Henschel HS 12 HL

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Henschel HS 12 HL - Der Umzugswagen von Henschel

Schrauber Martin Hinz fährt in dritter Generation einen in Kassel gebauten Lastwagen

„Das Auto trägt viele Geschichten mit sich herum“, sagt Martin Hinz und lässt seinen Blick verträumt an seinem historischen Nutzfahrzeug entlangschweifen, einem Henschel HS 12 HL. Der blaue Transporter ist nicht nur ein heute seltenes Kapitel Kasseler Automobilgeschichte, für den 22-jährigen Industriemechaniker aus Kassel - Unterneustadt ist er auch ein echtes Familienauto.

1963 kaufte der Umzugsunternehmer Paul Hinz, Martins Großvater, den in den Kasseler Henschel-Werken gebauten Wagen. Elf Jahre transportierte das fast zehn Meter lange Vehikel Möbel durch Nordhessen. Kurz vor seiner Stilllegung hatte der HS 12 (HS steht für Henschel, die Zwölf gibt das zulässige Gesamtgewicht in Tonnen an) jedoch noch eine besondere Fahrt vor sich: „Seinen letzten großen Umzug hatte er, als Anfang der Siebziger die Nachricht kam, dass Henschel seinen Standort am HoPla aufgibt und zum Werk Mittelfeld zieht“, sagt Martin Hinz. Dass ausgerechnet ein Henschel beim Umzug vom Holländischen Platz nach Rothenditmold mitgeholfen habe, der für viele Henschelaner der Anfang vom Ende des Traditionsunternehmens bedeutete, sei eine traurige Geschichte, sagt Hinz. Nachdem der HL (Haubenlastwagen, langes Fahrgestell) mehr als ein Jahrzehnt als Kistendepot genutzt wurde, restaurierte ihn Martin Hinz’ Vater, der inzwischen den Familienbetrieb übernommen hatte.

Wenig später setzte er seinen Sohn auf den Notsitz und fuhr mit ihm erstmals zu einem Oldtimertreffen. „Ich bin mit dem Henschel aufgewachsen“, sagt Martin Hinz. 1995 wurde die Umzugsfirma verkauft, der HS 12 blieb im Familienbesitz. Heute sitzt Vater Hinz auf dem Notsitz und Sohn Martin fährt zu Treffen.

Auch die Instandhaltung obliegt nun ihm. „Von 2006 bis 2007 hab’ ich eine Teilrestauration gemacht, weil sich die Originalgrundierung aufgelöst hatte“, sagt er. So habe er unter anderem den Lastwagen entrostet und das Fahrgestell lackiert. Schließlich möchte er den Zustand des Oldtimers, dessen Sechszylinder-Dieselmotor 132 PS leistet, aufrechterhalten. Dank regelmäßiger Pflege sei der Henschel trotz der 476 000 Kilometer so gut erhalten, dass er jederzeit für einen Umzug bereit wäre, betont er und fügt stolz hinzu: „Meiner ist das einzige noch fahrbereite Modell in Deutschland.“

Auch wenn Hinz zu Treffen sogar bis nach Dänemark fährt - zu einem der automobilen Höhepunkte in diesem Jahr muss er nicht weit reisen: Im August feiern Liebhaber alter Lkw aus ganz Deutschland den 200. Geburtstag von Henschel am Industriestandort Mittelfeld. Was für die einen ein freudiges Wiedersehen mit Gleichgesinnten ist, wird für Martin Hinz, der bei einer Henschel-Nachfolgefirma arbeitet, und sein historisches Nutzfahrzeug auch eine kleine Reise in die Vergangenheit. Denn auf dem Weg dorthin kommen sie auch am Holländischen Platz vorbei.

von Sebastian Schaffner