Herrschaft Itter

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Ruine der Itterburg
Ruine der Itterburg

Das Gebiet der Gemeinde Vöhl, im Landkreis Waldeck-Frankenberg südwestlich von Kassel gelegen - deckt sich im Wesentlichen mit dem der alten Herrschaft Itter, die sich im Hochmittelater im vormaligen Ittergau ausbildete.

Geschichte

Nach dem Aussterben der Herren zu Itter wurde das Gebiet zwischen Hessen und Kurmainz geteilt. Nach zwischenzeitlicher Verpfändung an die Grafen von Waldeck und die Wolff von Gudenberg, gelangte die Herrschaft Itter 1589 an Hessen.

Ahnherren der Grafen und Fürsten von Waldeck waren väterlicherseits das Grafengeschlecht der Schwalenbergs (mit Widekind I. von Schwalenberg als Stammvater) und mütterlicherseits die Edelherren zu Itter.

Gepa von Itter

Gepa von Itter, Witwe des Gumbert von Warburg, gründete mit ihren Töchtern etwa um das Jahr 1131 das Augustiner-Chorherren-Stift Arolsen, das später zur Residenz der Grafen und Fürsten von Waldeck ausgebaut wurde.

Eine Tochter der Gepa von Itter, einer Verwandten und letztlich Erbin der im männlichen Stamm 1123 ausgestorbenen ersten Linie Itter, wahrscheinlich Mechthild, heiratete um oder vor 1128 den Edelherren Konrad I. von Everstein, Gaugraf von Medebach und Vizevogt des Klosters Helmarshausen, der mit dieser Heirat Schloß und Herrschaft Itter erwarb - allerdings als Lehen von Corvey. Ein Sohn der beiden, Gerlach, wurde der Ahnherr des zweiten Hauses Itter; der andere, Thietmar, begründete die Herrschaft Büren bei Paderborn, auf von seiner Großmutter Gepa geerbtem Allodialbesitz der Grafen von Arnsberg-Werl.

Wolff von Gudenberg

1381 wurde Thilo Wolff von Gudenberg Oberhaupt der Herrschaft Itter, da Waldeck und Hessen ihm ihre Gebietsanteile verpfändeten, und verlegte den Verwaltungssitz nach Vöhl, wo er südlich des Dorfes eine Burg errichten ließ. 1542 lösten die Waldecker, 1562 schließlich auch die Hessen ihr Pfand ein.

Landgrafschaft Hessen-Darmstadt

Die Herrschaft Itter kam 1589 mit Übergabe (Weitergabe) der mainzischen Pfandschaft zunächst an die Landgrafschaft Hessen-Marburg.

1604,nach dem Tod Landgraf Ludwig IV. von Hessen-Marburg fiel die Herrschaft Itter mit den vom Fürstentum Waldeck umschlossenen Exklaven Höringhausen und Eimelrod durch Bestimmung im Testament an die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt.

Während der nächsten Jahrzehnte wechselte die Herrschaft Itter mehrmals den Besitzer, insbesondere auch während des Dreißigjährigen Krieges. Am 14. Mai 1639 - die Herrschaft gehörte mal wieder zur Landgrafschaft Hessen-Darmstadt - übertrug Landgraf Ludwig V. die Herrschaft Itter mit Schloss und zugehörigen Dörfern als Deputat auf seinen Bruder, den Landgrafen Philipp, der allerdings weiter in seinem Schloss in Butzbach wohnte. Noch im Mai kam Philipp allerdings für kurze Zeit nach Vöhl, um sich von seinen neuen Untertanen huldigen zu lassen. Nach dessen Tod 1643 wurde die Herrschaft Itter wieder direkt dem hessen-darmstädtischen Landgrafen unterstellt.

1650, in Folge der Friedensschlüsse zum Dreißigjährigen Krieges, wurde die Herrschaft Itter endgültig - wenn auch nur für etwas mehr als 200 Jahre - Hessen-Darmstadt zugeordnet.

Nach dem Tod des Landgrafen Georg II. wurde die Herrschaft als Apanage dessen jüngerem Sohn Georg III. dem Mittleren übertragen. Dieser ließ das alte Schloss der Gudenberger in Vöhl renovieren und zur Residenz erweitern. Doch schon 15 Jahre später - am 19. Juli 1676 - starb Georg in Hof Lauterbach.

1691 - Landgraf Ludwig brauchte wohl mal wieder Geld - wurde die Herrschaft Itter für 80 000 Gulden an den reichen Johann Matthias Koch, gen. von und zu Geilenbach, verpfändet. 1695 löste Hessen-Darmstadt das Pfand wieder ein.

1806 wurde die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt durch Napoleon Bonaparte, Kaiser von Frankreich, zum Großherzogtum Hessen erhoben. 1821 wurde durch die Verwaltungsreform im Großherzogtum die Herrschaft Itter in "Kreis Vöhl" umbenannt.

Preußen

1866 wurde die Herrschaft Itter preußisch.

Im deutsch-deutschen(preußisch-österreichischen) Krieg, standen das Großherzogtum Hessen (Darmstadt) wie auch das Kurfürstentum Hessen (Kassel) auf der Seite Österreichs. Der Sieg in der entscheidenden Schlacht bei Königgrätz(1866) ging an Preußen.

Preußen annektierte daraufhin das gesamte Kurfürstentum Hessen sowie Teile des Biedenkopfer Hinterlandes mit Battenberg und den Landkreis Vöhl aus dem Großherzogtum Hessen, das außerdem umfangreiche Reparationen an Preußen zahlen musste. 1867 wurde der ehemalige Landkreis Vöhl an den vorher kurhessischen, nunmehr preußischen Landkreis Frankenberg angeschlossen, blieb aber innerhalb des Landkreises bis 1885 ein eigener Amtsbezirk.

Nach dem preußisch-österreichischen Krieg musste Hessen-Darmstadt die Kreise Biedenkopf und Vöhl an Preußen abtreten; der Kreis Vöhl blieb als eigener Verwaltungsbezirk in der von Kassel aus verwalteten Provinz Hessen-Nassau erhalten, der „Amtmann“ wurde dem Landrat in Frankenberg unterstellt.

Die itterschen Exklaven Höringhausen (H) und Eimelrod (E) wurden im Zuge der Angliederung des Freistaat Waldeck an Preußen im Jahre 1929 den ehemaligen waldeckischen Landkreisen "der Eder" (H) und "des Eisenbergs" (E) zugeordnet.

1942 wurden die Landkreise "der Eder", "des Eisenbergs" und "der Twiste" zum Kreis Waldeck zusammen geschlossen.

Land Hessen

Nach dem Zusammenbruch des Nazi-Regimes wurde 1946 das Land Hessen gegründet. Die Landkreise Frankenberg und Waldeck werden so Teile des neu erstandenen Bundeslandes Hessen.

Durch die Gebietsreform in Hessen werden die Landkreise Waldeck und Frankenberg am 1.Januar 1974 zum Landkreis Waldeck-Frankenberg zusammengefasst.

Die alte Herrschaft Itter liegt im Zentrum des 1974 neu geschaffenen Landkreises Waldeck-Frankenberg.

Ittergau

Der Ittergau lag im Mittelalter an der mittleren Eder im Norden von Hessen, benannt nach dem Nebenfluss der Eder, der Itter.

Orte im Ittergau waren u. a. :

Der Stammsitz des Adelsgeschlechts von Itter im 11. Jahrundert war vermutlich auf der „Oberen Burg“ bei [Obernburg]], ab 1126 dann die Itterburg, heute Ruine bei Thalitter (Ortsteil der Gemeinde Vöhl) .

Literatur

  • Ulrich Bockshammer: Ältere Territorialgeschichte der Grafschaft Waldeck, Schriften des Hessischen Amts für geschichtliche Landeskunde, Marburg 1958

siehe auch

Weblinks