch das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel zugefallen war, nach dem dort der letzte Herzog ohne Erben gestorben war. Damit war das Fürstentum Braunschweig, wie es 1267 entstanden war, mit Ausnahme von Grubenhagen wieder in einer Hand. Als Wilhelm der Ältere 1482 gestorben war, kam es ein Jahr später lediglich zu einer Nutzungsteilung zwischen seinen Söhnen, Wilhelm dem Jüngeren und Friedrich. Nach Friedrichs Tode aber wurde das Fürstentum Braunschweig neuerlich unter Wilhelms Söhnen Heinrich und Erich geteilt.

Erich erhielt das Fürstentum Göttingen und das schon 1432 bis 1473 eigenständige Fürstentum Calenberg. So wurde das Fürstentum Calenberg-Göttingen geschaffen, das unter Erich I., seiner Witwe, der Herzogin Elisabeth und seinem Sohn, Erich II., bis 1584 bestand.

Dr. Johann D. von Pezold, GESCHICHTE AN DEN DREI FLÜSSEN, Burg als Verwaltungssitz


Die Geschichte des Herzogtums und der Teilfürstentümer war gekennzeichnet durch zahlreiche Teilungen aber auch erneute Zusammenführungen. So entstand etwa im 15. Jahrhundert das Fürstentum Calenberg als Teilfürstentum im Herzogtum Braunschweig-Lüneburg.

Unter Herzog Erich I. von Braunschweig-Lüneburg wurde die Burg Calenberg zur mächtigen Festung ausgebaut. Eine weitere stark befestigte Burg, die er errichten ließ, war die ab 1527 errichtete Erichsburg bei Dassel.

Erich I. begründete die Calenberger Linie des Herzogtum Braunschweig-Lüneburg. Für die Zeit seiner Herrschaft und die seines Sohnes Erich II. wird dabei häufig der Name Fürstentum Calenberg-Göttingen verwendet, wobei für beide Landesteile eigene Landstände und eigene Räte bestanden, davon auch eine Kanzlei in Münden.

Aus dem Fürstentum Calenberg bildete sich mit der Verleihung der Kurwürde 1692 das Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg. Das Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg war ab dem Jahre 1692 das 9. Kurfürstentum des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation (Chur-Braunschweig-Lüneburg, auch Chur-Hannover oder Kurhannover genannt), bevor es im Jahre 1814 zum Königreich Hannover wurde. Im Deutschen Krieg von 1866 verlor es an der Seite Österreichs den Krieg gegen Preußen und war fortan nur noch Provinz im Königreich Preußen.

siehe auch