Herkules-Bergrennen

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Zum Bergrennen kamen einst Autofreunde aus ganz Deutschland
Herkules - Bergrennen: Der Startschuss fiel in der Wilhelmshöher Allee

Im Jahr 2005 feierte das Herkules-Bergrennen dank Dr. Dietrich Krahn und Heinz Jordan seine Renaissance. Ausrichter war der Kurhessische Motorsportclub Kassel.

Geschichte

1927: Verkehr von amerikanischen Dimensionen
"Die Wilhelmshöher Allee hinauf herrscht ein Verkehr von amerikanischen Dimensionen", heißt es in einem Zeitungsbericht aus dem Jahre 1927. Arved Klippert steht am Straßenbahndepot, die Schiebermütze auf dem Kopf, in der Hand die Startflagge, und schaut auf seine Präzisionsuhr. An diesem 22. Mai, dem letzten Tag der Kasseler Grünen Maiwoche, gibt es ein Programm-Highlight: das fünfte Herkules-Bergrennen. Es beteiligen sich 110 Fahrer aus ganz Deutschland.

Am Steuer des Bugatti-Rennwagens mit der Startnummer 26 konzentriert sich Rennveteran Karl Kappler auf den Start. Schon das erste Bergringrennen 1923 ist er mitgefahren und seitdem alle vier. Ziel ist nach 12 schwierigen Kurven der 4,5 Kilometer entfernte Kilometerstein 8,7 oben am Herkules. Es geht los: "Weit voraus hallt das nervenpeitschende Gebrüll der Motoren", beschreibt ein Reporter der Kasseler Post die Szenerie. Mit seinem Bugatti wird Kappler erster in der Klasse D der Rennwagen und mit einem Simson Supra zweiter in der E-Klasse der Sportwagen. Der schnellste Fahrer ist Georg Rosenberger auf einem "1914er Grandprix-Vierzylinder" von Mercedes-Benz in einer Zeit von drei Minuten, 47,7 Sekunden.

Auf dieser Strecke im Habichtswald verdient sich später der weltberühmte Rudolf Caracciola seine Sporen. Nach einem an Siegen reichen Rennfahrer-Leben erliegt Caracciola 57jährig 1959 im Kasseler Stadtkrankenhaus einem Leberleiden. 1927 ist er noch nicht in Kassel dabei. "Es gibt keine idealere Rennbahn in der ganzen Welt als die Wilhelmshöhe - kann man sich für eine Rennstunde ein schöneres Panorama denken?", drückt seinerzeit ein Sportreporter seine Begeisterung aus. Und doch: Das fünfte Bergringrennen ist zugleich für viele Jahre das letzte.

1951: Herkules-Bergringrennen
Die Hessischen Nachrichten schreiben von 50000, die Kasseler Zeitung von 60000 begeisterten Zuschauern beim Herkules-Bergringrennen, das am 19. August der ADAC mit Rennleiter Karl-Bernd Appell veranstaltet. In den Klassen von 100 bis 500 ccm Solo- und den 750 ccm Beiwagenmaschinen geht es auf einen 4,3 km langen Rundkurs mit 31 Kurven ab Marstall, über Wilhelmshöher Allee, Mulangstraße und durch den Bergpark. Acht bis 20 Runden fahren die Männer auf den Rennmaschinen gegeneinander.

In nur drei Wochen wurde die Strecke fertiggestellt. Sie sei "einmalig in Deutschland", lobt Georg A. Heinemann, ADAC-Sportleiter Hessen. Es komme "weniger auf eine überzüchtete Maschine an, als auf die Fahrkunst des Rennfahrers, ohne ihn zu zwingen, mit seinem Leben zu spielen". Dennoch ist die Strecke nicht ungefährlich. Beim Training, 200 Fahrer kämpfen um 100 Startplätze, stürzt Walter Fuchs aus Osnabrück mit seiner 125er Rennpuch in der kleinen Schleife unterhalb des Schloßcafe´s über einen Strohballen hinweg ins Gebüsch. Sein Sturzhelm wurde durchgeschlagen, die Lenkung der Maschine weggerissen. Fuchs kam mit Hautabschürfungen davon.

Die Kasseler haben Grund zur Freude. Mit Adolf Nölker in der Klasse bis 100 ccm und Gerd Duthe (bis 250 ccm) siegen zwei Fuldastädter. Nölker brauchte für acht Runden auf NSU 31:50,2 Min, Duthe kam nach 15 Runden (gleich 65,8 km) auf seiner DKW in 55:35,8 Min ins Ziel. Das bedeutete eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 71 km/h.

2011

Um die Anerkennung des Bergparks Wilhelmshöhe als Weltkulturerbe nicht zu gefährden, wurde 2011 erstmals ein 4,5-Kilometer-Rundkurs gefahren, der nicht mehr durch den historischen Park führt. Die Strecke für die Demonstrations- und Gleichmäßigkeitsläufe der Oldtimer führt vom Schloss über Tulpen-, Nuss- sowie Ochsenallee wieder zum Schloss zurück.[1]

Literatur

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  • "Und weiter oben wird`s ganz fürchterlich" von Martin Walter und Heinz Jordan, Edition Plate, ISBN 3-9809281-6-0

siehe auch

Links

  1. Aus HNA.de vom 24.Februar 2013: 100 Oldtimer werden zum Herkules-Bergpreis erwartet