Herzogin Elisabeth (1510 - 1558)

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Mutter der Reformation

Vorspann: 1542 führte Herzogin Elisabeth in Calenberg-Göttingen die Lehre Luthers ein

Herzogin Elisabeth von Braunschweig-Lüneburg, Regentin von Calenberg-Göttingen (1510-1558) FOTO: SAMMLUNG HARTUNG/NH

Sie war die Mutter der Reformation in unserer Region: Herzogin Elisabeth von Braunschweig-Lüneburg. 1542 führte sie mit Hilfe des Theologen Antonius Corvinus die Lehre Luthers in ihrem Fürstentum Calenberg-Göttingen ein. Für die Regentin war dies eine Herzensangelegenheit - dabei prägte der strenge Katholizismus des Vaters ihre ersten Lebensjahre.

Geboren wurde Elisabeth 1510 als Tochter des Kurfürsten von Brandenburg-Hohenzollern Joachim I. und seiner Frau Elisabeth, Tochter des Königs Johann I. von Dänemark. Als die Mutter sich der lutherischen Lehre zuwandte, verriet Elisabeth das Geheimnis ihrer Mutter dem Vater. Aus Angst vor Verfolgung blieb der Mutter nur die Flucht aus Brandenburg.

Elisabeth war 15, als ihr Vater sie mit dem 55-jährigen katholischen Herzog Erich I. von Braunschweig-Lüneburg verheiratete, der von Münden aus das Fürstentum Calenberg-Göttingen regierte. Ein Sohn und drei Töchter gingen aus der Ehe hervor. Bereits in den letzten Jahren ihrer Ehe - Erich I. starb 1540 - wandte sich Elisabeth wie ihre Mutter, mit der sie sich 1534 ausgesöhnt hat, der neuen Lehre zu. Entscheidend, so die Historikerin Ingeborg Klettke-Mengel, seien Begegnungen mit Martin Luther gewesen.

Nach dem Tode ihres Mannes übernahm sie für ihren 12-jährigen Sohn Erich die Regierungsgeschäfte im Fürstentum. Noch im selben Jahr begann sie ihr Reformationswerk. Sie holte Antonius Corvinus - damals Pfarrer in Witzenhausen - ins Land, der für das Fürstentum eine Kirchenordnung erarbeitete. 1542 wurde sie in Kraft gesetzt. Machtwille bildete die Triebkraft, der lutherische Glauben das Leitmotiv ihres Handelns, so Klettke-Mengel über die Herzogin. Elisabeth zeigte sich als tatkräftige Regentin. Sie sorgte für eine geordnete Rechtspflege im Fürstentum und verfasste Grundsatzschriften, wie einen Sendbrief an ihre Untertanen (1544) und ein Jahr später ein Regierungshandbuch für ihren Sohn.

Aber Erich wurde zur größten Enttäuschung ihres Lebens. Mit 18 Jahren übernahm er die Regierung und bekannte sich bald - obwohl von Corvinus lutherisch erzogen - zum katholischen Glauben. Mit Gewalt versuchte er den Katholizismus wieder einzuführen. Pfarrer wurden vertrieben, Corvinus - Wortführer des Widerstandes- 1549 gefangen genommen. Bis 1552 blieb er in Haft. Die politische Lage zwang Erich II. allerdings zu Kompromissen. Als Herzog Heinrich II. von Braunschweig-Wolfenbüttel sein Fürstentum bedrohte, ging er ein Bündnis mit dem Protestanten Albrecht Alkibiades von Brandenburg-Kulmbach ein. Vermittelt hatte dies Elisabeth. Bei einem Sieg des erzkatholischen Heinrich musste Elisabeth mit ihrer Vertreibung aus Münden rechnen.

Die Bedingung für das Bündnis: Erich musste die lutherische Lehre in seinem Land zulassen. Als 1553 Erich II. in einer verlustreichen Schlacht bei Sievershausen Heinrich unterlag, musste Elisabeth Münden verlassen und flüchtete mit ihrer jüngsten Tochter nach Hannover, wo sie unter wirtschaftlich schwierigen Bedingungen lebte. Ihre letzte Zuflucht fand sie ab 1555 in Ilmenau, wo ihr die Familie ihres zweiten Mannes, dem Grafen Poppo XII. von Henneberg, mit dem sie seit 1546 verheiratet war, Asyl gewährte. Am Ende ihres Lebens war es noch einmal Erich, der ihr einen Schlag versetzte. Gegen ihren Willen verlobte er ihre jüngste Tochter 1557 mit einem katholischen Adligen aus Böhmen. Elisabeth wollte dennoch an der Hochzeit teilnehmen und machte sich auf dem Weg nach Münden. Erst unterwegs erfuhr sie, dass die Feier bereits vor 14 Tagen stattgefunden hatte. Elisabeth brach zusammen. Der Schmerz soll die Ursache für ihre späteren Tobsuchtsanfälle mit zeitweiser geistiger Umnachtung gewesen sein. Sie starb am 15. Mai 1558. (EMS)

Literatur

  • Aus dem Leben und Wirken der Herzogin Elisabeth, in: J.D. von Pezold, Geschichte an den drei Flüssen; I. Klettke-Mengel, Die Sprache in den Fürstenbriefen der Reformationszeit.

siehe auch