Herkules-Brauerei

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Im Jahr 1895 bauten die Gebrüder Sumpf die bereits 1861 erstmals erwähnte Brauerei Losch an der Hafenstraße in Kassel neu auf. Durch Zusammenschluss der Kasseler Brauereien E. Wentzell und der Losch’schen Brauerei Gebr. Sumpf mit der Greifswalder Brauerei August Sumpf Söhne im Jahr 1897 entstand die Herkules-Brauerei mit einer Dependance gleichen Namens in Greifswald.

Die Namensgebung rekurrierte auf das Wahrzeichen Kassels - dem auf 580 Metern Höhe gelegenem Herkules-Bauwerk.

Nach Übernahme der Schiebelerschen Brauerei im Jahr 1898 und der „Hessischen-Actien-Bierbrauerei“ - 1872 als erste Aktiengesellschaft im Kasseler Raum gegründet und deren Bier ob ihres Geschmacks und der Gesellschaftsform wegen im Volksmund „Dividendenjauche“ genannt - wurde die Brauerei 1912 in „Hessische und Herkules-Bierbrauerei AG“ umbenannt.

Nach Stilllegung der Hessischen Aktienbrauerei und der Konzentrierung des Brauens auf die Herkules-Brauerei an der Hafenstraße entfiel die Notwendigkeit doppelter Namensbezeichnung, so dass seit 1921 die Bezeichnung Herkules-Brauerei geläufig wurde.

Die im Jahre 1912 aus der Fusion von Herkules und Hessischen Actien-Brauerei Wehlheiden hervorgegangene Brauerei schloss sich im Jahr 1972 - nach Jahren der Kooperation - mit der Binding-Brauerei zusammen. Die Brauereitradition fand nach dem Beschluss der Binding AG 1999 ihr Ende.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Aus der Firmengeschichte

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Herkules-Brauerei 1928 - Das in der Mitte der 20er-Jahre des 20. Jahrhunderts eingeführte Firmenlogo zeigt die Silhouette des Haupthauses der Brauerei in der Hafenstraße (Mitte des Fotos)

Bis dahin firmierte die Brauerei mit einem naturgetreuen Abbild der Herkulesstatue (auf Gläsern) oder des gesamten Herkulesbauwerkes (auf Werbeplakaten). Die anfänglichen Werbeschilder waren (wie in den frühen Jahren der Werbung allerorten) recht schlicht und zeigten ebenfalls in der Mitte den Herkules mit einer kurzen Umschrift.

1953 kam es zur Übernahme der Kasseler Schöfferhof-Brauerei, die zur Binding AG gehört und den Beginn der Kooperation auslöste. 1964 wurde von Herkules Römer-Pils auf Binding-Pils umgestellt und zwei Jahre später von Herkules auf Binding-Export – ein Flop, wie sich herausstellte und die erste Wiederbelebung der Marke Herkules auslöste: Bereits 1968 - um den erheblichen Umsatzrückgang zu stoppen, wurde Herkules Privat-Pils neu auf den Markt gebracht. Dennoch: Der Untergang der Kasseler Traditionsbrauerei war nicht aufzuhalten. 1972 folgte schließlich der Zusammenschluss von Herkules und Binding. Aus der eigenständigen Brauerei wurde eine Binding-Zweigniederlassung. Herkules-Bier wurde noch bis Anfang der 90er Jahre in kleiner Menge gebraut – und 1998 durch einen Streit mit der Kropf-Brauerei um den Namen Herkules erneut kurzfristig und wohl zum letzten Mal wiederbelebt: Im Dezember 1999 wurde der Betrieb in der Kasseler Binding-Dependance völlig aufgegeben und auch die Produktion der letzten Kasseler Biermarke – das Schöfferhofer Weizenbier – nach Frankfurt am Main verlegt. Der Versuch einer weiteren Wiederbelebung der Marke Herkules im Rahmen der Herkules-Spendenaktion der HNA im Jahr 2005 war eher ein begleitender Werbegag denn ein ernsthafter Versuch, die Marke erneut am Markt zu platzieren.

Um die Markenrechte an "Herkules" nicht zu verlieren, gibt es von Binding ein "Herkules Privat-Malz", das aber weder mit dem Kasseler Herkules noch mit Kassel irgendetwas gemein hat. Zumindest anfänglich war noch der Herkules abgebildet, nun ist dort das Porträt eines griechischen Helden (stilisiert) zu sehen.

Bierkutsche mit 50 Pferdestärken

Von Pferde- auf Maschinenkraft, diese Umstellung vollzog auch die Hessische & Herkules-Bierbrauerei AG Cassel, die einen der ersten 1926 gebauten Henschel-Lkw in Dienst stellte. Das Fahrzeug hatte 50 PS, 48 mehr als ein herkömmliches Pferdegespann und war mit Holzspeichenrädern und Vollgummireifen ausgestattet.

Chronik

* 1895 bauen die Gebrüder Sumpf die bereits 1861 erstmals erwähnte Brauerei Losch an der Hafenstraße neu auf.

* 1897 schließen sich die Losch'sche Brauerei Gebr. Sumpf und die Brauerei E. Wenzel mit der Brauerei Sumpf Söhne, Greifswald, zur Actien-Gesellschaft Hercules zusammen.

* 1912 fusioniert Hercules mit der Hessischen Actien-Brauerei Wehlheiden. Ausstoß: 170000 Hektoliter.

* 1938 wird das neue Sudwerk fertiggestellt.

* 1944 beschädigen Fliegerbomben die Braustätte schwer.

* 1948 erfolgt die Wiederaufnahme der Produktion. Ausstoß: 48.000 Hektoliter.

* 1953 Übernahme der Kasseler Schöfferhof-Brauerei, die zur Binding AG gehört. Beginn der Kooperation.

* 1964 erfolgt die Umstellung von Herkules Römer Pils auf Binding Pils.

* 1966 Übernahme der Niederlassung der Engelhardt-Brauerei; Umstellung von Herkules auf Binding Export.

* 1968 werden die neuen Marken nicht angenommen. Um den erheblichen Umsatzrückgang zu stoppen, wird Herkules Privat-Pils neu auf den Markt gebracht.

* 1972 Zusammenschluß von Herkules und Binding. Aus der eigenständigen Brauerei wird eine Binding-Zweigniederlassung.

* 1981 machen erstmals Gerüchte über eine mögliche Schließung die Runde.

* 1991 werden neue oberirdische Gär- und Lagertanks errichtet. Insgesamt investiert Binding von Anfang der 80er bis Mitte der 90er Jahre rund 80 Mio. Mark.

* 1994 liegt der Ausstoß nur bei 180.000 Hektolitern (1990: 364000 Hektoliter). Der Marktanteil von Binding beträgt fünf Prozent. * 1996 wird der Fuhrpark aufgelöst. * 1997 gibt Binding-Chef Erbrich eine Bestandsgarantie für den Standort Kassel. Man richte sich auf weitere 100 Jahre ein.

* 1998 Aus dem Streit mit Martini um den Markennamen Herkules geht Binding als Sieger hervor. Im Sommer bringt die Brauerei ein verfeinertes Herkules Pils auf den Markt.

* 1999 Am 2. März verkündet Erbrich die Schließung zum Jahresende.

* 2002 nutzt die documenta die ehemalige Brauerei als Ausstellungsstätte.

* 2008 Abriss der Gebäude mit Ausnahme des Schornsteins und des sog. "Schalander". Auf dem Gelände entsteht ein OBI-Baumarkt.

Herkules Bierbrauerei am Karlsplatz

In der Wilhelmsstraße; links fällt der Blick in den Karlsplatz, rechts in die Obere Karlsstraße
Das große Eckhaus Karlsplatz 1-2 / Obere Karlsstraße 18 ist eng mit der Kasseler Brauereigeschichte verbunden. Nach 1714 von den Manufakturbesitzern Landré errichtet, übernahm 1839 der Schneidermeister Hermann Meyer den Gebäudekomplex; um 1860 erwarb ihn der Bierbrauer Sebastian Losch und richtete die Gaststätte „Zum Carlsplatz“ ein. Das Bier wurde damals bevorzugt in Kellern gekühlt, die man im Weinberg oder an der Kölnischen Straße in den Felsen getrieben hatte; das benötigte Eis schnitt man im Winter aus der Fulda.

Losch ließ seinen Bierkeller ab 1860 auf dem heutigen Grundstück Kölnische Straße 112 anlegen. Später betrieb er auch das beliebte Gartenlokal „Stadtpark“ (Wilhelmsstraße 6; vgl. Station 18). Im Jahre 1885 übernahmen die Gebrüder Sumpf das Haus am Karlsplatz und wurden Teilhaber der Brauerei, die sie nach Loschs Tod 1887 alleine weiterführten. 1897 schlossen sie sich mit den Brauereien Wentzell (Gasthaus zur Pinne) und August Sumpf Söhne (in Greifswald) zusammen: Die Herkules-Brauerei entstand, mit Sitz in der Hafenstraße.

1925 und 1926 wurde der Komplex am Karlsplatz von der Besonderen Ortskrankenkasse erworben, 1936 von der Stadt Kassel und der GWG; nun zogen hier mehrere städtische Ämter ein, wobei die Gaststätte bestehen blieb. Nach dem Zweiten Weltkrieg ließ man das Gelände zunächst unbebaut; anstelle der Häuserzeile an der Karlsstraße erhebt sich heute der Südflügel des Rathauses. – Die Herkules-Brauerei wurde 1972 der Binding AG eingegliedert und 1999 geschlossen.

Der Gebäudeflügel an der Karlsstraße griff das Motiv des Dreifensterhauses auf, wobei das oberste Geschoss aber von vornherein als Vollgeschoss ausgebaut war (ohne Zwischenräume zwischen den Giebeln). Die Mauer rechts im Bild gehört zum Rathaushof; die frühere Bebauung aus dem 18. Jahrhundert war 1904 für den Neubau des Rathauses abgebrochen worden.

Verlorene Stadt

Ausstellung: Verlorene Stadt

Rundgang 2: Stationen der Ausstellung "Verlorene Stadt"
Station 11: Obere Karlsstraße 32 | Station 12: Obere Karlsstraße 26-28 | Station 13: Obere Karlsstraße bis Friedrichsplatz | Station 14: Obere Karlsstraße bis Weinbergstraße | Station 15: Hercules Bierbrauerei | Station 16: Karlskirche | Station 17: Wilhelmsstraße 15 | Station 18: Stadtpark | Station 19: Garde-du-Corps-Straße | Station 20: Garde-du-Corps-Platz

Weblinks und Quellen

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