Henschel-Chor

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Mit Hochzeitsständchen fing es an

1898 initiierte Unternehmerin Sophie Henschel eine Singgemeinschaft aus Werksangehörigen. Anlaß war die Hochzeit ihres Sohnes Carl.

Sophie Henschel hat viel bewegt, als erfolgreiche Unternehmerin, als sozial engagierte Frau. Ihr verdanken Mitarbeiter und die Stadt Kassel auch den Henschel-Chor. Der wurde auf Initiative der Frau Geheimrat 1898 ins Leben gerufen, um die Hochzeit ihres Sohnes Carl mit seiner Minnie feierlich zu umrahmen.

Der Bitte, eine Singgemeinschaft zu bilden, folgte - so ist überliefert - eine "stattliche Anzahl" Werksangehöriger. Die probten unter Chorleiter Wilhelm Barnbeck so erfolgreich, daß bei der Chefin der Wunsch aufkam, Henschelaner sollten sich auch zukünftig als Kulturschaffende hervortun. Im September vor 100 Jahren wurde daher die "Sängervereinigung der Henschel'schen Werke" gegründet. Die Unternehmerin steuerte als "Startkapital" 150 Chorbücher und einen Blüthnerflügel bei.

Auch wenn eine Frau den Henschel-Chor initiierte, er war fast 80 Jahre lang eine reine Männerangelegenheit. Über 100 Sangesfreunde sorgten in den ersten Jahren dafür, daß der Chor auch jenseits der Werkstore bekannt wurde. Man unterhielt das Publikum zum Beispiel am 25. März 1900 im großen Stadtparksaal, gemeinsam mit der Kapelle des Infanterie-Regiments von Wittich (3. Hess) Nr. 83.


Weihelied

Sophie Henschel blieb "ihrem" Chor treu, stiftete ihm eine Fahne, die im Juli 1902 feierlich eingeweiht wurde. Frauen und Töchter der Arbeiter erstellten ein Fahnenband, Chorleiter Barnbeck hatte ein Weihelied komponiert, zu dem Georg Mohr den Text schrieb. Dieses Lied gehört noch heute zum Repertoire des Henschel-Chores, auch wenn Worte wie "walle stolzes Banner, walle frei und hehr" nicht mehr so recht in die Zeit passen, wie Vorsitzende Rosemarie Findorf meint.

Bis in die ersten Jahre des Zweiten Weltkriegs trat man regelmäßig auf, erst 1945 kam das Chorleben zum Erliegen, wurde aber drei Jahre später mit einem Aufruf von 35 ehemaligen Sängern unter der Leitung von Heinrich Wilke wiederbelebt. Der Chor erreichte zwar nicht mehr die personelle Stärke der ersten Jahre, aber 1953 fanden sich immerhin noch 83 Männer zusammen, der höchste Mitgliederstand nach dem Kriege.


Die erste Frau

Erstmals kam 1974 eine Frau zu dem Männerclub und die hatte gleich das Sagen: Chorleiterin Friedel Böttcher-Föllmer. Es sollte nicht mehr lange dauern, bis auch gesanglich andere Töne angeschlagen wurden. Im Herbst 1976 nutzten alle Bemühungen nichts, dem Chor fehlte es an Masse. So rangen sich die Herren der Schöpfung durch, Frauen als Sängerinnen aufzunehmen. Nicht alle konnten sich mit dieser neuen Entwicklung zunächst anfreunden, sagt Rosemarie Findorf. "Die wollten nicht mehr mitsingen". Am 17. Januar 1977, zur ersten Probe des gemischten Chores, siegte zunächst die Neugier, dann die Einsicht und die Lust am Singen, so daß auch die Skeptiker wieder mitmachten.

Seitdem kommt der Chor "stimmlich gut zurecht". Auch wenn 1998 unter den 55 singenden Mitgliedern "nur noch zwölf Männer" waren, keiner ein aktiver Henschelaner.