Herzog Otto I. der Quade

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Herzog Otto I. der Quade (um 1340 - 1394), dessen Beinamen „der Quade“ so viel bedeutet wie "der Böse" oder "der Streitsüchtige", sah seinen fürstlichen Lebensinhalt offenbar in der Führung von Fehden und Kriegen.

Leben und Wirken

Herzog Otto war der erstgeborene Sohn von Herzog Ernst mit seiner Frau Elisabeth, der Tochter des Landgrafen Heinrich II. von Hessen, genannt der Eiserne.

1366 stirbt Heinrichs einziger Sohn Otto der Schütz völlig überraschend und der Landgraf muss für einen neuen Nachfolger sorgen. Zunächst benennt er Otto, den Sohn seiner Tochter Elisabeth. Doch dieser führt ein "wüstes Leben" und äußert sich lieblos über seinen Großvater, so dass dieser ihm schon 1367 das Erbe abspricht und sich für seinen Neffen Hermann entscheidet.

Otto, der später „der Quade“ genannt wurde und nach seinem Vater herrschte, schloss sich mit Rittern gegen die Städte zusammen, deren wachsende Macht ihm bedrohlich erschien und verfolgte seine Erbansprüche in Hessen. Im Jahr 1370 verbündete er sich mit Graf Gottfried von Ziegenhain sowie einem großen Teil des westfälischen, thüringischen und sächsischen Adels und der Ritterschaft zum so genannten "Sternerbund". Die Spannungen zwischen den Sternern und dem damligen Landgraf Heinrich II. mündeten schließlich in den so genannten Sternerkrieg.

Ebenso griff Otto nach dem Tode seines Vetters Magnus in den "Lüneburger Erbfolgekrieg" als Vormund seiner Neffen ein.

Seine Herrschaft erstreckte sich vom Solling mit Uslar im Nordwesten, Gandersheim und Seesen im Nordosten, Northeim im Zentrum sowie Göttingen und Münden im Süden.

Als er 1394 in Hardegsen starb, konnte er nicht in der Kirche des nördlich von Northeim gelegenen Klosters Wibrechtshausen bestattet werden, weil er mit dem Kirchenbann belegt war. Erst als seine Witwe durch Sühneleistungen den Verstorbenen davon gelöst hatte, wurde eine große Kapelle über das an der Nordwand der Kirche gelegene Grabmal errichtet.

Geschichte und Geschichten

Otto wurde um 1340 als Sohn des Herzogs Ernst von Göttingen geboren. Bereits im Alter von 17 Jahren wurde er mit Mirislava, der Tochter Herzog Johanns von Holstein-Plön vermählt und übernahm schon 1364 von seinem Vater einen Teil der Regierungsgeschäfte, bevor er nach dessen Tod 1367 seine Nachfolge antrat und alleiniger Regent wurde.

Bereits 1368 lud er viele Ritter zu einem Großturnier nach Göttingen ein. Während andere Regenten in ihrer Regierungszeit nur 1 oder 2 Turniere ausrichteten, brachte es Otto auf insgesamt 8. Die enormen Kosten hierfür erpreßte er von seinen Untertanen oder verpfändete seine Besitzungen. So bekam die Stadt Göttingen im Gegenzug für die Finanzierung eines aufwendigen Turniers Gerichts-, Münz- und Zollrechte. Da Otto aber trotz chronischen Geldmangels weiter auf großem Fuß lebte, mußte er nach und nach auch seine Burgen, so auch die Burg Brunstein, verkaufen und verpfänden. Seine Gefolgsleute zogen durch die Lande, um zu rauben, zu stehlen, zu brandschatzen und zu morden. Dazu kamen Geiselnahmen, mit denen Otto enorme Geldsummen erpreßte.

Otto war ein fehdelustiger Ritter, der nicht nur mit den Bischöfen, sondern auch mit den Städten Braunschweig, Göttingen und Hildesheim sowie den benachbarten Fürsten in Hessen und Thüringen ständig Streit führte.

Als er 1370 von der Harzburg aus mit seinen Rittern Brandenburgs Altmark überfiel und mit reicher Beute, darunter viel Weidevieh, heimkehrte, schenkte er einen großen Teil dem Kloster Wiebrechtshausen gegen die Zusicherung, seine letzte Ruhestätte in der Klosterkirche in geweihter Erde zu erhalten.

Als dann Herzog Otto am 13. Dezember 1394 auf seiner Burg in Hardegsen starb, stand er unter dem Kirchenbann, weil er bei kriegerischen Auseinandersetzungen die Kirche in Kirchgandern niedergebrannt hatte. Seine Witwe, Herzogin Margarete, die er nach dem Tod von Mirislava irn Jahr 1379 geheiratet hatte, konnte beim Mainzer Erzbischof lediglich erreichen, daß sein Leichnam unter der Dachtraufe der Klosterkirche unmittelbar an der nördlichen Kirchenmauer ohne Ehren beigesetzt werden durfte.

Erst nach vielen Mühen seiner Witwe wurde Jahre später die Exkommunikation durch den Bischof Konrad von Mainz rückgängig gemacht. Margerete ließ über der Begräbnisstätte eine kleine Kapelle als Erweiterungsbau der Kirche errichten und einige Jahre später einen Durchbruch durch die Kirchenmauer herstellen. Somit liegt Otto der Quade nunmehr in geheiligter Erde im Innenraum der Kirche.

Auf dem Leichenstein befindet sich ein Bildnis Ottos, bei dem das Gesicht leider stark zerstört ist. Es läßt sich aber so viel erkennen, daß Haupt und Kinn stark behaart waren. Um den Hals hängt an einem Band eine kleine Sichel, daß Zeichen des Sichelordens, dem Otto angehörte.

Wegen der Zugehörigkeit zum Sichelorden wird Otto auch der "Secklenbörger" genannt. Inwieweit ein Zusammenhang zwischen seinem Wirken und der eingangs erwähnten Secklerburg bei Mandelbeck besteht, ist unbekannt. Sein Leben, die Raubzüge seiner Gefolgsleute und seine Grausamkeit können aber die Ursache für die vielen Sagen um den Secklenbörger sein.

Auf jeden Fall hat ihn der Volksmund mit der Secklenburg in Verbindung gebracht und seine Grausamkeit und seine Sichel tauchen immer wieder in den Sagen auf.

Alte Leute, die rund um den Westerhöfer Wald wohnen, sprechen noch heute bei starken Herbst- und Frühjahrsstürmen, wenn die Luft von Heulen und Brausen erfüllt ist, vom Secklenbörger, der mit seiner Meute durch die Lüfte zieht, ähnlich dem "wilden Jäger" im Solling.

Quellen/ Literatur

  • Karl Sandfuchs, Das Kloster Wiebrechtshausen in Northeimer Heimatblätter, Heft4/ Jg.1975
  • Erhard Kühlhorn, Die mittelalterlichen Wüstungen in Südniedersachsen, Band 2: F-N S. 396
  • Paul Ehrenpfort, Otto der Quade, Herzog von Braunschweig zu Göttingen, Hannover 1913
  • Edgar Kalthoff; Geschichte des südniedersächsischen Fürstentums Göttingen und des Landes Göttingen im Fürstentum Calenberg 1285-1584, Herzberg 1982

siehe auch

Weblinks